Kompression durch Bandsättigung

Erstellt 9 Antworten10 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo,
ich hätte da mal eine Frage zu diesem Thema, und zwar ob die Kompression schon im Tonkopf der Analogen Bandmachine geschieht, oder erst auf dem Band. Suche zu diesem Thema Literatur, wer kann helfen ?. Es geht hier nur mal um das wissen, wie es genau geschieht. Danke für Eure Antworten.
Gruß
Johann
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Antwort#2
Hallo Johann,
wie das Wort "Band"-Sättigung schon deutlich sagt, passiert die Kompression der hohen Frequenzen der analogen Signale erst auf dem Medium des Eisendioydbands. Dieses ist ein Fehler, der mit der Bandmagnetisierung zu tun hat. Dieser Fehler der Kompression von hohen Frequenzen bei zu hoher Aussteuerung, bei dem auch starke Verzerrungen von k3 dabei sind, wird von einigen "Künstlern" zur "Klanggestaltung" benutzt. Über diesen Missbrauch der Tonbandaufnahme wirst du nichts im Internet oder in Büchern finden.
Im Dickreiter "Tonaufnahmetechnik 2" steht einiges zum Tonband. Das bekannteste nicht allzu wissenschaftliche Buch zu den Grundlagen der Tonbandtechnik ist von Ernst Christian, "Magnettontechnik", Franzis-Verlag, München, das du in Büchereien findest.

Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com


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Antwort#3
Google liefert 150 deutsche Einträge zum Thema Bandsättigung, das ist wohl etwas mehr als "nichts".
Die meisten Recording-Bücher streifen das Thema, es gibt Geräte und Plugins für diesen Effekt.
Die Klangänderung kommt überwiegend auf dem Band zustande, je nach Maschine trägt der Tonkopf natürlich seinen Teil dazu bei. Das sollte hoffentlich nebensächlich sein.
Opa
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Antwort#4
Hallo Johann,
als Ergänzung: Die Sättigung ist ganz allgemein in der Naturwissenschaft die Grenze der Aufnahmefähigkeit. Beim Erreichen der Sättigung nimmt der Magnetismus eines in einem Magnetfeld magnetisierten ferromagnetischen Stoffes (Eisenoxid) trotz Erhöhung der Magnetisierungsfeldstärke nicht mehr zu, denn alle "Elementarmagnete" sind in eine Richtung ausgerichtet. Das ist die Kompression der hohen Frequenzen durch Bandsättigung, was als Artefakte zu bezeichnen ist. An der Hysteresekurve kann man sehen, dass dann die Magnetisierungskurve waagerecht verläuft.
Gruß
Maya
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Antwort#5
Hallo,
Dazu hätte ich eine weiterführende Frage: ich habe mir mal sagen lassen, dass aktuelle Bänder einen wesentlich höheren magnetischen Fluss speichern (resp. "verkraften") können, als eine gängige Bandmaschine Bandfluss hat (320 bzw. 514 pWb/mm). Ist es dann so, dass der Begriff Bandsättigung quasi einer "Kopfsättigung" entspricht, also die Verzerrung noch vor dem Medium Band entsteht?
Grüße
Martin
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Antwort#6
Hallo MartinP:
In der Stereozeit wurden neue hochaussteuerbare Bänder hergestellt, weil der Stereopegel 4,1 dB höher lag als der Monopegel, 320 nWb/m gegen 514 nWb/m.
3 dB wegen der statistischen Signale und 1 dB wegen des unbepielten "Rasens".
Diese 4 dB mehr konnten die Studiogeräteverstärker und die Aufsprech-Tonköpfe bei 38 cm/s locker verkraften.
Etwas anderes wären die schwachen Heimgeräte, da könnte es schon bei zu kleinen Tonköpfen auch Kopfsättigung geben.
Gruß
Dirk
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Antwort#7
Hallo Martin,
die Bandsättigung ist frequenzabhängig. Bei 1000 Hz habe ich meine Maschinen bei der 38-er und 19-er Geschwindigkeit immer auf 514 nWb/m eingemessen. Bei 38 kann man das Band auch noch bei 20 kHz auf 514 nWb/m ausssteuern (gemeint ist natürlich dabei die Aussteuerungsanzeige, denn aufgrund der Entzerrung ist der tatsächliche Bandfluß geringer), bei 19 geht das nicht mehr, ohne daß es dann zu Verzerrungen kommt. Steuert man noch höher aus, auch bei 38 cm/s, dann kommt es zu Verzerrungen aufgrund von Sättigungseffekten und dies wirkt sich dann derart aus, daß die Oberwellen mit der Löschfrequenz interferieren und zu "zwitschern" führen. Hier haben wir genau den Effekt, der weiter unten in dem Thread angesprochen wurde, wo es um die Frage nach Bandbreiten größer 20 kHz ging.
Konkret heißt das: Bei hohen Pegeln und hohen Frequenzen tritt auch beim Nominalpegel von 514 nWb/m Bandsättigung auf.
Wer mit Telcom C4 arbeitet, sollte den Nominalpegel auf 320 nWb/m reduzieren. Der geringe Verlust an Störabstand kann man sich bei der extremen Greäuschreduktion durch Telcom C4 schon mal leisten. Die Sättigungseffekte sind dadurch geringer.

