Pseudstochastische Diffusoren ?

Erstellt 14 Antworten15 Beiträge
Startbeitrag#1
Bin bei der Suche nach raumakustischen Optimierungsmöglichkeiten auf "pseudostochastische" Diffusoren gestossen. Die Bauweise ähnelt der eines Setzkastens mit unterschiedlich tiefen Fächern. Da die Kollegen einerseits recht kostenaufwändig sind, andererseits leicht selber zu bauen sein dürften, suche ich nun entsprechende Pläne. Das Hauptproblem besteht darin, das Regelwerk zur Errechnung der Fächertiefe herauszufinden. Dieses richtet sich nach besagten "pseudostochastischen Zahlenfolgen". Leider sagt mir das nicht viel. Sollte jemand entsprechende Pläne oder - einigermassen verständliche - theoretische Grundlagen besitzen, wäre ich für eine Übermittlung dankbar.
MfG
C.
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Antwort#2
die übliche Idee der Popleute ist, einen Regieraum oder Aufnahmeraum totzudämmen, um keine störenden Reflexionen zu bekommen. Einige haben es schon bemerkt, dass das nicht so gut klingt. Den Klang zu zerstreuen, ihn also diffuser zu gestalten, scheint wirklich besser zu sein.
Die dazu notwendigen "Regale" heißen Schröder-Diffusoren oder auf englisch "Quadratic-Residue Diffusors". Berühmt sind die der Firma RPG. Siehe den Link unten.
Um Einzelheiten darüber zu erfahren, empfehle ich das billige Buch F.Alton Everest, "The Master Handbook of Acoustics"
http://www.amazon.com/exec/obidos/tg/detail/-/0071360972/104-4490799-2862368?vi=glance
Gruß
Jürgen


RPG-Diffusors
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Antwort#3
Hi!
Wie Jürgen schon sagte heißen diese Kollegen Schröder-Diffusoren nach deren Erfinder.
Das Gute daran akustische Probleme nicht mit Absorbern zu bekämpfenn ist die Tatsache, dass die Schallenergie erhalten bleibt. Man versucht mit jeder Art von Diffusoren zu Verhindern, dass das Schallfeld an einer Stelle des Raumes anders klingt als woanders(stehende Wellen), dass erreicht man durch die Diffusion der Schallreflexionen.
[Pseudostochastische Zahlenfolgen also möchtegern-Zufallszahlenfolgen :) ist z.B auch die MLS (maximun-lengh-sequenz) in der Messtechnik. Eine Folge von 0 und 1 die ein Frequenzspektrum wie Rauschen hat (hier kommt der Zufall ins Spiel -> Rauschen)]
Schröder hat mit einer solchen binären Zahlenfolge seine ersten Derartigen Bauteile geformt.
Der heutige QRD (quadratic residue diffusor) ist eine Weiterentwiklung dieses "Erstlingswerks" und wirkt wesentlich breitbandiger.
soviel zur Einführung
als Antwort der eigentlichen Frage nach dem Bau:
Man kommt auf die Tiefe der einzelnen Spalten über die Formel n(hoch2) modulo p wobei p eine Primzahl und n die Spalte angefangen mit 0 ist.
Die maximale Tiefe hängt von der Fq ab über der er wirken soll.
für z.B die Primzahl 7 ergeben sich also die relativen Tiefen von 01422410. Und da modulo auch eine Sache ist die man nicht jeden tag beim Einkaufen trainiert: x modulo y heißt von x wird so oft y abgezogen bis das nicht mehr geht und der Rest der überbleibt ist das Ergebnis also 9 modulo 7 ist 2, 227 modulo 2 ist 1 usw.
jetzt hör ich wieder auf, ich glaub ich hab eh kein wirkliches System hineingebracht :)...müde bin ich geh zu Ruh...
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Antwort#4
Von wegen kein System reingebracht. Du hast mir kurz und bündig genau die Information gegeben, die ich nach stundenlanger Netzsuche nicht in dieser kompakten Form bekommen habe. Tausend mal Danke !

c.
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Antwort#5
Restklassenrechnung wäre das Stichwort gewesen. Aber die Pseostatisitik lässt sich auch anders herstellen, bzw ist ja nur der Versuch, die Streueigenschaften des Diffusors möglichst so einzustellen, daß sich keine Muster ergeben. Ich selber habe mir welche gebaut, allerdings nur Eindimensionale - also Kästen, welche in der Breitenrichtung die Tiefe variieren und über die Länge konstant sind. Damit habe ich im Studio die Rückwand verkleidet und schone einige Übungszimmer von Akustikmusikern (Flügel, Cello) ausgestattet.
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Antwort#6
Huch, wer postet denn da mit meinem Namen (:-)) Der andere Jürgen schreibt :
"einen Regieraum oder Aufnahmeraum totzudämmen, um keine störenden Reflexionen zu bekommen. Einige haben es schon bemerkt, dass das nicht so gut klingt. Den Klang zu zerstreuen, ihn also diffuser zu gestalten, scheint wirklich besser zu sein."
Ich würde in einem Regieraum durchaus stark absorbieren, um die Kurzreflektionen zu beseitigen. Im Aufnahmebereich muss man entscheiden was man will : Sollen Aufnahmen noch im Stereobild/tiefe plaziert und bearbeitet werden, so müssen sie trocken sein und Dämmung is ein absolutes Muss. Manchmal kann und will man aber den Raumklang erhalten, und nur stehende Wellen unterdrücken. Da helfen die Diffs ausgesprochen weiter. In Einzelfällen helfen sie auch, Instrumente direkt abzunehmen : Saxophone und Flöten lassen sich über einen Diffusor u.U. besser aufnehmen, als direkt. (-> zusätzlicher, subtiler Holzklang) Wenn man über den Diff noch weichen, dünnen Schaumstoff spannt, lässt sich das störende Anblasgeräusch reduzieren und man hat es einfacher, das Instrument in die Tiefe zu setzen.
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Antwort#7
jürgen meint: Ich würde in einem Regieraum durchaus stark absorbieren, um die Kurzreflektionen zu beseitigen.

