Hi! Ich habe schon einige Male als Tonassi, also Angler gearbeitet, meist in Präsentationsfilmproduktionen. Das kam mir nie besonders anspruchsvoll vor. Nach einigen Anfragen bekomme ich nun den Eindruck, dass: a.) eine höhere Wissenschaft dahinter steckt die ich noch nicht durchschaue oder b.) ich ein begnadetes Angelgenie bin oder c.) alle Tonassis mit Minderwertigkeitskomplexen zu kämpfen haben, die sie mit Arroganz und Selbstüberschätzung kompensieren. Jedenfalls taten alle so, als sei ihr Job das Ergebnis einer mind. 2jährigen Ausbildung / Praktikumszeit etc. Mal im Ernst: Das kann jeder, der schon mal ein Mikro ausgerichtet hat, oder ? Das Schwierigste dürfte der Kabelsalat an der SQN sein. Liege ich falsch ?
Na ja, kommt auf die Szene drauf an. Wenn man den Schatten der Angel im Schatten verstecken muß und nicht wackeln darf, kanns anstrengend werden. Die Kunst liegt eigentlich darin, eine hervorragende Sprachverständlichkeit zu erreichen und gerade bei Dialogen ausgewogen zu klingen. Schön finde ich auch, wenn man gleich der richtige Anteil Atmo erwischt, auch wenn das viele anderer Meinung sind. Das sind dann die "daskannmanjaalleshinterhermachen" Verfechter (was die alles hinterher machen wollen...)
also ich bin der meinung, das einen guten o-ton abliefern so mit das schwierigste ist, was es als tonmann beim film/tv zu tun gibt. ich hab schon so viel mist von "profis" bekommen , die schon jahrelang angeln und durfte dann alles in der post reparieren,... da kann mir keiner erzählen, das er sich schnell mal mit der angel hinstellt und nur geilen ton macht.
Hallo Carsten, sehr gut, deine Anmerkung: Was die alles hinterher machen wollen... Auch bei Studenten ist diese Meinung "eingebrannt". Besonders bei Hörspielen hat sich "sofort machen" bestens bewährt und erspart viel Fummelzeit. Oft muss man sich fragen, ob eine sterile Einzelaufnahme ohne Atmo nicht bisweilen übertrieben oder gar unnötig ist, die zeitaufwändig mühsam hinterher wieder belebt werden muss. Didi
Besonders bei Hörspielen hat sich "sofort machen" bestens bewährt und erspart viel Fummelzeit.
Gut aufgepasst, du hast Recht. Hier war bei mir ein Gedankensprung durch dieses von Carsten angesprochene "Alles hinterher machen zu wollen". Das berifft *auch* Hörspiele (natürlich ohne Angel). Dazu gehört die Meinung alles "aus Sicherheit" ganz nah und getrennt auf Mehrspur aufzunehmen, selbst wenn man weiß, dass das aus der Ferne kommen soll. Wenn "Sicherheitsdenken" vor Klang geht, so ist das nicht gut. Auch sollte man nicht nur in dieser geldlich engen Zeit immer wirtschaftlich denken. Didi
Hi ihr Angler Ich habe noch nicht besonders viel Erfahrung auf diesem Gebiet, und sollte im Sommer für eine Doku im Urwald den Ton Angeln - und das möglichst gut! Also.. würde mich interessieren mit welchem Equipment ihr arbeitet. Vorallem: Welche Mikros (verschiedene Charaktere) sollte man mitnehmen, welcher Mischer? Solte alles möglichst handlich sein. Also.. postet einfach mal drauf los.. danke Martin
Hi Martin, im Urwald wirst du sicher gegen Schlangen ein Antiserum brauchen und wasserdichte Mikrofone. Die Stromversorgung wird sicher recht schwer sein. Wirklich, eine abenteuerliche Aufgabe. Neid. Urs
Sollte das wirklich im Urwald (ich vermute mal Regelwald) sein, so sind die Schlangen weniger daß Problem, weil die derart vielzählig- und zudem die meisten noch unerforscht sind, sodaß man garnie alle Seren dabei haben kann. Ausserdem gibt es noch die giftigen Frösche, die einem bei der geringsten Berührung das Hern anhalten. Wahrscheinlichste Hauptgefahr: Knöchelbruch durch umgetretenen Fuss weil Wurzel nicht gesehen, da ständig mit Mikro befasst. Ansonsten werden die Mücken und die Hitze dafür sorgen, daß die Aufgabe nicht sonderlich angenehmen wird. Die Hitze sorgt für weitgestellte Gefässe, und damit bei Untrainierten für Müdigkeit und lasche Arme, vor Allem wenn sie über dem Kopf gehalten werden (müssen). Ach ja, ins Wasser würde ich nicht gehen. Die Blutegel kriechen an den Hosen hoch und tauchen von oben in die Stiefel ein. Die im Wasser munter schlängenden Anakondas beissen durch die Gummistiefel direkt in die Achillessehne wenn man unbeabsichtigt drauftritt. Im Kölner Zoo gibt es aber einen Experten für Schlangen im Regenwald. Der ist dort Leiter des neuen Exotariums und macht selber massenhaft Reisen und ist sicher erfahren in Aufnahmedingen. Den könnte man mal fragen.
