Frequenzgang einer Bandmaschine "korrekt" messen - Wobbeln oder Rauschen???

Erstellt 17 Antworten18 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo!
Mal wieder eine etwas theoretischere Frage: wie wird normalerweise der Frequenzgang einer Bandmaschine gemessen? Einen Sinus mit konstanter Amplitude von 20-22000 Hz durchwobbeln, aufzeichnen und nachher bei der Wiedergabe Pegelabweichungen beobachten? Oder (weißes) Rauschen aufzeichnen und mit FFT zerlegen und die Pegelabweichungen daran frequenzabhängig festmachen?
Hoffe mal nicht, daß die Frage zu blöd ist... aber ich bin da gerade ein wenig am Experimentieren und es wäre interessant zu wissen, wie es eigentlich korrekt bzw. vergleichbar gemacht wird. Daß manche Hersteller zum "Schummeln" das Ganze bei -20 dB durchführen, möchte ich jetzt mal außer acht lassen... ;-)
Viele Grüße und danke für Antworten,
Hansi
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Antwort#2
Die Frequenzgangmessung bei Tonbandmaschinen mit einem Pegel von -20 db dient _nicht_ zum "Schummeln" !
Da bei der Aufnahme die hohen Frequenzen angehoben werden müssen (Entzerrung nach CCIR oder NARTB) würden zwangsläufig erhebliche Übersteuerungen auftreten, falls man bei analogen Bandmaschinen Sinussignale über alle Frequenzen mit Vollaussteuerung aufnehmen würde.
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Antwort#3
Hansi fragt: "Eine etwas theoretischere Frage: wie wird normalerweise der Frequenzgang einer Bandmaschine gemessen?"
Sicher wird man unbedingt zuerst mit einem Wiedergabe-Messband den Frequenzgang so gerade wie möglich einstellen.
Nach dem man mit einem Messton von vielleicht 10 kHz den Vormagnetisierungsstrom so eingestellt hat, dass der Pegel jenseits des Maximums etwa um 3 dB abgefallen ist (je nach Angabe des Bandherstellers) kann man mit 1 kHz den Aufnahmepegel so einstellen, dass er dem Wiedergabepegel entspricht. Vollaussteuerung sollte nach ARD-Norm ein Bandfluss von 514 nWb/m oder 514 pWb/mm sein. Dann geht man mit Einzelfrequenzen zu den Frequenzband-Enden und man stellt bei 10 kHz und bei 15 kHz (16 kHz) auf geraden Gang ein. Pegel etwa 5 bis 10 dB unter Vollaussteuerung. Meistens muss man bei den beiden Frequenzen hin und her wechseln. Bei den tiefen Frequenzen nimmt man sich 100 Hz vor und dann 60 Hz und 40 Hz. Da gibt es das Problem der Kopf-Welligkeit und man ist sich nicht ganz sicher ob man wirklich einen geraden Frequenzgang einstellt.
Wobbeln ist schön, aber die Prozedur könnte bei einer neuen Einstellung (Einmessen auf eine neue Bandsorte) etwas länger dauern. Bei der täglichen Betriebsmessung mit einer bekannten Bandsorte, könnte Wobbeln einen zeitsparenden schnellen Überblick verschaffen. Die Frequenz 22 kHz habe ich nie eingestellt und tiefer als 40 Hz auch nie, das will aber nicht nichts heißen.

Viele Grüße
ebs
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Antwort#4
Hallo!
Hmm, theoretisch würde ich Dir ja rechtgeben, denn die Verzerrung wäre denkbar. ABER: eigentlich muß die Übersteuerungsreserve so hoch sein, daß das ohne Probleme geht - also das würde ich zumindest so erwarten. Vor allem ist es ja alles relativ, was man zu "o dB2 oder "0 VU" in Bezug setzt - nur wird ja eben nach oben hin (über 12 kHz) der Frequenzgang immer unlinearer, je höher die Aussteuerung ist. "0 dB" muß ja noch einem magnetischen Bezugspegel entsprechen - und da würde ich mich sehr wundern, wenn die Konstruktion so wenig durchdacht wäre, daß man keinen Bezugspegel nimmt, der noch linear aussteuerbar ist. Bei manchen Geräten kann man ja sogar den Bezugspegel auswählen.
