ORTF für Dummies: Aufnahmewinkel

Erstellt 9 Antworten10 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo -
da hier für eine Bläseraufnahme ORTF im Gespräch war -
es ist doch NICHT so, daß hierbei der "Aufnahmewinkel intuitiv erfahrbar" ist, oder?
Soweit ich es (auch dank dieses kompetenten Forums) mitgekriegt habe, hat ORTF doch
- bei 110° Kapsel"spreizungs"-Winkel (und 17cm Kapselabstand) einen "Aufnahmewinkel" von ca. 90°
- bei KLEINERER Spreizung einen GRÖSSEREN Aufnahmewinkel und
- bei GRÖSSERER Spreizung einen KLEINEREN Aufnahmewinkel
(getreu der Herangehensweise von ebs, selber auch einmal herumzuprobieren)
eben nicht intuitiv erfahrbar, sondern genau andersherum.
Nicht wahr?
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Antwort#2
Stimmt schon, ist aber doch eigentlich logisch oder? Kleinere Spreizung bedeutet geringere Separation durch die Mirkos, es braucht daher weiter stehenden Quellen um due Stereobasis auszulasten. Ich halte das aber trotzdem für erfahrbar: Man hört doch, wie weit ein Klang nach aussen rückt, oder? Im Prinzip kann man jedes System nach Gehör einstellen. Der einzige Grund, der dagegen spricht ist, daß die Hörkurven der Meschen nicht identsich sind, und die eigenen nicht representativ ist.
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Antwort#3
Hallo,
weil ich es geschrieben habe:
ORTF ist mit 55° Versatzwinkel definiert. Der Aufnahmewinkel beträgt nach Sengpiel 96° und entspricht damit ungefähr dem sichtbaren Versatzwinkel von 110°. Wenn man beides genau in Übereinstimmung haben wollte, müßte man die Basisbreite wohl etwas erhöhen oder alternativ die Spreizung verringern. Experimentieren kann man natürlich immer, aber darum ging es hier wohl weniger. Fürs Experimentieren braucht man auch zuverlässige Hörbedingungen - das hat sehr wahrscheinlich nicht jeder Anfänger.
Die ganze Sache wird zudem dadurch relativiert, daß die Hörbedinungen offenbar einen Einfluß auf die Phantomschallquellenauslenkung haben. Sengpiel gibt z.B. bei Laufzeitsterophonie für 100% Auslenkung auf der Stereobasis eine Laufzeitdifferenz von 1,5ms an, während ich regelmäßig auf knapp 1ms komme (mit versch. Probanden und versch. Musikprogramm).
Gruß
Andreas
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Antwort#4
Hallo Michael K,
schaue mal hier rein:
Vergleich einiger Äquivalenz-Mikrofonsysteme:
http://www.sengpielaudio.com/VergleichAequivalenzMikrofonSyst.pdf
Das Stereo-Mikrofonsystem "ORTF" mit dem unsichtbaren Aufnahmebereich, sichtbar gemacht:
http://www.sengpielaudio.com/DasStereo-MikrofonsystemORTF.pdf
Der Zusammenhang zwischen dem Aufnahmebereich eines Mikrofonsystems,
der Anordnung des Klangkörpers und seiner Abbildung auf der Stereobasis:
http://www.sengpielaudio.com/ZusammenhangAufnahmebereichMikrofonsystem.pdf
Das sind Anhaltspunkte zum "Aufnahmebereich", also dem Winkel, den das Mikrofonsystem unsichtbar aber fest hat, um einen Klangkörper in voller Breite von Lautsprecher zu Lautsprecher abzubilden. Prinzip: Taschenlampen-Lichtkegel.
Da das psychoakustische Werte sind, kann es persönliche Hörunterschiede geben, aber auch die Lautsprecheranordnung, die Lautsprechertype und selbst der Abhörraum hat Einfluss auf die Stereoabbildung. Gehe mal von diesen bewährten Angaben aus und prüfe selber, ob sie für dich zutreffen. Ich habe noch keinen getroffen, für den diese Angaben nicht stimmten.
Der Hauptfehler, der von "Dummies" gemacht wird, ist mir zu erzählen, dass man den Aufnahmebereich des Mikrofonsystems doch mit dem Abstand der Mikrofone von der Schallquelle verändern könne. Da wurde einiges nicht verstanden, denn diese Aussage ist sehr falsch. Ich habe nicht behauptet, dass du so etwas denkst.
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofnaufnahme und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com



