Hallo Leute, ich habe ein "Erfahrungs" Problem!?! Und zwar möchte ich mein Schlagzeug wie folgt abnehmen BD D112; Snare1 SM57; Snare2 C414; HiHat Km84i; Tom MD421; Overheads ??? Also vor kurzem habe ich für die Overheads die Oktava MC012 ausgestattet mit Nieren Kapsel, in XY aufgenommen. (SM81´s ständen auch zur Verfügung). Nächste Woche habe ich eine Prüfung und davor noch eine Produktion in der ich gerne etwas "Besonderes" machen will. Da die MS Stereofonie Monokompatibel ist und eigenlich auch sehr gute räumliche Eigenschaften besitzt, (so hab ich gelesen) dachte ich das ich so vieleicht Klanglich Eindruck schinden könnte... Mein eigentliches Problem ist das ich meinem Übermut kaum Erfahrungswert gegenüber setzen kann. Die technische Geschichte ist klar(M+S=X)! Problem wäre noch die Mikrofonwahl, für das S Signal möchte ich ein C414 (acht) benutzen fürs M Signal weiss ich leider überhaupt nicht was ich nehmen soll (Kondensator? Niere?). Ist es überhaupt sinnvoll die MS Technik für Drums zu benutzen? Wo positionier ich die Mikros? Ich hoffe Ihr könnt was damit anfangen, danke im voraus! Stefan PS: kennt einer ein Ton Studio in Koln das Praktikas vergibt?
Hallo Stefan, du möchtest eine sehr gute Schlagzeugaufnahme machen. Dazu brauchst du Mikrofone, mit denen du schön aufnimmst. Das erste Problem ist, du möchtest dein Schlagzeug "abnehmen". Da ist der erste Gedankenfehler und damit fängt der Ärger an :-) Hier kommen aber schon gute Fragen von dir, wo man schon deine berechtigten Zweifel heraushören kann: "Ist es überhaupt sinnvoll die MS Technik für Drums zu benutzen? Wo positioniere ich die Mikros?" Also das Overhead-Hauptmikrofon bringt dir supergute Cymbals. Und das MS-Onepoint-Mikrofonsystem (Koinzidenz-Aufnahmetechnik) ist wahnsinnig monokokompatibel, bringt aber keine gute räumliche Auflösung, wo immer du auch das Gegenteil gelesen hast. Mal hören, was die Gurus dir an Wunder-Lösungen anzubieten haben. Gruß Julius
Hallo Stefan, Die Mikrofonierung der OH's beim Schlagzeug mit MS bringt nicht unbedingt bessere Ergebnisse. Daß MS mehr Räumlichkeit bringt, ist genau genommen ein Trugschluß. Dies trifft bestenfalls dann zu, wenn für das M-Signal ein Druckempfänger verwendet wird, weil dieser Kugelcharakteristik hat. Bei Verwendung eines Druckgradientenemfängers wird der Raumeindruck genauso sein, wie bei XY. Das C 414 in "8" würde ich nicht verwenden. Die beiden Mikrofonsysteme M und S müssen so dicht wie möglich beieinander angeordnet sein, sonst entstehen zwischen M und S Laufzeiten, die dann zu "verschmierten" Klangbildern führen. Außerdem muß man noch einen wichtigen Sachverhalt wissen: Die Richtcharakteristik aller Mikrofone - insbesondere Großmembraner - ist frequenzabhängig. Den geradlinigsten Frequenzgang hat das Mikrofon wenn es von der 0°-Richtung betönt wird. Somit ist für eine OH-Aufnahme des Schlagzeugs eher eine XY-Anordnung vozuziehen, als eine MS. MS hat die geringsten Verfärbungen bei Betönung aus der Mitte der Schallquelle und XY verfärbt am geringsten bei Betönung von der Seite der Schallquelle - wegen dieser F-abhängigkeit der Richtcharakteristiken. Und noch etwas: Nimm bei den OH's möglichst kleinmembranige Mikrofone.
