Recording-Reihenfolge bei Rock/Pop-Produktionen

Erstellt 8 Antworten9 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo -
ich (als Amateurmusiker) habe mal eine Frage zur Arbeitsweise bei Aufnahmen.
Kann man sagen, daß besonders druckvolle und "natürliche" Aufnahmen zustandekommen, wenn man
1. gesamte Rhythmusgruppe (dr, bg, git, keyb) aufnimmt
(+ voc im Kopfhörer, für die Performance)
2. separat dann Gesang und Soloinstrumente aufgenommen werden ??
Wie mach(t)en es die Stars?
Im Motown-Studio hatte man z.B. ja fest angestellte Studiomusiker, die als
Rhythmusgruppe alles in einem Guß eingespielt haben.
Ist das heute nur so ein Kompliziertheits-Wahn, gibt es keine guten Musiker mehr, oder kann Alles-Einzeln-Nacheinander-Einspielen Vorteile bringen?
Welche Methoden bevorzugt Ihr?
Nur um mal so bissel zu philosophieren.
Michael Koeppen
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Antwort#2
Kann man sagen, daß besonders druckvolle und "natürliche" Aufnahmen zustandekommen, wenn man
Wie mach(t)en es die Stars?
Ist das heute nur so ein Kompliziertheits-Wahn, gibt es keine guten Musiker mehr, oder kann Alles-Einzeln-Nacheinander-Einspielen Vorteile bringen?
Welche Methoden bevorzugt Ihr?
1. gesamte Rhythmusgruppe (dr, bg, git, keyb) aufnimmt
(+ voc im Kopfhörer, für die Performance)
2. separat dann Gesang und Soloinstrumente aufgenommen werden ??
Nein.
Es kommt immer drauf an.
Manche Bassspieler bevorzugen es mit dem Drummer zusammen einzuspielen um Blickkontakt und mehr Feeling zu haben.
Ich z.B. überhaupt nicht!
Ich schaue eh nie auf den Drummer, ich höre auf ihn. Wichtig ist nur, dass man sich an den Drummer gewöhnt hat und weiss was er wie spielt, so dass man im Kopf vorausschauen kann. Nach dem Motto "was würde ich spielen, wenn ich mir den Stil des Drummers zueigen mache."

So verschieden wie nur irgendmöglich.
Beides.
Erstens _hat_ man heute die Möglichkeiten dazu.
Zweitens gibt man sich Dank der Editiermöglichkeit am Rechner nicht mehr so leicht zufrieden. Z.B. editiere ich gerade einen Song der vor 4 Jahren mit den ADATs als gut durchgegangen wäre. (16tel Gitarrengeschruppe)