Aber es ist zur Diskussion freigegeben, da auch ich das jetzt nur "überlegungsmäßig" durchgedacht habe und es durchaus auch danebenliegen kann. Ich bin eben davon ausgegangen, daß man zwecks "linearerem" Ergebnis den Pegel bei der Messung seitens der Hersteller so niedrig hält...
Viele Grüße,
Hansi
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Antwort#5
Meine Kenntnisse hierzu stammen aus einer lange zurückliegenden Zeit mit Grundig Heimtonbandgeräten (9,5 cm/sec). Da war der Vollaussteuerungspegel für eine sehr niedrige Frequenz (wenn ich mich recht erinnere: 333 Hz) festgelegt.
Die Aussteuerungsanzeige ("magisches Auge") war _hinter_ der Höhenanhebung im Aufnahmeverstärker angeschlossen. Wenn man da bei 333 Hz Sinussignal 100 % Aussteuerung eingestellt hatte, und dann den Tongenerator auf höhere Frequenzen weiterdrehte, ergaben sich ganz zwangsläufig Übersteuerungen (auch in der Anzeige). Daher also insgesamt der geringere Pegel für Messungen über das ganze Frequenzband hinweg, so stand es auch in den Grundig Serviceanleitungen. Sicher war hier die Übersteuerung nicht im magnetischen Fluß des Bandes, sondern eher in der begrenzten Aussteuerungsreserve der damaligen Verstärker zu suchen.
Selbst bei professionellen Analogbandmaschinen mit 38 cm/sec sind solche Zusammenhänge von Bedeutung. Wir hatten mal im Rahmen einer Diplomarbeit bei einer Rundfunkanstalt zu untersuchen, inwieweit Probleme bei bestimmter elektronischer Musik (mit sehr starken Höhenanteilen) auftreten können, weil im Tonstudio der Aussteuerungsmesser ja im frequenzlinearen Weg _vor_ der Höhenanhebung in der Bandmaschine liegt. Fündig aber wurden wir hier mit Problemen an einer ganz anderen Stelle: verursacht durch die Preemphase (Höhenanhebung) bei der Modulation von UKW Sendern. Das war bei synthetisch erzeugten Klängen, die bei hohen Frequenzen wesentlich höhere Anteile im Spektrum aufwiesen, als das sonst statistisch bei Musik mit akustischen Instrumenten zu erwarten ist.
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Antwort#6
Lieber Hansi,
als advocatus diaboli empfehle ich angesichts deiner Forderungen an die 'klassisch-magnetische' (=analoge) Tonaufzeichnung (Magnetbänder gibt es seit 1934, HF-Vormagnetisierung seit 1940/41, öff. Vorführung am 11. Juni 1941) dringend, die einschlägigen Absätze z.B. in einer alten Ausgabe des Webers durchzusehen, oder aber auch
Friedrich Engel, Schallspeicherung auf Magnetband. Leverkusen 1975
und
Peter van Bommel, Die Entzerrung in der magnetischen Schallaufzeichnung. Leverkusen 1973
zu lesen.
Deine Anforderungen gründen offensichtlich auf den Möglichkeiten der digitalen Aufzeichnung, dergegenüber in der analogen Technik nicht die "Durchdachtheit einer Konstruktion", sondern die Physik entscheidet, inwieweit bei höheren Frequenzen 'ausgesteuert' werden kann. Inwieweit dabei Kompromisse zu schließen sind, war für Generationen von Tonmeistern (auch mich) einmal täglich Brot, was heute durch die de facto lineare Aussteuerbarkeit des digitalen Datenspeichers (mit vorgeschaltetem Wandler) völlig aus dem Fokus geraten ist.
Die analoge Aufnahme ist ein Phänomen sui generis, bei der die Frequenzgangmessung -wie schon anderweitig angesprochen- nicht wegen des "Schummelns" bei -20 dB unter Bezugpegel erfolgt, sondern wegen der starken Nichtlinearitäten der Prozesse Aufnahme und Wiedergabe.
