Hallo zusammen, da ich mehr oder weniger allein auf der "Livemitschnitt-Piste" unterwegs bin, hab ich mich gefragt, ob es nicht ein Funkkopfhörersystem gibt, das mit geschlossenem Hörer die Findung des besten Platzes für das Hauptsystem erleichtert. Gibts jemanden hier der soetwas ausprobiert hat bzw. einsetzt. Mit Gruß Jörg
Hallo Jörg, wenn ich dich richtig verstanden habe, gehst du davon aus, dass an dem Ort, wo du mit deinen Ohren einen ausgeglichen guten Klang fesstellst, dort das Hauptmikrofon aufgebaut werden müsste, was du mit einem Funkkopfhörersystem mit geschlossenem Hörer feststellen möchtest. Diese Regel ist allgemein gültig für Studenten in den ersten drei Semestern, denn das klingt ja auch recht schlüssig und ist fürs Erste auch gut genug. In höheren Semestern wird man von der Regel abweichen, weil man begreift und auch lernt, dass der optimale Klang-Ort für unsere Ohren nicht der optimale Klang-Ort für ein Aufnahme-Hauptmikrofonsystem für eine Lautsprecher-Stereowiedergabe ist. Signale an unseren Ohren (HRTF-Ohrsignale) beim natürlichen Hören sind nicht die richtigen Signale, die ein Hauptmikrofon für einen optimalen Stereo-Lautsprecherklang herstellen muss. Siehe: Wichtige Signaldifferenzwerte. Gruß Maya
Hallo Maya, mir ist das Problem durch eigene Erfahrungen hörbar geworden. Ich musste aus technischen Gründen schon mal häufiger ein Konzert nur über Kopfhörer mitschneiden. Wenn du dann am Regieplatz im Studio die Aufnahme über Lautsprecher hörst, gibts ne Überraschung. Aber zurück zu meiner Funkkopfhörerfrage. Den besten Platz bezüglich der guten Mischung zwischen diffusem und direktem Schallanteil sollte sich doch damit finden lassen? Oder mache ich schon wieder einen Fehler mit dieser Annahme?. Mit Gruß Jörg
Hallo Jörg, deine Gedanken, die du anstellst sind gut und was du feststellst ist richtig. Wir haben es hier aber mit der komplizierten Psycho-Akustik zu tun. Auch hier wieder, die Angabe von vielen "Lehrern", am Besten stellt man ein Hauptmikrofon genau auf die Grenze von Diffusfeld (Raumschallfeld R) zum Direktfeld (D), also D/R =1. (Wo immer diese supertheoretische Punkt auch sein mag). Das ist ja nur ein Ausgangspunkt für die Semester eins bis drei. Höhere Semester wissen: Unsere Ohren haben im Laufe des Lebens gelernt, den Diffusschall (Hall) um uns herum zu unterdrücken. Das macht das komplexe Hirn-Hörsystem. Stellen wir an diesen Platz wo wir gerade gehört haben, ein Hauptmikrofonsystem hin, dann wird es über die Stereolautsprecher wiedergegeben, garantiert halliger klingen, denn jetzt tritt nicht mehr der menschlische Diffusschall-Unterdrückungseffekt ein. Der Direktschall und der Diffusschall kommt jetzt mechanisch-elektrisch gewandelt und gemischt nur von vorne. Das Mischungsverhältnis von Raumschall zu Direktschall ist nur über die Lautsprecherwiedergabe durch Probieren mit der Mikrofonaufstellung zu optimieren. Darum sind ja die Tonleute, die mit Kopfhörern aufnehmen immer hinterher beim Lautsprecherhören so verwundert. Bei Koinzidenzaufnahmen mit nur einem Hauptsystem kann auch mal der umgehrte Hör-Effekt auftreten. Wir können Entscheidungen über die Räumlichkeit und die Tiefenstaffelung (wie wir sie bei der Stereo-Lautsprecherwiedergabe brauchen) nicht über Kopfhörer machen. Gruß Maya
Hallo Jörg, ich stimme dem Kollegen Maya da voll zu. Allerdings muß ich bei Konzertaufzeichnungen auch über KH mithören und auch über solche mischen. Es ist schon sehr schwierig, wenn diese Mischung dann über LS gut sein soll. Das erfordert viel Training. Gerade Musiker - und dazu noch gestandene Profis!- unterliegen hinsichtlich Mikrofonaufstellung häufig den seltsamsten Irrtümern und es gibt tatsächlich solche, die sich aufgrund des Raumvolumens (wie immer sie dies bestimmen mögen) den Hallradius errechnen (!) und anschließend mit einem Lasermeßgerät die Entfernung vom Mikrofon zur Orgel messen... Sowas ist natürlich purer Dilettantismus, genauso wie wenn einer mit einem digitalen Frequenzzähler sein Klavier stimmt. Den optimalen Mikrofonstandort muß man durch Trial and Error ausprobieren und mit der Zeit bekommt man ein gewisses Gefühl dafür, wo man sein Hauptmikrofon positionieren muß.
Hallo Rainer, es gibt tatsächlich Tontechnik-Dozenten, die mit dem Raumvolumen und der Nachhallzeit vor jeder Aufnahme demonstrativ den Hallradius errechnen und auch mit einem Lasermeßgerät die Entfernung vom Mikrofon zur Orgel messen. Das verschafft Achtung vor den Studenten. :-) Mit deinem Satz: "Sowas ist natürlich purer Dilettantismus", entfernst du sämtliches Rückrat von diesen Lehrern. Jetzt feixen sich die Studenten einen. Auch Aukustikinstitute sind stark irritiert durch deinen wahren Praktiker-Satz: "Den optimalen Mikrofonstandort muss man durch Trial and Error ausprobieren und mit der Zeit bekommt man ein gewisses Gefühl dafür, wo man sein Hauptmikrofon positionieren muss." Wo bleibt denn hier die ernste Wissenschaftlichkeit? :-) Gruß Didi
Trotzdem wäre ein Funkkopfhörersystem sehr praktisch. Gibt es eigentlich stereo-Funksender und Taschen-Empfänger (in der professionellen Liga), in die man dann einfach seine standard-Kopfhörer hineinstöpselt? Das hätte ich mir schon öfter gewunschen, bei Liveproduktionen, wo man an 3 Orten gleichzeitig sein sollte und nebenbei auch noch die GP mithört... Herzliche Grüße Georg
Hallo! Wenn Du unbedingt nen guten Funkkopfhörere haben willst, würde ich mir nen Shure E2 InEarMonitor für 95? kaufen und den dazugehörigen Sender und Empfänger. MFG Sebastian