naja, kommt halt drauf an, es gibt halt auch naturtalente... der eine hats , der andere nicht. ne gute ausbildung schadet bestimmt nicht, im gegenteil, sie hilft in die richtige richtung, aber wenn mann es nicht drauf hat, und dass hängt ganz stark von gehör, musikalität, kreativität und sensibilität ab dann wird mann auch kein profi wenn man eine lange ausbildung hinter sich hat, oder immer das neuste beste equipment. obwohl wenn ich mir´s sorecht überlege.... spätestens wenn es das erste "total Mix" plug in gibt, iss eh alles dahin, die mass wird es nämlich annehmen, sieht man ja.
Bleiben wir mal bei der Technik: Die zwei größten Probleme sind a) Feuchtigkeit und b) Ersatzteile bzw. deren Nichtvorhandensein. Deshalb: - Keine Batterien in die Mikros, schon gar nicht die außerhalb größerer Städte im Ausland schwer zu bekommenden 5,6V-Dinger für die Sennheiser K-Serie. Batterien werden durch die hohe Luftfeuchtigkeit sehr schnell leer, deshalb alles auf Phantomspeisung aufbauen. - HF-Kondensatormikros (Sennheiser MKH) funktionieren unter Extrembedingungen sehr viel zuverlässiger als die NF-Typen (K-Serie, AKG Blueline). Für den Notfall sollte man trotzdem noch zwei dynamische Mikros dabei haben, z.B. ein MD 421 und ein MD 441. - Auch wenn es inzwischen viele Alternativen gibt: SQN baut immer noch die stabilsten EB-Mischer. Falls auf Beta gedreht wird, die Adapterplatte für NP-1 nicht vergessen, dann kann man sich mit dem Kameramann die Akkus teilen. - Wenn Mischer und Mikros nicht im Einsatz sind gehören sie in eine luftdichte Peli-Box (Zarges ist nicht luftdicht) mit einem Säckchen Silicagel, das regelmäßig gewechselt und getrocknet wird. Ansonsten sammelt sich vor allem in den Schaltern der SQN und an den Kapselkontakten der Mikros Feuchtigkeit, die für Kriechströme und/oder Korrosion und entsprechende Ausfälle sorgt. - Verschleißteile wie etwa 2. Windschutz(Schaumstoff)/tote Katze, Ersatzteile (Stecker, Kabel, ein komplettes 2. Keulenmikro falls man wirklich mal ins Wasser fällt) und Werkzeug (Uhrmacherschraubendreher passend (!) zu den Geräten, Gaslötkolben, Lötzinn, Gaffer Tape, Kabelbinder) müssen natürlich auch dabei sein. Außerdem: ein 5-Liter Kanister destilliertes Wasser auf dem Fahrzeug, mit dem man unterwegs ist - um nach dem besagten Fall ins Wasser zumindest den ärgsten Schlunz aus Mikro und SQN wieder raus zu bringen bevor er festbackt. Auch nützlich, wenns den Kameramann erwischt...