Herzlichen Gruß aus München
Hans-Joachim
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Antwort#7
Hallo Eberhard,
Zu Deinem Posting noch ein paar Anmerkungen:
Der delta-E10k-Wert von 3 dB ist in den meisten Fällen immer verwendbar und zwar in erster Linie bei der 38-er Geschwindigkeit. Bei 19 sind es 4...5 dB und bei 9,5 muß man schon bis zu 6 dB einstellen. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die 3dB(38 cm/s) in der Regel für Aufnahmeköpfe mit Spaltbreiten von 20 µm gelten. Da bei den heutigen Bandmaschinen oftmals die A-Köpfe geringere Spaltbreiten haben (bis runter zu 7 µm) sind auch bei 38 cm/s oftmals dE10k-Werte von bis zu 5 dB nötig.
Ich habe früher eine ganze Reihe Revox-Maschinen (A700, B77, PR99) eingemessen und zwar auf das Band "Agfa PEM 468", dabei waren die optimalen Werte 2,5 ...3 dB für 38cm/s, 4 dB für 19 cm/s und - sofern verwendet - bei 9,5 cm/s 6 dB.
Bei 38 cm/s läßt sich bei den genannten Revox-Geräten ein Überbandfrequenzgang von 30 Hz.....20 kHz mit < +/- 1 dB einstellen.
Diese Geräte schaffen sogar noch bei Vollaussteuerung mit 514 nWb/m die 20 kHz ohne Pegelabfall und ohne "Zwitschern".
Grüße
Rainer
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Antwort#8
Hallo Eberhard, hallo Rainer!
Zunächst mal vielen Dank soweit für die Infos, die (wenn ich sie hoffentlich richtig interpretiere) darauf hinauslaufen, daß man für Frequenzgangmessungen reine Sinustöne und kein Rauschen oder ähnliches verwendet. Obwohl das meiste mir bekannt ist, trotzdem auch danke für den Hinweis zum korrekten Justieren, denn gerade die Frage der "Über-Vormagnetisierung" und des konkreten Wertes finde ich interessant und habe bisher höchst unterschiedliche Erklärungen und "Tips" dazu gefunden. Darunter etwa, daß neben dem Frequenzgang hiervon auch der "Rauschabstand" und die Neigung zu Verzerrung abhängt. Falls ihr dazu ein paar theoretische Hintergründe über die Zusammenhänge habt, wäre ich sehr dankbar :-)
Leider weiß ich nicht, ob die von mir verwendete Maschine (Otari MX-5050 BII) auch die 514 nWb/m hat. Drei Pegel sind schaltbar, davon sind zwei auf jeden Fall 185 und 250 nWb/m. Der dritte ist entweder 320 oder auch 512 nWb/m. Welcher Spannungsdifferenz in dB entspricht denn der Unterschied zwischen den 250 und 514?`Dann könnte ich es rausbekommen ;-)
Jetzt habe ich den Frequenzgang des Gerätes mal mit Wobbeln überprüft, zumindest bei 250 nWb/m ist er mit 19 cm/s von 20 Hz bis 19 kHz im Bereich von +/- 0,8 dB, bei 38 cm/s geht er von 20 Hz bis 25 kHz mit etwa +/- 0,5 dB (wirklich fast "topfeben", habe mich selber etwas gewundert darüber, ob das überhaupt sein kann??)
Zu dem "Zwitscher-Effekt": rein physikalisch denke ich da an eine Schwebungsfrequenz, die als Differenz aus zwei benachbarten, höheren Frequenzen entsteht. Welche Größe ist das (neben der Signalfrequenz), und wie entsteht sie?
Ich hoffe, daß die Fragen nicht zu "blöd" sind... ;-) Auf jeden Fall bin ich ernsthaft an mehr Information interessiert, denn ich möchte Technik, die ich gerne nutze, auch weitgehend verstehen :-)
Viele Grüße und ein Dankeschön für Eure (bisherigen und kommenden) Antworten!
Hansi
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Antwort#9
Hallo!
Seltsam, aber interessant zu wissen, wie man das mit dem Aussteuerungsinstrument gelöst hat - sicher mit Vor- und Nachteilen verbunden, vor allem angesichts der meist doch eher "uninformierten" Anwender der Heimgeräte.
