Live-Mitschnitt Chorkonzert - Was meint Ihr zu meiner Vorgehensweise?

Erstellt 4 Antworten5 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo Kollegen,
ich soll im Oktober ein Konzert von mehreren Chöre aufnehmen. Das Konzert soll aufgrund der Saalgröße gleichzeitig elektrisch verstärkt werden. Ich habe mich zu weiter unten beschriebener Vorgehensweise entschlossen. Was meint Ihr dazu?
1) Raumakustik
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ca. 5.000m³ mit 2,5s Nachhallzeit (Klatschtest mit Ohren ohne wirkliche Zeitmessung) ==> Hallradius ca. 2,50m
wirksamer Hallradius bei Nieren (*1,7)und Chorgesang (*1,2; von mir geraten, wer hat hierzu bessere Informationen?) ca. 5m
2) Musik, Besetzung
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Unterhaltungsmusik, Seemannslieder (mal wieder)
ca. 20 - 50 Sänger und Sängerinnen (vorwiegend Sänger)
Akkordeon, Gitarren (zumeist akustische), ggf. Bass, Schlagzeug, Keyboard
3) Mikrofonierung des Chores
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Für nahe, direkte Aufnahme habe ich mir XY ausgesucht
Positionierung würde ich etwa auf 1/3 wirksamem Hallradius, also ca. 1,80m, vornehmen. Damit müsste dann der Direktschallanteil deutlich über dem Diffusschallanteil liegen (ca. 10dB) und eine direkte, ansprechende Aufnahme ergeben.
Bei 8m Chorbreite ergibt sich dann ein Aufnahmebereich von 130°
Bei ca. 75% Hörereignisabbildung ergibt sich für das Hauptmikrofon ein Achsenwinkel von ca. 100°
Nach den Unterlagen von Eberhard Sengpiel/Leistungssumme bei XY-Mikrofonierung ergibt sich bei vorgenannten Werten, dass die äußeren Sänger etwa 1dB leiser erscheinen, als gleichlaute Sänger in der Mitte. Vermutlich wird dieser Effekt aber durch die frequenzabhängige Richtungscharakteristik des Hauptmikrofons ausgeglichen, oder?
4) Abnahme der Moderation, Solisten, Instrumente
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Einzeln mikrofonieren oder mit DI-Boxen abnehmen
5) Raumabbildung
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Für den Raumeindruck und ggf. Applausaufzeichnung würde ich ein großes AB-Hauptmikrofon nehmen, Richtcharakteristik Niere, und mit großer Mikrofonbasis, ca. 1m, in Richtung Zuschauer, also weg vom Chor, aufstellen. Abstand ca. 10m, also etwa doppelter wirksamer Hallradius.
Schon mal vorab vielen Dank an alle, die sich die Mühe machen, das obige zu verstehen und mir zu antworten.
Viele Grüße
WolfgangK
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Antwort#2
Hallo Wolfgang,
was mir an deiner Stelle Kopfschmerzen bereiten würde, ist die Tatsache daß du verschiedene Gruppierungen aufnehmen möchtest und zusätzlich auch noch unter Live-Bedingungen.
Ich würde auf jeden Fall Stützen auch für den Chor vorsehen. Erfahrungsgemäß sind die meisten chöre eher unausgewogen, dann hast du wenigstens die Chance den Klangkörper etwas zu formen.
Gruß
M. Hein
X-Y wäre mir dort zu wenig.
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Antwort#3
Bei der Wahl des nahen Stereosystem muss beachtet werden, daß die Art der Choraufstellung stark wirkt. Wehe, wenn dort plötzlich ein Halbkreis steht. Man sollte die Chorleiter vorher informieren und eine Linie optimalen Abstandes auf die Bühne kleben (Klebeband) stehen die dann anders, uss rasch hin und schnell korriegeren. (Die Mikros - nicht die Sänger, aber die Linie hilft. Ich würde das in jedem Fall in Mehrspur machen, weil nicht weis, wie nahe die Chöre dann real stehen und wie das Frontsystem "ge-equalized" werden muss. Bei dem Abstand von 1,7m wird das sehr hell. Ich habe für vorne in solchen Fällen immer noch ein hortontal schwenkbares Stützmikro, daß ich rasch in der Länge und Breite varieren knna. Das würde ich jeweils auf Solisten oder Instrumente richten.