Ach, nochwas: Keine Funkstrecken! Erstens ist im Ausland oft nicht sichergestellt daß nicht irgendwelche Fernsehsender auf den deutschen UHF-Kanälen sitzen, und zweitens reagieren vor allem ältere Mikroports (2031 etc.) empfindlich auf hohe Luftfeuchtigkeit.
Vielen Dank für die sehr brauchbaren Infos. Und auch das ihr euch so um meine Gesundheit sorgt... Aber ich war eh schon mal dort, und außer Malaria gibt es keine sehr großen Gefahren, es sei denn man fordert sein Schicksal heraus (z.B. Barfuss im Wald..) - Achja und riesige höllische Ameisen! Zum Glück gibts in der Gegend in der wir drehen (Brasilien, Mato Grosso) keinen täglichen Zenitalregen mehr, schondern schon Trocken und Regenperioden, und wir drehen am Ende einer Trockenzeit - da ist Regen eher die Außnahme. Das bedeuted die Feuchtigkeit ist normalerweiße nicht ganz so Schlimm. Als Stromversorgung dachte ich an an einen Spannungswandler für die Batterie des Jeeps von 12 auf 220V mit ca 300W Dauerleistung. Da wir viel unterwegs sein werden, denke ich, wird das reichen zum Akkuladen. Gedreht wir auf Beta oder DV.. noch nicht ganz Fix. Wo kann ich nun am besten Equipment ausborgen? Was ich ausborgen müsste wäre der Mischer (SQN..) und das Mikro (Sennheiser MKH..) mit Aufhängung Windkorb und Angel. Die anderen Sachen habe ich selber, bzw kann ich privat ausborgen. Womit muss ich rechnen für, sagen wir, 5 Wochen? Muito Obrigado Até Logo Martin
Solange auf Beta gedreht wird und keine Lichtanforderungen gestellt werden die nicht mit Akkugurt und Kopflicht/Handlampe zu erfüllen sind würde ich eher zu einem Ladegerät tendieren das direkt aus 12V NP1 und Akkugurt(e) lädt. Gerade billige Spannungswandler haben oft hohe Verluste, außerdem liefern sie keinen reinen Sinus (evtl. Probleme mit konventionellen Ladegeräten) und tropenfest sind die Kisten in der Regel auch nicht. Dann lieber ein kleines Aggregat (Honda hat da ganz gute, relativ leichte Teile mit 500-700VA). Die gibts auch mit zusätzlichem 12V-Ausgang, damit man die Fahrzeugbatterie im Fall der Fälle damit aufladen kann. Bei größeren Geländefahrzeugen mit 24V-Anlage kann das aber eine recht langwierige Angelegenheit werden - deshalb immer die Spannung unter Belastung überwachen. Es gibt auch Geräte aus dem Camping/Solarbereich (Tiefentladeschutz) die das automatisch machen. Ist halt immer ärgerlich wenn man nach dem Dreh nicht weg kommt weil die Karre mangels Batteriesaft nicht anspringt...
Und wenn man dann das ganze Equipment hat und vor Ort loslegen möchte: Wo ist das spezifisch Trickreiche am Angeln ? Was muss man beachten, was darf nicht passieren, worin besteht die Kunst, was muss man wissen, was muss man üben ... ?
"Total Mix" Plug-Ins zum Angeln ... soso. Hat die SQN jetzt 'n CD-Laufwerk, oder geht das mit USB-Sticks ? Das gute alte Cardridge wäre auch ne Lösung. Sind nur schwierig upzudaten. Aber wenn die Mass es loved.
was darf nicht passieren, worin besteht die Kunst, was muss man wissen, was muss man üben ... ?
...das schlimmste ist die "Schere" zwischen einem direkten Ton und dem Nichtsichtbarseindürfen des Mikrofons. Hierfür braucht man zudem starke Arme, denn auch die leichteste Angel hat ihr Gewicht, das aufgrund ungünstiger Hebelverhältnisse am Arm zerrt. Bei "Fahrten" angeln und gleichzeitig das Kabel mitzuführen ist auch nicht gerade ein Spaß... (um nur einiges zu nennen)