Naja, werde mal sehen, wie ich mich noch etwas schlauer machen kann... ;-)
An Hans-Joachim: nein, so simpel und kurzsichtig habe ich nicht gedacht - die _Grundlagen_ der Nichtlinearitäten und ihr Auftreten sind mir schon etwas bekannt, wenn auch nicht sehr detailliert. Entscheidend war nur die Frage, daß man ja Bezugspegel - je nach Ansprüchen an den Rauschabstand - beliebig setzen kann. Daher frage ich mich, warum man Bezugspegel definiert, die keine "Reserve" nach oben haben, sondern für linearen Frequenzgang "schwächer ausgesteuert" werden müssen. Wollte man den Geräuschspanungsabstand maximieren und/oder berücksichtigen, daß bei den meisten Tonsignalen höhere Frequenzen nur in mäßigen Pegeln vorkommen und daher auch bei höherer Aussteuerung das Gesamt-Signal noch fast nicht beeinflußt wird, im Vergleich zum Sinuston mit konstanter Amplitude über den Frequenzgang?
Vielen Dank auch für eure Antworten - und viele Grüße, Hansi
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Antwort#10
Hallo Hansi,
Zu der Vormagnetisierung: Von diesem Wert hängen bei der analogen Magnetaufzeichnung fast ALLE Qualtiätsparameter ab ! Die Crux dabei ist, daß diese Qualitätsparameter sich alle unterschiedlich verhalten und teilweise sogar gegenläufig sind. D.h., daß wenn man eine Größe (z.B. den Frequenzgang) optimiert, andere Größen wiederum nicht optimal sind. Das Bandrauschen ist nur wenig von der VM abhängig, wohl aber das sog. "Modulationsrauschen" und der Klirrfaktor. Glücklicherweise liegt man beim Klirrminimum auch einigermaßen im Minimum des Mod.rauschens . Das Klirrminimum ist bei den von ebs und mir angegebenen delta-E10k-Werte ungefähr erreicht. Selbst der Kopiereffekt von aufgewickelten Bändern ist bis zu einem gewissen Grad noch von der VM beeinflußt. Ist aber vernachlässigbar.
Am besten ist dabei, die Maschine zunächst ganz normal einzumessen und dann die Qualitätsparameter (vor allem den Klirrfaktor) zu messen. Ggf. den delta-E10k-Wert solange probieren bis man im Klirrminimum liegt. Dann erst den Frequenzgang mit dem EQ-Regler in den Höhen korrigieren.
Ob nun Deine Otari auf 514 oder eine andere Magnetisierung eingemessen ist, weiß ich nicht, das kannst Du aber mit einem DIN-Bezugsband leicht nachprüfen. Beim Pegeltonteil mit 514 nWb/m muß an der Ausgangsbuchse des Gerätes der Nennpegel (z.B. +4 dBu) herauskommen. Bei 320 nWb/m sind es 4 dB weniger. Und zwischen 514 nWb/m und 254 nWb/m liegen genau 6 dB. Die Berechnung in dB erfolgt dabei wie bei der Berechnung von Spannungs- oder Stromverhältnissen, denn der Magnetisierungspegel ist ja proportional zum Strom im Aufnahmekopf. Und dieser Strom ist wiederum proportional zur Eingansspannung des Gerätes. Und weil die Magnetisierung dem KopfSTROM proportional ist erklärt sich auch die Tatsache, daß der Aufnahmekopf aus einer gesteuerten STROMquelle gespeist werden muß und nicht aus einer Spannungsquelle.
Das "Zwitscher" bei hohen Frequenzen und hoher Bandmagnetisierung entsteht dadurch, daß Verzerrungsprodukte entstehen, die aber im unhörbaren Ultraschallbereich liegen und diese mit der Vomagnetisierungsfrequenz Interferenzen bilden die dann wiederum im hörbaren Bereich liegen.

