Mic-Höhe bei Liveaufnahme mit ORTF

Erstellt 7 Antworten8 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo zusammen,
als Hobby nehme ich für das Dresdner Heinrich-Schütz-Konservatorium die durch dieses Hause
veranstalteten klassischen Konzerte auf.
Vor ein paar Tagen habe ich die Seiten von Eberhard Sengpiel gefunden, wodurch ich endlich
weis warum manche Aufnahmen besser und manche so schlecht werden.
Nun meine Frage:
Ich arbeite überwiegend mit einer ORTF-Anordnung SKM140 von Neumann. Mit den Formeln von
EBS kann ich nun durch Ensemblebreite und Aufnahmewinkel den Mikrofonabstand (d) errechnen.
Dabei komme ich jedoch in die ersten Stuhlreihen vom Publikum.
Wenn ich die ORTF-Anordnung nun aufhänge, welche Höhe (kann ich da auch rechnen?) und welcher
Abstand zum Ensemble (ist das Ensemble als gedachte Halbkugel zu sehen? - Abstand verringern?)
Über Hilfe und weiterführende Links oder Literatur bin ich dankbar.
Viele Grüße
Torsten
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Antwort#2
Torsten Chaosstudio nimmt klassische Konzert-Veranstaltungen auf und fragt nach der Höhe des Haupt-Mikrophonsystems und dem Abstand zum Klangkörper.

Bei Kammermusik, wie ein Streichquartett, ist von einer Höhe des Mikrophonsystems von 2,80 m +/- 30 cm auszugehen. Abstand des Mikrophons vom Klangkörper hängt mit dem Hallradius des Raumes zusammen und der eigenen Klangvorstellung der Komposition. Weiterhin bestimmt die Äquivalenz-Mikrophon-Anordnung den Aufnahmebereich. Bei Original-ORTF, 17 cm, 110°, Niere/Niere ist von einem Aufnahmebereich von +/- 48° = 96° auszugehen. Muss man aus Klanggründen näher an das Ensemble gehen, braucht man einen größeren Aufnahmebereich, der am Mikrophonsystem eingestellt werden muss. Wie das Haupt-Mikrophonsystem in Winkel und Mikrophonbasis einzustellen ist, kann man leicht aus den Aufnahmebereichkurven entnehmen.
Gehe dazu zum Link unten "Aufnahmebereich bei Nieren":
http://www.sengpielaudio.com/Aufnahmebereich03.pdf
Weiterführende Links und Literatur zur Mikrophonaufnahmetechnik gibt es - wie sonst nirgends - auf meiner Homepage zu finden.

Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com


Aufnahmebereich bei Nieren
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Antwort#3
EBS, vielen Dank für die schnelle Antwort.
Die empfohlenen Seiten habe ich bereits gelesen, super!
Aber dennoch eine Frage zum Aufhängen der Mikrofone:
Am 08.12.02 nehme ich in der Lukaskirche das Dresdner Jugendsinfonieorchester auf. In dieser Kirche habe ich schon mit verschiedenen Höhen experimentiert,
ohne das ich sagen könnte welche Höhe ideal ist. 3m hohes Stativ fand ich jedoch zu niedrig (klang wie reines Streichorchester). Bei gespanntem Seil von
Empore zu Empore hab ich ja die freie Wahl in der Höhe, nur welche?
Vielen Dank und Grüße
Torsten
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Antwort#4
Torsten Chaosstudio schrieb: In der Lukaskirche nehme ich das Dresdner Jugendsinfonieorchester auf. Bei gespanntem Seil von Empore zu Empore hab ich ja die freie Wahl in der Mikrofon-Höhe, nur welche?