Alles einzeln.
Ein guter Musiker hat immer Feeling...
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Antwort#3
Hallo Michael,
bei den meisten Aufnahmen (selten mit Profimusikern), nehme ich die Rhythmusgruppe zusammen auf.
Auch wenn der Bassist sich mal verspielt, wird weiter aufgenommen. Meistens sind die Drummer der Schwachpunkt und verspielen sich, bzw. "eiern" im Tempo und können nicht nach Klick spielen.
Die Drums werden bei mir immer im Stück aufgenommen, einmal verspielen bedeutet nochmal aufnehmen. Das übt und ist heilsam.
Nächster Durchlauf sind Gitarren/Synthesizer, Gebläse etc.
Vocals meist zum Schluß, oftmals gibt es einen "Basic-Track" auf dem Gesang und z.B. Rhythmusgitarre drauf ist.
Im Prinzip ist viel bis alles erlaubt. Schlechtes Feeling der Musiker ist nicht durch gutes Equipment auszugleichen, leider.
Gruß
M. Hein
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Antwort#4
bei den meisten Aufnahmen (selten mit Profimusikern), nehme ich die Rhythmusgruppe zusammen auf.
Auch wenn der Bassist sich mal verspielt, wird weiter aufgenommen. Meistens sind die Drummer der Schwachpunkt und verspielen sich, bzw. "eiern" im Tempo und können nicht nach Klick spielen.
Ergänzend möchte ich anmerken, dass ich das aus Zeitgründen oft genauso mache.
Also während der Drummer spielt schon Bass und eine Gitarre mit aufnehmen.
Sollte der Bass gut sein, wird er gelassen bzw. nur ausgebessert.
Gitarre bleibt meist eine reine Pilotgitarre.
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Antwort#5
Hallo,
das kommt meistens auf die Musiker darauf an, ob man einzeln der Reihe nach aufnimmt oder nicht.
Wenn die Band sehr gut aufeinander eingespielt ist, jeder seinen Part gut beherscht und vieleicht auch teilweise ein bisschen improvisiert wird...dann würd ich diese Performance natürlich gern zeitgleich einfangen wollen, dabei braucht man auch nicht wirklich ein Klick zuspielen, das würde eher stören. Apropro Klick, irgendwie kann ich dieses starre Klicken nicht ausstehen. Nach perfektem Klick eingespielte Musik ist für mich teilweise verlorengegangene Dynamik genauso wie bei übermäßigen Kompressor-Einsatz. Aber meistens gehts auch gar nicht anders...
Bevor man sich entscheidet wie man jetzt aufnimmt, würde ich jedenfalls empfehlen die Band den Song mal live vorspielen lassen und auf das Zusammenspiel der Rythmusgruppe zu horchen. Wenn dir dabei vorkommt das zb. Bass und Schlagzeug od. Bass und Gitarre unzertrennbar sind, dann nimm sie zusammen auf!
Fällt mir gerade ein: Die Beatles haben oft als ersten Rythmustrack Drums, Git und Percussion/Klavier/Orgel o.ä. eingespielt und den Bass erst im nächsten Durchgang. Manchmal sogar das Schlagzeug erst im nachhinein. Bei Strawberry Fields schnitten die (Geoff Emmerick, George Martin) auch komplett verschieden arrangierte und klingende Aufnahmesessions mit verschiedenen Tempi einfach zusammen.
Alles ist möglich sofern es danach nicht nur gut klingt sondern auch etwas aussagt.
Tschüss, Michi
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Antwort#6
Sehr interessant, danke für die Antworten.
Wir haben bisher nur Proberaumaufnahmen in Eigenregie gemacht.
Es kommt sicher auch auf die Musikrichtung an. Wir machen so in Richtung Psychedelic-Rock (Hendrix, Cream, aber auch mal Balladen; z.T. auch Eigene; auch mal Doors oder Neil Young), da gehören schon auch jazzähnlich sich steigernde, improvisierte Zwischenteile dazu, da liegt natürlich das Zusammen-Aufnehmen nahe.
Eigentlich find ich's auch essenziell, daß alles inclusive Gesang zusammen performt wird (Gesang dann halt löschen, evtl. auch lassen) - denn mein Drummer reagiert (glücklicherweise) auch auf meinen Input von Gesang und Gitarre (natürlich bei improvisierten Abschnitten).
Aber irgendwie beruhigend zu wissen, daß es nicht DIE Methode gibt.
Einerseits kann man dann lächelnd mit Dogmatikern umgehen ("für einen amtlichen Sound müßt ihr schon alles einzeln einspielen, und für die Drums brauchst du schonmal MINDESTENS 7 Mics"), andererseits auch mal was anderes probieren.
Michael
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Antwort#7
je besser die musiker, desto mehr kann live aufgenommen werden, aber.... es wird wohl nicht jedes aufzunehmendes album live zu spielen sein.
gruuhs

dB
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Antwort#8
je besser die musiker, desto mehr kann live aufgenommen werden,
Das stimmt zwar prinzipiell.
Also in Richtung, wenn sie zu schlecht sind muss man halt stückeln.
Aber andersrum stimmts nur bedingt.
Ein Film wird ja auch nicht in weniger Takes gedreht, wenn die Schauspieler besser sind. So ne Produktion muss wachsen und sich entwickeln, da kann man nicht mal 1-2-3 irgendwas einspielen.
Das funktioniert nur wenn das Arragement einfach, die beteiligten Instrumente wenig und alles von vornherein klar ist.
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Antwort#9
Bei Klassikern funktioniert es auch nur weil die Arbeit zum Mischen in jahrhunderte langen Erfahrung in Instrumentenbau und Orchsterzusammenstellung vorverlagert wurde und auch das Arragement vom Komponisten und Co. schon vorher bis ins kleinste feststeht.
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