Grüße
Rainer
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Antwort#11
Hallo Hansi,
muß mich auch hier noch mal einmischen: Der Geräuschspannungsabstand verbessert sich selbstverstädlich mit höherem Magentisierungspegel. Es nehmen aber auch die nichtlinearen Verzerrungen zu, sodaß es keinen großen Sinn macht, den Magnetisierungspegel auf Wert zu setzen die über 514 nWb/m liegen. Zwar kann man die modernen Bänder aussteuern bis über 1700 nWb/m aber das rächt sich dann doch durch zu starke Kompressionseffekte. Die entstehenden Verzerrungen steigen dann überproportional an. Und beim analogen Magnetband sind es gar nicht mal so sehr die Klirrverzerrungen die stören, sondern die DIFFERENZTON-Verzerrungen! Dies machen dann das Klangbild "matschig". Ich sagte ja schon in meinem gestrigen Posting, daß man bei den modernen Maschinen und Bändern durchaus auch bei Frequenzen bis 20 kHz bis fast 514 nWb/m aussteuern kann. Aber aufgrund der Amplitudenstatistik der Musik kommen solche Aussteuerungen so gut wie nie vor.
Es ist viel besser, den Magnetisierungspegel von 514 auf 320 nWb/m zu reduzieren (wegen der geringeren Verzerrungen) und ein wirkungsvolles Rauschunterdrückungssystem vorzuschalten, z.B. "Telcom C4". Der Gewinn an Rauschabstand liegt zwischen 25 und 30 dB, sodaß ein Originalband fst schon auf die Qualität einer 16-bit Digi-aufnahme kommt. Ich selbst habe gute Erfahrungen mit Telcom C4.
MfG
Rainer
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Antwort#12
Lieber Hansi,
Rainer hat die wesentlichen Sachen angesprochen; weshalb ich wohl besser daran täte, den Rückzug anzutreten, denn meine Wortketten sind ja bekannt.
Ich betone nur (?) noch einmal den Kompromiss aus Geräuschspannungsabstand und Aufzeichnungsfehlern durch Differenztonverzerrungen bzw. Klirrfaktor als zwei Seiten derselben Medaille. All dies ist auf jeder A80, B67, M5, T9 K7 [wer sah je eine, Finger hoch!] und M20 so zudem stark frequenzabhängig, was vom Tonmeister geschickt ausgenützt und über psychoakustische Erfahrung auch kompensiert werden kann.
In meiner Frühzeit war es riskant, Horn und Klavier z.B. mit Vollpegel (wohl gemerkt nach DIN 45513/2 mit 35µs, also nicht NAB!) aufzunehmen, weil man die Modulation selbst aus den damaligen Lautsprechern über Band herzhaft klirren hörte!
Nicht vergessen: PEM 468 war kein Sendeband, da nahm man PER 528, dessen Eigenschaften ungefähr mit den Archivbeständen, nicht aber den aktuellen technischen Möglichkeiten korrelierten.
Nur zum Spaß: Mal mit einem 525 (vorsicht: Kopfmordendes Reibeisen) oder 528 irgendetwas live aufnehmen (möglichst klassisch mit entsprechend hoher Dynamik) und zwei Male solide, nach allen Regeln der Kunst kopieren. Ich habe das nie ohne DOLBY oder Telcom ausgehalten, denn der Herbstwind rauscht dabei schon im Original böse durch den Notenwald.
Man gewinnt Achtung vor den Leistungen altgedienter Tonmeisterkollegen, für die dies ein Leben lang Normalität war und sie nicht von beklemmenden Leistungen abhielt.
Das ZDF übrigens steuerte in seiner Frühzeit gar 10dB unter 320 pWb/mm (102 pWb/mm!!!) aus, um das Klirren geringer zu halten; und die guckten ja eigentlich eher auf ihre schwarz-weiß-grimmeligen Bildschirme als auf das, was aus den Lautsprechern kam.
Und: Jede Röhre war ein potentieller Unruhestifter, von einer Sekunde auf die andere, denn (so E. Rothe von der EMI): "Da krisselte doch immer was!" "Bei uns
kam der Messdienst [für die Bandmaschinen, HJR] jeden Morgen. Jede Bandmaschine wurde also jeden Tag einmal eingemessen."
Auch die Amplitudenstatistik (wen unter den Tonverantwortlichen interessiert das heute noch bei der Aufnahme?) bildete einen wesentlichen Teil für den Kompromiss zwischen Bezugspegel (gemessen wird analog mit 10 ms Integrationszeit!) und Geräuschspannungsabstand; sich das im Isophon-Taschenbuch (H. Williges) oder im Webers (er hat eigentlich alles, incl. einer schönen Grafik zu den Reaktionen auf das nicht-lineare Verhalten des Magnetbandgerätes) anzusehen zeigt auch, welch schmalen Steg man sich analog durch das musikalische Gewürge zu suchen hatte.