hi, für schlagzeug overheads würde ich nicht MS empfehlen. klingt zu "spitz" und sehr "scharf". äquivalenz und xy, sowie klein ab sind alle monokompatibel. das stereo paar ist als hauptmikrofonierung zu sehen und die close mikes als stützmikrofone. somit würde ich mehr wert auf die overheads legen. nicht nur materiell, sondern auch beim mix sehr wichtig. außerdem kann es probleme mit ms bei der digitalen verarbeitung geben (altes o2r) wo man die basisbreite dann doch fixen und die 3 kanäle auf 2 downmixen muss. gruß gruß
Hallo, zur Overhead Aufnahme eignen sich verschiedene Systeme. 1. XY (Nieren): Ich persönlich finde das nicht sehr brauchbar, da es zwar voll Mono kompatibel ist, aber keine vernünftige räumliche Abbildung ermöglicht. Wie gesagt, persönliche Meinung. 2. ORTF oder anderes Äquivalenzsystem (Nieren): Der große Vorteil dieses systems besteht darin selber entscheiden zu können, wieviel Räumlichkeit oder Abbildungsschärfe ich benötige. Durch das Verhältniss Kapselabstand und Winkel kann man das System sehr gut optimieren. Grösserer Winkel kleinerer Abstand = mehr schärfe und weniger Räumlicheit bzw. Grösserer Abstand kleinerer Winkel = Höhere Räumlichkeit und geringere Schärfe. 3. AB (Nieren, Kugeln, Breite Niere etc...) Das AB system zeichnet sich durch eine hohe Räumlichkeit aus. Wenn man keine Nieren sondern Kugeln nimmt, erreicht man auch eine bessere Abbildung der Tiefen. Das erfordert aber einen sehr guten Raum, da sonst das "wummern" der Overheads nur noch verstärkt wird. Monokompatibel ist dieses System allerdings nur bedingt, obwohl ich meine, dass man dies heutzutage durchaus nicht mehr so streng sehen sollte. 4. Grenzflächen. Du schreibst Du möchtest etwas "Besonderes" machen. Dann nimm Grenzflächen. Stelle sie an die Wand vor dem Schlagzeug oder lege sie vor das Schlagzeug auf den Boden und mache damit eine AB Mikrofonierung. Das klingt wirklich... Zum Schluss: Da der Sound der Overheads prägent für den Gesamtklang des Schlagzeugs ist, lohnt es sich zu experimentieren. Nimm z.B. ein ORTF System von oben und stelle zwei Kugeln in AB in größeren Abstand VOR das Schlagzeug als Raummikrofone oder kombiniere die Grenzflächen mit einem ORTF Sytem. Der Freiheit sind da keine Grenzen gesetzt. Kleiner Tip: Beim Aufnehmen immer darauf achten, das der gewünschte Gesamteindruck schon in etwa mit den Overheads erreicht wird. Mische dann die Close Mics hinzu und entzerre sie beim gleichzeitigen hören der Overheads. Dies erleichtert das Mischen enorm. Nimm außerdem nicht zu viele Bässe aus den Overheads. Wenn Du einen nicht so guten Raum hast bleibt Dir vielleicht nichts anderes übrig (wummern) aber Du läufst Gefahr, daß der Gesamtklang auseinanderbricht. Gruß Hendrik
Ich begrüsse Deinen Beitrag, da ich nur wenig Erfahrung mit drums habe, aber: "Das AB system ... . Monokompatibel ist dieses System allerdings nur bedingt, obwohl ich meine, dass man dies heutzutage durchaus nicht mehr so streng sehen sollte." Die Darstellung ist mir zu diffus (?). Also, Monokompatibel (in der grundsätzlichen Bedeutung) ist ein AB nicht "nur bedingt " sondern gar nicht, und das "streng sehen sollte" würde ich exakt differenzieren: Wenn die Mischung monokopatibel sein soll (Hiphop, Vinyl etc), scheidet AB aus- ansonsten ist die Bedingung selber zu droppen. Ich halte ganz generell gesprochen, Null davon, beim Abmischen immer noch Monotasten zu drücken und die M-Kompatibilität "im Auge zu behalten". Wenn ich einen Reispudding koche, dann erwärme ich die Milch ja auch zielgerichtet und behalte nicht auch noch nebenbei die "Kaltspeisenkompatibilität" im Auge. Raus käme dann nur lauware Milch, die in keinen Fall richtig passt. Für mich ist das eine Entweder-Oder-Frage: Ich benutze Laufzeit, oder ich unterdrücke es gezielt durch Nahaufnahmen und Panning. Und wie Du richtig schreibst, lassen sich durch AB, einzelne Instrumente diffus stellen. Wie man exakt verfährt hängt von Vielem ab, u.a. davon, ob man sich allein auf das Schlagzeug konzentrieren kann. Ich steure mal mein Beispiel hinzu: Akustische Band mit unverstärkten Instrumenten, kleiner Raum-kein Platz, kaum Nachhall aber starke Kurzreflexionen. Ich stelle ein Klein-Ab (20) direkt vor das Schlagzeug das an einer Wand steht, gegenüber spielen die Bläser rein. Das AB steht den Bläsern nur etwas näher, daher ist das Schalgzeug minimal hinter denselben zu hören. Praktisch wären aber beide nicht hintereinander anzuordnen gewesen. Hinzu kommt nun ein quasi-ORTF an der Decke, das als Grenzfläche arbeitet und so zumindest eine Wand wegkillt. Es steht über den Bläsern und "zielt" damit auf das Schlagzeug, nimmt dies also deutlicher auf. Egebnis: Klarer, knacker Schlagzeugsound mit dennoch offenem Raumcharakter und unaufdringliche Bläser.
Hi, Du hast recht, ich hätte das näher ausführen sollen. Danke, dass Du diese Lücke gefüllt hast. Wir sind ja einer Meinung, wobei ich davon ausging, dass das Schlagzeug akustisch getrennt von den übrigen Instrumenten aufgenommen wird. Gruß Hendrik