Konzertgitarre

Erstellt 9 Antworten10 Beiträge
Startbeitrag#1
Hi!
Ich mache zur Zeit einige Aufnahmen in dieser Richtung und hätte nun ein paar Fragen:
Kann mir jemand eine Art Referenz-CD mit dieser Musik empfehlen?
Ist es bei solchen klassischen Instrumenten überhaupt üblich mit EQ und Kompression zu arbeiten? (von Chorus will ich überhaupt nicht sprechen...)
Ihr merkt schon, ich komme nicht aus der klassischen Ecke und würde mich somit über etwas Hilfe sehr erfreuen.
Gruß
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Antwort#2
Ist die Gitarre Solo? Sehr schöne Ergebnisse habe ich mit einem Mikrofon am Hals und einer Niere am Body erzielt. EQ ist nicht notwendig. Für eine CD macht sich ein wenig Hall für "Stereo" gut.
Frank
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Antwort#3
Es handelt sich um eine einzelne Gitarre.

Eigentlich wollten wir nur die CD einer Behindertengruppe (Lebenshilfe) mit einigen klassischen Stücken "auflockern". Nun möchte der Gitarrist allerdings noch eine eigene CD, ausschließlich mit Konzertgitarre bei mir aufnehmen.
Abgenommen habe ich diese mit einem Großmembran (50Hz Hochpass-Filter) und Fishman Aktiv-Tonabnehmer, wobei das Verhältniss Mikro/Line bei ca. 3:1 liegt.
Die Entfernung des Mikros lag ca. 60-80 cm, ausgerichtet war es auf den 3-4 Bund.
Teilweise stören mich Frequenzen bei ca. 150 Hz, die zum dröhnen neigen.
Um diese zu beseitigen, ohne dem Instrument seine Wärme zu nehmen, komprimiere ich diesen Bereich noch mit einem Multibandkompressor.
Raumanteil kommt aus dem PCM91.
Gruß und Dank,
Thomas
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Antwort#4
Hallo Jumpy,
für die Aufnahme von klassischer Gitarrenmusik ist ganz bestimmt größeres EQ, Chorus-Effekt und Compresser-Einsatz nicht üblich. Auch dabei sind Tonabnehmer tabu. Mikrofon am Hals und auf der Erde ist sicher nicht der richtige Weg für die Klangaufnahme einer Akustik-Gitarre für klassische Literatur.
Die Aufnahmen, die man auf dem CD-Markt zu Hauf findet klingen alle gewaltig unterschiedlich. Das hat viele Gründe - und viele klingen schlecht. Das sagen auch die Gitarristen.
Mikrofonabstand 1,20 m (!) von den Saiten und zweimal Kugel parallel ausgerichtet mit einer Mikrofonbasis von 30 bis 40 cm wäre mal ein Ausgangspunkt mit der Höhe und Ausrichtung der Mikrofone auf Schall-Lochhöhe oder höher, was immer ausprobiert werden muss. Das ist nur der Ausgangspunkt! Gitarristen mögen nicht die Nah-Aufnahme von quietschenden Saitengeräuschen. Kleinmembranmikrofone sind wegen des neutralen Klangs zu bevorzugen: KM 130, KM 183, MK2S, MKH20, DPA4006. Bisweilen haben sich auch zwei Grenzflächenmikrofone auf dem Boden 1,50 m vor den Füßen des Gitarristen (Basis ca. 1 Meter) als Zumischung oder als Hauptmikrofonsystem bewährt.
Was ich noch als Wichtigstes vergessen habe zu sagen: Es ist unbedingt kein Wohnzimmer als Aufnahmeraum zu nehmen. Etwas Akustik, wie vielleicht eine schöne Kirche sollte schon sein. (Selbst ein Treppenhaus kann manchmal die Notlösung sein!) Dass man dann noch etwas "Lexicon" wenn notwendig hinzumischen kann, ist klar. Die trockenen Aufnahmen von Akustik-Gitarren, wobei alleine das Hallgerät die Räumlichkeit erzeugt, sind wirklich nicht gutklingend.
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com