Und: Selbst Ray Dolby from Portland, OR und TELCOM C4 (das war 'ne schöne Sache der Wolfenbütteler, allerdings keineswegs das erste Interessante, was aus diesem Städtchen kam...) ändern nichts daran, dass eine Analogaufnahme so na mal 60 dB Dynamik abdeckt, dies aber nicht nur im Geräuschspannungsabstand (da tricksen ja beide vorgenannten Verfahren, Ray sogar zusätzlich mit einer eigenen Norm, die er durchsetzen konnte, um auf seine 12-15 dB zu kommen; so macht man das!), sondern vor allem in der Auflösung. Dies ist keine Voodoo-Prosa, sondern meint 1000 sauber reproduzierbare Pegelstufen. Das bleibt nämlich durch den Einsatz der Rauschminderer gleich!
Effektiv ist es bei unseren 'guten alten' 16 Bit hinsichtlich des Geräuschspannugnsabstandes auch nicht viel mehr (vgl. Vorträge schon auf der TMT 1981), dies aber mit einer Auflösung, die -je nach Betrachtung- um rund eine Größenordnung (Zehnerpotenz) höher liegt.
Das hört man ja auch, wenn man auf den Ohren sitzt, was uns allen hoffentlich erspart bleibe.
Die Maximierung des Geräuschspannungsabstandes in den Messwerten von Bandgeräten und Bändern, nach der du fragst, fand man durchaus, dies aber in erster Linie in der englisch-sprachigen Werbeliteratur (1040 pWb/mm, mitunter auch darüber), was aber nur mehr für den Bereich 330 bis 1000 Hz bei akzeptabler Qualität (ist bei analoger Technik ja relativ!) zu gewährleisten war. In Europa dachte man breitbandiger und auch in Traditionen stehend, die durch die RRG begründet waren. Man sah sich die Aussteuerungen für einen Klirrfaktor von 3% an und definierte die dabei entstehenden rund 320 pWb/mm als Grenze, die man in einzelnen Spitzen überschritt (AM- und FM-Rundfunk sind auch noch zu berücksichtigen...). Mit der Stereofonie kam der Rasen zwischen den beiden Spuren und das Problem des Korrelationsgrades hinzu, weshalb man die Aussteuerung um 4 dB auf 514 pWb/mm anhob, wodurch sich in etwa eine Aussteuerung ergab, die bei Wiedergabe eines Stereobandes auf einer Mono-Maschine einen Vollpegel von 320 pWb/mm entsprach. (Wb: Benannt nach Walter Weber (1907-1944), Vater der praktisch ausgeführten HF-Vormagnetisierung, RRG-Ingnieur bis zum Tode -durch Herzinfarkt, nicht selbstverständlich im Berlin dieser Tage). Natürlich wurden die Bandeigenschaften besser, weshalb 320 pWb/mm dann als Orientierungswert blieben, dies jedoch bei geringerem Klirrfaktor.
Zur Illustration der Abhängigkeit der Einzelparameter eines Magnetbandes solltest du einmal auf die EMTEC-Seite gehen und dir die PDF-Dateien (der Link ist jeweils rechts oben auf der Seite des jeweiligen Magnetbandes 468 oder 911) der technischen Daten downloaden und analysieren. Viele Fragen werden damit beantwortet.
http://products.emtec-group.com/de/de/Professional_Media/Studio/Audio/
Schönen Abend aus München!
Hans-Joachim
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Antwort#13
Hallo!
Nochmals vielen Dank für eure Beiträge, bei Hans-Joachim scheint ja etwas Unbehagen gegenüber der Analogtechnik mitzuspielen, oder verstehe ich das falsch?
