Hallo Bernd,
du hast richtig gedacht. Hier sind "einige Unsauberkeiten".
Wir bezeichnen mit AB-Mikrofonystem eine Mikrofonanordnung mit 0° (!) nach vorne zeigenden Mikrofoncharakteristiken, wobei alle Charakteristiken möglich sind, aber aus Klanggründen überwiegend die Richtcharakteristik Kugel angewendet wird. Bei dieser Laufzeit-Stereofonie wird möglichst die Laufzeitdifferenz zwischen den Mikrofonen zur Erzeugung der Phantomschallquellen zwischen den Lautsprechern benutzt.
Im Gegensatz dazu steht das XY- oder auch das MS-Mikrofonsystem, bei dem alleine Pegeldifferenzen (wie beim Panpot) für die Erzeugung von Phantomschallquellen zwischen den Lautsprechern benutzt werden. Dieses Pegeldifferenz-Stereosystem ("Intensitäts"-Stereofonie) wird auch Koinzidenzmikrofonsystem genannt.
Dazwischen gibt es die gemischte Stereofonie, die auch Äquivalenz-Stereofonie genannt wird. Das ist ein Mikrofonsystem, das also Laufzeitdifferenzen und Pegeldifferenzen zur Erzeugung der Phantomschallquellen auf der Stereo-Lautsprecherbasis benutzt. Am bekanntesten ist hierzu das ORTF-Mikrofonsystem.
Die Jürg-Jecklin-Scheibe hat sich auch den Werbe-Namen Optimales Stereo System = OSS gegeben. Bei optimalen Systemen sollte man immer sehr skeptisch sein. Hierbei werden frequenzabhängige Pegeldifferenzen durch die Scheibe erzeugt, die nicht in die Lautsprecher-Stereofonie gehören, weil sie Klangverfärbungen bringen. Diese Scheibe war mal in Mode, hat sich aber auch wegen der Fehler überlebt. Sie ist auch nicht flexibel. Aber wie immer gibt es auch hier einige wenige übriggebliebene vehemente Anhänger. Man sollte sich nicht fragen, was zeitgemäß ist, sondern entscheiden, was für die Art seiner Aufnahme am besten klingt. Die zu Anfang des Stereorundfunks wegen der Mono-Kompatibilität geforderte "Intensitäts"-Stereofonie = Pegeldifferenz-Sterofonie ist wegen geringer Räumlichkeit und Tiefenstaffelung zur Zeit etwas weniger gebräuchlich. Auch reine Laufzeit-Stereofonie ist etwas seltener. Gemischte Verfahren werden zur Zeit am häufigsten angewendet. Natürlich gibt es bei der Pop-Musik so gut wie nur "geknüppelte" Monoschallquellen, die zur Pegeldifferenz-Sterofonie ("Intensitäts"-Stereofonie) gezählt werden.
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
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