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Antwort#5
Danke ebs!
Die Saitengeräusche sind bei meinem Mikrofonabstand wirklich ein Problem.
Leider habe ich nur Kleinmembraner mit Niere, wobei ich es trotzdem einmal mit diesen Mikrofonen und Deiner Positionierung probieren werde.
Wäre schön wenn Du mir trotzdem einen Titel nennen könntest, der Deiner Meinung nach "gut" klingend ist.
Gruß, Thomas
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Antwort#6
Hallo Jumpy,
bei ernsthaften Aufnahmen bitte ich immer den Künstler ein paar CDs mitzubringen, bei denen ihnen der Gitarren-"Klang" am besten gefällt. Oft hört man dann später, dass ihnen gar nicht so sehr der Klang der CD gefällt, sondern mehr das Spiel des berühmten Künstlers.
Auf meiner Homepage gibt es auch Hinweise zu Aufnahmen für eine und zwei Gitarren.
Was noch wichtig ist, dass man heute nicht unbedingt den authentischen "Naturklang" anstrebt (was immer das sein soll :-), sondern auch von Stück zu Stück leichte Mikrofonveränderungen macht, um der "Komposition" gerecht zu werden. Auch mit der Räumlichkeit wird gespielt. Der manchmal ernsthaft vorgeschlagene Aufnahmenweg, nach einer Anfangs-Klangeinstellung eine Plexiglasplatte auf die Mischpultregler zu legen (für die Noten) und nichts mehr zu verändern, weil die Musik die Künstler machen sollen, wird der Notwendigkeit einer ständig (!) guten Klangeinstellung nicht gerecht.
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnhame und Tonstudiotechnik
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Antwort#7
Etwas ganz Allgemeines für Alle:
(... nachdem ich eine Privat-Mail zur angeblich idealen One-Point-Gitarrenaufnahme erhalten habe.)
Das puristische und audiophile Ideal, akustische Klangeindrücke nur mit "zwei Mikrofonen" aufzunehmen, kann niemals den komplexen Anforderungen einer Aufnahme gerecht werden. Egal wie viele Mikrofone auch verwendet werden, wenn sich ein "natürlicher" Klangeindruck einstellt, ist die Frage nach dem Zustandekommen des Klangs zweitrangig. Entscheidend ist, dass es so "klingt", als wären quasi keine Mikrofone im Spiel :-)
Die Natürlichkeit von konventioneller Musik wird vorgespiegelt, ist eine Sinnestäuschung, also eine Illusion. Dieses Ziel zu erreichen ist die Aufgabe des Tontechnikers.
Diese Gedanken gelten nur für die Aufnahme von akustischen Ereignissen einer ganz bestimmter Musikgattung und dieses hat nichts mit der weit häufigeren "Mikrofonmusik" zu tun, die erst am Mischpult entsteht. Hiermit beziehe ich keine Stellung oder mache auch keine Bewertung, denn ich selbst fertige Aufnahmen in allen Bereichen an.
Nur trennen muss man können und die stark spezialisierten Heavy-Metal-Techniker sollten dann besser andere "Ohren" an die Big-Band-Mischung lassen.
Viele Grüße
ebs
Foru, für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
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Antwort#8
Nur trennen muss man können und die stark spezialisierten Heavy-Metal-Techniker sollten dann besser andere "Ohren" an die Big-Band-Mischung lassen.
Nur um zu Vermeinden, dass hier eine Art Wertigkeit interpretiert wird, die (ich denke mal) auch von Eberhardt nicht gemeint ist: das gilt auch andersherum!
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Antwort#9
Erstmal Danke für die Antworten!
Ich habe zu 90% mit Rock/Pop zu tun und bin mir über die genannte Schwierigkeit im klaren. Es ist für mich schon eine Herausforderung und auch Abwechslung das ein oder andere mal mit dem Jazz- bzw. Klassikbereich konfrontiert zu werden.
Sicherlich bin ich mir aber bewußt, daß es hier sehr viel bessere, spezialisierte Tonmenschen gibt. Daher auch meine Fragen diesbezüglich.
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Antwort#10
Hallo ThomasT,
das ist doch ganz klar!
Mir kam es auf die Erkennung der beiden unterschiedlichen Welten an.
Gruß
ebs
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