Naja, ich denke mal, daß wir irgendwo akzeptieren müssen (und sollten), daß keine Technik wirklich "perfekt" sein kann - weder analog noch digital noch sonst irgendetwas. Alles bringt Vorteile mit, aber eben auch Nachteile - und dann kommt eben die Subjektivität auch noch dazu. Der eine mag dies, der andere jenes. Und tröstend dabei ist doch letztlich, daß bisher die meisten ihr Ziel noch erreicht haben, egal ob so oder anders ;-)
Aus etwas Zeitmangel habe ich eure Beiträge alle einmal abgespeichert und werde sie nochmal genauer durchlesen. Falls noch Fragen sind, melde ich mich auf jeden Fall nochmal ;-)
Werde also mal testen, was es mit den Bezugspegeln an der Otari auf sich hat.
Zwei Fragen hätte ich aber noch sofort: zunächst mal (bitte nicht hauen!): was genau wird als "Modulationsrauschen" definiert?
Zweitens: Welche Entzerrung ist angesichts der Problematik des Zwitscherns bzw. Klirrfaktors eher zu bempfehlen, NAB oder IEC? Ich habe die Wahl an meinem Gerät... aber angesichts einer schon weiter zurückliegenden Frage an Rainer ist der Hauptunterschied ja vor allem die Baßanhebung vor der Aufnahme bei der NAB-Entzerrung, wenn ioch mich recht erinnere...
Viele Grüße,
Hansi
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Antwort#14
Hallo Hansi,
Grundsätzliches zu den Entzerrungen: Je größer die Zeitkonstante, desto schlechter wird der Rauschabstand, aber dafür wird die Höhenaussteuerbarkeit besser. Die Baßpreemphase die bei der NAB-Entzerrung verwendet wird, ist auf jeden Fall ungünstiger hinsichtliche der Aussteuerbarkeit in den Tiefen.
In den Höhen macht der Unterschied zwischen CCIR (=IEC) und NAB-Entzerrung bei 38 cm/s nicht viel aus. Theoretisch wird die Höhensättigung bei CCIR etwas früher erreicht als bei NAB, aber es lohnt sich deshalb nicht, auf NAB zu entzerren. Die Baßpreemphase ist auf jeden Fall überflüssig und ist viel mehr auf die Belange der Heimtonbandgeräte angelegt, wo man mit den teuren Abschirmmitteln der Köpfe nicht so "verschwenderisch" umgehen kann wie bei Studiogeräten.
Ich würde Dir auf jeden Fall raten, Deine Aufnahmen sowohl bei 19 cm/s als auch bei 38 cm/s mit der CCIR-Entzerrung zu fahren, weil das der deutschen Studionorm entspricht.
Es gibt von der Firma NAGRA-Kudelski nochmals eine als "Nagramaster" propagierte Entzerrung bei 38 cm/s bei der statt den üblichen 35 µs eine Zeitkonstante von 13 µs benutz wird. Bringt etwa 4 dB Verbesserung des Rauschabstandes, ist aber nicht mit keiner Norm kompatibel.
Zum Modulationsrauschen: Bei der Aussteuerung eines analogen Magnetbandes treten zusätzlich zum Nutzsignal Seitenbänder auf die als Rauschen hörbar werden.
Dies sieht so aus, daß ein einzelner Ton der direkt vom Generator kommt auf einem Spektrumanalysator dargestellt, eine einzelne Linie ergibt. Nimmt man diesen auf Analogband auf und stellt dann das aufgenommene Signal auf dem Spektrumanalysator dar, dann ist die keine einzelne Linie mehr, sodern hat eine Form einer sehr spitzen Resonanzkurve, die umso weiter auseinander geht, je stärker das Mod-Rauschen ist. Die Größe des Mod-Rauschens ist von der Bandsorte abhängig und von der eingestellten VM.
Das Mod-Rauschen tritt nur in Verbindung mit einem Signal auf und läßt sich somit nicht mit Rauschunterdrückungssystemen beseitigen, weil das Rauschunterdrückungssystem "denkt" es gehöre zum Nutzsignal. Unterdrücken läßt sich also nur das eigentliche Grundrauschen des Bandes.

Grüße
Rainer
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Antwort#15
Hallo Rainer,
nur noch ganz kurz - und der letzte Beitrag für heute ;-)
Ein Bezugsband kann ich momentan leider nicht auftreiben, doch ich habe mir die Tatsache zunutze gemacht, daß die Pegel-Umschaltfunktion sowohl aufnahme- als auch wiedergabeseitig wirkt, also Pegeldifferenzen leicht zu sehen sind.