MfG
Rainer
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Antwort#8
Das Problem dabei war nicht nur die 4 dB höhere Aussteuerung, sondern die modernen Hochkoezitiv-Bänder (z.B. Agfa PEM 468, PEM 368) brauchten auch entsprechend höheren Magnetisierungsstrom durch den A-Kopf. Und diese bei Heimgeräten recht kleinen Köpfe mit hochpermeablem Kernmaterial dürften da zumindest in den gekrümmten Bereich der Hysteresekennlinie des Kernmaterials kommen.
Aufnahmeköpfe der Studiogeräte haben i.A. breitere Spalte (bis zu 20 µm) und dadurch verkraften die auch höhere Kopfströme ohne daß der gekrümmte Teil der Hystereskurve erreicht wird.

MfG
Rainer
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Antwort#9
Hallo Rainer!
Das ist mir soweit klar. Ich erinnere mich nur aus dem von mir angesprochenen Gespräch, dass mein Gegenüber meinte, die Bänder würden weit über 650 pWb/m2 aussteuerbar sein, so dass eben die Sync-Köpfe der Maschine den Sättigungseffekt hervorrufen und nicht das Band selbst. Ist das nun richtig oder falsch ?
Gruß
Martin
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Antwort#10
Hallo Martin P,
ich habe schon sehr deutlich geantwortet und andere haben das hier auch versucht. Du bist aber sehr skeptisch, vielleicht auch weil eine Frau antwortet. Hier wiederhole ich mein Posting: Die Sättigung ist ganz allgemein in der Naturwissenschaft die Grenze der Aufnahmefähigkeit. Beim Erreichen der Sättigung nimmt der Magnetismus eines in einem Magnetfeld magnetisierten ferromagnetischen Stoffes (Eisenoxid) trotz Erhöhung der Magnetisierungsfeldstärke nicht mehr zu, denn alle "Elementarmagnete" sind in eine Richtung ausgerichtet. Das ist die Kompression der hohen Frequenzen durch Bandsättigung, was als Artefakte zu bezeichnen ist. An der Hysteresekurve kann man sehen, dass dann die Magnetisierungskurve waagerecht verläuft.
Die Sync-Köpfe, die auch Takt-Köpfe heißen, sind ja die Aufsprechköpfe. Auch bei einer Aussteuerungsfähigkeit von Bändern über 650 pWb/mm ist die Bandsättigung der Kompressionseffekt.
Üblicherweise wird ein Klirrfaktor von k3 (!) von 1 (!) Prozent bei 1 kHz als die Aussteuerungsfähigkeit des Bandes bezeichnet.
Bandsättigung ist und bleibt Bandsättigung und hat mit Kopfsättigung nichts zu tun. Sync-Köpfe können keinen Bandsättigungseffekt hervorrufen.
Gruß
Maya
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