Da ich die Lukaskirche in Dresden sehr gut kenne (mit Sinopoli und der Dresdner Staatskapelle), so war eine Mikrofonhöhe beim "Decca-Dreieck mit M50" etwa 3,30 m ein guter Startpunkt für Kugelmikrofone. Es ist aber viel Raumhall zu hören, seitdem die Decken-Akustik der VEB-Schallplatte dort von der Kirchenverwaltung herausgenommen wurde. Ich habe immer Stative genommen, weil man dann sehr schnell entscheiden konnte, es mal mit 20 cm größerer Mikrofon-Höhe anzuhören. Bei abgeseilten Mikrofonen ist man nicht so variabel.
Viele Grüße
ebs
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Antwort#5
EBS, vielen Dank.
Der 08.12 wird sicher ein tolles Konzert.
Das DJSO spielt Ausschnitte aus "Hänsel und Gretel", evtl. sogar
mit Solisten. Da diese ja vor dem Orchester stehen, werde ich sicher keine extra Mikrofone brauchen, aber im Orchester werde ich stützen müssen.
Kann ich das Forum dazu auch noch "löchern" ?
Ich kann mit meinem Equipment erst im Nachhinein am PC Delayzeiten einstellen.
Was ist zu beachten, beim zumischen der Stützmikrofone kann ich mir doch sicher das Stereobild des Hauptmikrofons zerstören. Welche Art Stereofonie der Hauptmikrofone ist beim Einsatz von Stützmikrofonen zu bevorzugen (Ortbarkeit, Phasenprobleme u.ä.).
Noch ist bis zum 08.12. ja Zeit um mir z.B. eine AB-Schiene 51,x cm zu besorgen.
Vielen Dank im Voraus.
Viele Grüße
Torsten
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Antwort#6
Hallo Torsten,

Die Hauptmikrofonanordnung spielt bez. der Stützmikrofone keine Rolle. Prinzipiell kann man zu jeder Hauptsystemanordnung Stützen dazumischen. Man darf nur nicht die Stützen so stark zumischen, daß deren Signal dominiert, sonst verhunzt man sich das Stereobild durch unschöne Mehrfachabbildungen. Verzögerung der Stützmikrofone bringt nicht sehr viel, zumindest nicht in dem Maße wie sich das mancher erhofft. Verzögerte Stützen erlauben, den Stützmikrofonpegel etwas höher zu nehmen als unverzögerte. Auf jeden Fall aber kommt man nicht herum, das Stützsignal zu bearbeiten: also dosierte Zumischung von Hall und Frühschallreflexionen und ggf. auch noch eine entsprechende Entzerrung, damit die Tiefenstaffelung erhalten bleibt. Ohne diese Zusätzliche Bearbeitung wird sonst die gestützte Schallquelle zu arg isoliert abgebildet.
Die Ortbarkeit wird durch die Zumischung von Stützmikrofonen verbessert. Phasenprobleme sind zwar theoretisch möglich, in der Praxis aber unbedeutend und unhörbar, weil ja das Stützsignal amplitudenmäßig i.d.R. niemals den gleichen Pegel und das gleiche Spektrum hat wie das Hauptsignal.

MfG
Rainer
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Antwort#7
Hallo Rainer,
vielen Dank für die Tips.
Ich habe mal etwas im Forenarchiv gewühlt und habe da einen Tip von Dir gefunden, Aufnahme in einer Kirche mit Blasorchester. Du tendierst da zu einer AB-Anordnung mit zwei Kugeln und rätst von XY aus Raumgründen eher ab.
Wie ebs zu meinem Aufnahmeproblem in der Lukaskirche schon sagte, ist der Raum sehr hallig (gewaltig).
Kannst Du unter diesem Gesichtspunkt noch eine Empfehlung zum Hauptmikrofon geben? Wegen ihres guten Klanges benutze ich haupsächlich 2 KM140 als ORTF oder in anderer Äquivalenzanordnung. Als Kugeln (für AB) habe ich leider nur Gefell Kleinmembran, auf die ich aber lieber die großen Nierenkapseln zur Abnahme der Gesangssolisten schrauben würde (der Verstärkerteil rauscht leider stärker als die KM100 von Neumann).
Vielen Dank im Voraus.
Torsten
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Antwort#8
Hallo Torsten,
Die beiden KM 140 in ORTF dürften hier die günstigste Lösung darstellen im Bezug auf Basisbreite und nicht zu starkem Raumschall. Ansonsten käme als Alternative noch eine M/S-Anordnung in Frage mit Niere als Mittenmikrofon. Aber wenn Du keine "Acht" hast, scheidet dies natürlich aus.
Nieren für Gesangssolisten kannst Du auf jeden Fall benutzen. Habe vorgestern auch Aufnahme gemacht mit Gesangssolisten (Ch. Gounod: Cäcilien-Messe) wobei ich 2 Nieren (U89) auf eine 30cm-Schiene geschraubt habe und nur leicht gespreizt.
Die Höhe der ORTF sollte so gewählt werden, daß das Abstandsverhältnis zwischen Mik/Orch vorne : Mik/Orch. hinten nicht zu groß wird.
Grüße
Rainer
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