Und das kam raus: zwischen höchstem und mittlerem Referenzpegel sind es 6 dB Unterschied, zwischen dem mittleren und dem niedrigsten ist es ca. 1,5 oder 1,2 dB. Gehe ich richtig in der Annahme, daß dann die Bezugspegel 185, 250 und 514 nWb/m sind? Dafür sprechen würde auch, daß die Maschine eigentlich eine "DIN-Version" ist, auch was ihre mechanischen Spulenaufnahmen betrifft. Die NAB-Version (und nur die findet man auf englischsprachigen Internetseiten) wird dagegen mit dem höchsten Pegel von 320 nWb/m geliefert.
Aber das solls für heute nun echt gewesen sein - falls es "zu nervig" ist, daß ich hier frage, sagt es mir ruhig!
Viele Grüße, Hansi
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Antwort#16
Hallo Hansi,
ein Hinweis zur 15 IPS (inch per second) NAB-Norm. Die NAB-Anwender in USA und England kennen keinen Vollaussteuerungsbandfluss von 320 nWb/m. Wenn sie solche "heißen" Messbänder hätten, würde bei diesem Pegel ihr übliches VU-Meter kräftig "oben" anschlagen. Der ihnen bekannte übliche Ampex-Operation-Level ihres SAT (Standard Alignment Tape) liegt bei 185, 200 oder 210 nWb/m (das soll im Prinzip alles der gleiche Level sein), das ist auch der Dolby-Bezugslevel. Mit diesem Bandfluss auf ihrem Messband stellen sie ihr VU-Meter auf 0 VU. Und das entspricht etwa dem Pegel, den wir auf unserer "Quasi-Peak-Anzeige" mit 320 nWb/m einstellen. Da aber heiße Unterhaltungsmusik allgemein nicht zimperlich über das VU-Meter ausgesteuert wird, konnte ich festgestellen, dass alle amerikanisch/englischen Bänder nicht "leiser" aufgenommen wurden, als unsere ARD-Stereo-Bänder mit 514 nWb/m. Selbst nicht so hoch aussteuerbare Scotch-Bänder werden im Pop so hoch angefahren.
Viele Grüße
ebs
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Antwort#17
Hallo Eberhard!
Sollte nicht der eigentliche Ampex-Pegel bei 185 nWb/m liegen? Naja, wenn man hinterher "unkontrolliert" aussteuert, kann man ja eh fast auf den Referenzpegel verzichten... nur trägt das ja auch nicht gerade zur Qualitätsverbesserung bei, wenn man bei ganz kleinen Pegeln alles justiert und sich einen "idealen" Frequenzgang schafft, der bei derartiger Aussteuerung aber keineswegs Bestand hat... da verschenkt man ja eher noch was, was man durchaus justieren könnte... ;-)
Viele Grüße,
Hansi
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Antwort#18
Hallo Hansi,
der Ampex-Pegel liegt vielleicht bei der "Zahl 185 nWb/m". Aber da gibt es Messungen von McKnight, dem Tonband-Guru, der festgestellt hat, dass es zwischen Europa und USA Messunterschiede gibt (Leerlauf und Belastung eines Tonkopfs), die zu verschiedenen "gemessenen" Bandflusszahlen führen. Darum meinen auch 200 und 210 nWb/m je nach Messart in Wirklichkeit dasselbe. Trotzdem muss man wissen, dass der für uns in Europa mit "185" nWb/m so niedrig aussehende Messwert bei der Aufnahme von Musik, durch die mit nur 300 ms einschwingenden trägen VU-Meter eben mehr Pegel (sprich Bandfluss) aufgezeichnet wird. In Europa ist die mit 10 ms einschwingende schnelle Quasi-Peak-Anzeige üblich. Deshalb messen wir auch auf "320" (Mono) oder "514" (Stereo) ein.
Diesem Problem, der klirrenden und dann höhenverlierenden zu lauten analogen Tonbandaufnahme wurde durch die harte "Brickwall" bei der digitalen Aufnahme eine "natürliche" Grenze gesetzt.
Viele Grüße
ebs
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