Da würde ich stark differenzieren. In der Nähe der Lautsprecher gebe ich dir Recht, da sollte gut absorbiert werden. In der Abhörzone klingt ein fast totgedämpfer Raum recht unangenehm. An die Rückwand (!) eines Stereo-Regieraums gehören unbedingt diese Schröder-"Regale".
Johnny
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Antwort#8
Na sehr gut, das freut mich sehr.
Eine Sache noch die ich nicht erwähnt habe.
Die maximale Tiefe, also bei meinem "Primzahl 7 Beispiel" die zwei Spalten mit der relativen tiefe 4, ist Lambda/4 (viertel der Wellenlänge) der Designfq.(über der der Diffusor wirken soll).
mfg
Andi
Übrigens, praktischerweise ist das Bild von jürgen genau so ein QRD mit Primzahl 7.
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Antwort#9
Da geb ich Johnny recht, falls das wem hilft!
mfg
Andi
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Antwort#10
An die Rückwand (!) eines Stereo-Regieraums gehören unbedingt
diese Schröder-"Regale"
Genau, sieh mal meinen Beitrag von vor 2.5 Stunden (etwas weiter oben). Dort ist eine Bauanleitung abgebildet. Diese Type ist einfach zu bauen, bei einem "Setzkasten" wird es aber etwas schwieriger und aufwändiger.
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Antwort#11
Hallo Christoph2,
Hier kommt endlich mal eine Abbildung für einen Diffusor, den man nachbauen kann.
Maya
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Antwort#13
Lieber Eberhard
Sind die Beschriftungen deiner Skizze Thai oder Hindu? Ich bin mir nicht sicher....
Herzliche Grüße
Georg


Tonzauber - einfach klassisch!
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Antwort#14
Lieber Georg,
die eigenartige Beschriftung stammt nicht von mir. Sie ist in amerikanisch, europäisch und tailändisch. Aber auch die letzteren haben gemerkt, dass "Raum totschlagen" nicht das allein Richtige sein kann.
Ich suche noch in Europa gebaute Diffusoren mit deren Berechnungen und Abmessungen. Sicher werden diejenigen, die so etwas bauen und mit Gewinn verkaufen, keine Zeichnung ins Internet stellen.
Viele Grüße
ebs
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Antwort#15
ebs schrieb "Ich suche noch in Europa gebaute Diffusoren mit deren Berechnungen und Abmessungen..."
Der genaue Nachbau schon existierender Produkte ist nicht nötig wenn man verstanden hat wie man welche nach den eigenen Wünschen bauen kann.
Die wichtigste Formel und wie man auf die Tiefe kommt hab ich ja schon gepostet. Mit meinem derzeitigen Wissensstand (man weiß ja nie) würde ich jedem raten sich einen QRD(also nach dieser Formel) zu bauen. Ich kenne keine Nachteile gegenüber den anderen Diffusoren die per Phasengitter funktionieren aber einige Vorteile(symetrische Spaltentiefen als optisches- und die Unterdrückung der gespiegelten Reflxionen als akustisches Kriterium)
Theoretisch könnte man auch die Trennplatten zwischen den Spalten weglassen (nur als Zeichen der Flexibilität)- normalerweise werden aber Trennwände zwischen den einzelnen Vertiefungen verwendet , um die akustische Integrität der einzelnen Spalten zu fördern. Ohne diese Trennungen ist die Effektivität des Diffusors, vor allem für nicht-senkrecht einfallende Schallwellen verringert.
Die von mir genannte Diesignfq. über der der Diff. wirkt, gilt für Schallwellen die senkrecht auf die Struktur auftreffen. Bei größeren Einfallswinkeln wirkt die Struktur schon bei tieferen Frequenzen diffundierend.
Auch nach oben gibt es eine Grenze. Denn ist die halbe Wellenlänge kleiner als die Spaltbreite des Diffusors beginnt natürlich die Richtwirkung der einzelnen Spalten die der gesamten Struktur zu überlagern.
Zusätzlich dazu beginnt das als Diffusor gebaute Objekt als Membranabsorber zu wirken, wenn der tiefste Graben tiefer ist als (ich glaube) das fünfzehnfache der Breite eines Grabens (woher ich das weiß und wer das ausprobiert hat weiß ich allerdings nicht mehr).
Innerhalb dieser Grenzen liegen dann in etwa 4 Oktaven in denen eine Diffusion wesentlich besser als bei allen anderen Bauelementen funktioniert, also...lasset uns bauen :) (ich hab leider keinen Platz für so ein Teil, sehr schade.
lg
Andi
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