Für das entferne Hauptsystem würde ich schon Kugeln nehmen. Die werden hinterher eh, nicht sonderlich laut eingemischt und so bekommt man einen besseren Eindruck vom Saalklang. Kommt aber ganz auf die PA an. Es kann deshalb durchaus sinnvoll sein, die Mikros (dann aber Nieren) wegzurichten.
Noch ein Trick: Nimm auf einer Stereospur die PA (gfs aus dem Pult) mit auf. Wenn man geschickt ist, kann man durch schwaches Zumischen eines invertieren Direktsignales, den Schall der PA-Boxen reduzieren und auf Reflexionen begrenzen. Das hört sich dann sehr räumlich an - fast so wie Effekprozessor im "wet-Betrieb".
Was auch diskutiert werden müsste: Der Chor muss ja irgenwie nah erfasst werden, um ihn auf PA zu bringen. Diese Mikros haben nach Deine Darstellung nichts mit den Deinigen zu tun. (?) Gfs kann man auch diese Mikros noch ins Spiel bringen: Ich habe ganz gute Ergebnisse erzielt, den Sall mit einem Gross-AB zu nehmen, und die Einzelmikros als Stützen zu benutzen. Im Prinzip ist dies ja auch eine klassische Aufnahmekonstellation- im Livebetrieb wird man die Stützen allerdings starker einmischen müssen.
Reales Beispiel einer Stadhalle:
Chorbreite knapp 10m, fast vollkommnen flach stehend, 3-reihig mit 3 Podestebenen, keine Rückreflektionswand
5 Nierenmikros im Abstand von diagonal
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Antwort#4
Hallo Wolfgang,
noch eine Bemerkung zu Punkt 3:
Von einer Aufstellung im XY-Format solltest Du bei solchen Chören ganz absehen. Es bringt keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Die Richtcharakteristik ist nicht genügend frequenzunabhängig um die Ergebnisse zu bekommen wie sie ebs beschreibt. Auch kann man nicht davon ausgehen, daß die Chöre so ausgewogen singen. Da dominiert mal die eine und ein andermal die andere Seite. Ich habe solche ähnlichen Konzerte auch schon aufgenommen. Nimm Einzelmikrofone vor und über dem Chor, dann hast Du eher die Möglichkeit stimmliche Ungleichheiten auszugleichen.
Ob es sinnvoll ist, den Applaus und den Raumeindruck mit aufzuzeichnen wage ich zu bezweifeln. Meiner Erfahrung nach, geht es bei solchen Veranstaltungen im Publikum nicht gerade leise zu. Jeden Huster und jeden Furz den einer läßt hast Du dann auf der Aufnahme... Besser ist hier mit künstlichem Nachhall zu arbeiten, vor allem dann, wenn Du ohnehin mit Mehrspur aufnimmst.

Grüße
Rainer
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Antwort#5
Hallo Kollegen,
vielen Dank für Eure Antworten!
Eine Information habe ich in meiner Beschreibung vergessen, nämlich Aufnahme und Nachbearbeitung. Das ganze wird Mehrspur (16 Kanäle) aufgenommen und für die CD neu zusammengemischt.
Abgenommen werden die 16 Kanäle am Insert-Send des Mischpultes, also direkt nach dem Mischpult-PreAmp. Die Aufzeichnung erfolgt über RME Multiface und Marian Adcon auf Laptop mit Cubase SX.
Welche Tipps und Anregungen könnt Ihr mir noch geben?
Viele Grüße
Wolfgang
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