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Antwort#5
Ja, Impulse scheinen weniger Pegeldifferenz und auch LZ-Diff zubenötigen, als gleichmässige(re) Signale. Anahand der Hörkurven sind aber 1.5ms schon der Richtwert. Ich habe übrigens kürzlich mit der Kompression von Sterespuren experimentiert. Siehe Neues Thema.
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Antwort#6
Hallo Andreas (AH),
Vergleich einiger Äquivalenz-Mikrofonsysteme:
http://www.sengpielaudio.com/VergleichAequivalenzMikrofonSyst.pdf
Hier ist ein Vorschlag für ein Äquivalenz-Stereomikofon, bei dem der Aufnahmebereich und der volle Achsenwinkel (Öffnungswinkel) theoretisch genau gleich sind, also wo beide Winkel übereinstimmen, der sichtbare volle Achsenwinkel und der unsichtbare Aufnahmebereich. Wenn bei diesem Mikrofonsystem die Mikrofonhauptachsen auf die äußeren Kanten des Klangkörpers zeigen, dann wird dieser voll auf der Stereo-Lautsprecherbasis abgebildet.
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
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Vergleich einiger Äquivalenz-Mikrofonsysteme
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Antwort#7
Hallo,
ich habe meine Experimente überwiegend mit normalem Musikprogramm gemacht, nicht mit speziellen "impulshaften" Signalen. Verwendet habe ich in den meisten Fällen eine Monoaufnahme aus der Gattung Kunstlied (Christa Ludwig / Erik Werba, Salzburger Festspiele 1968). Die Laufzeitdifferenzen wurden mit einem digitalen EQ erzeugt und die Auslenkung nach rechts und links als Funktion der Interchannel-Laufzeitdifferenz ermittelt.
100% Auslenkung ergaben sich für mehrere Hörer bei ca. 1ms Laufzeitdifferenz. Leider geht damit bereits ein etwas lästiges Druckgefühl einher, welches sich bei Laufzeitdifferenzen oberhalb ca. 0,8ms beginnt einzustellen.
Daher habe ich den Schluß gezogen, daß allein mit Laufzeitdifferenzen eine Auffüllung der Stereobasis nicht möglich ist. Es gibt jedoch eine Möglichkeit, das sind sehr große Laufzeitdifferenzen, so daß das Signal des zweiten LS vom Gehör für eine Reflektion gehalten wird. Das gibt 100% Auslenkung, jedoch ohne Druckgefühl, dafür mit einem gewissen "Räumlichkeitseindruck".
Gruß
Andreas
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Antwort#8
Hallo Andreas AH,
100% Auslenkung ergaben sich für mehrere Hörer bei ca. 1ms Laufzeitdifferenz. >Leider geht damit bereits ein etwas lästiges Druckgefühl einher, welches sich >bei Laufzeitdifferenzen oberhalb ca. 0,8ms beginnt einzustellen.
Darum empfehle ich zur Erzeugung von Pseudo-Stereofonie aus Mono, dem S-Signal gegenüber dem M-Signal eine Verögerung von 20 bis 30 ms zu geben und niemals 1 ms. Dadurch ergibt sich psychoakustisch ein sich einstellendes Räumlichkeitsgefühl ohne Druck auf den Ohren. Mit richtigem Stereo hat das nichts zu tun; außerdem ist ja Pseudo-Stereo nur eine Notlösung. Bei Hörspielen ist Pseudo-Stereo gut anzuwenden für statistische Signale, wie Regen, Wind und Wellen, wenn sie als Quelle nur in Mono vorhanden sind.
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com


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Antwort#9
Hallo ebs,
nochmal vielen Dank für das .pdf mit den verschiedenen Äquivalenzanordnungen. Eine Anordnung wie "EBS", bei der Spreizungswinkel und Aufnahmewinkel exakt übereinstimmen, hat wohl die besten Chancen, intuitiv richtig genutzt zu werden.
Zum Druckgefühl bei bestimmten Laufzeitdifferenzen: Leider finde ich dieses Druckgefühl manchmal (selten) auch in Aufnahmen, was bei mir zu einer überraschend schnellen Hörermüdung führt.
Gruß
Andreas
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Antwort#10
Ja, wenn man ein solches Signal alleinig abhört, entsteht ein unangenehmes Gefühl. Ich habe aber festgestellt, daß dies wenige der Fall ist, wenn man bandweise arbeitet. Schiebt man nur bestimmte Bänder nach aussen, so vertragen diese durchaus mehr Differenz und brauchen auch mehr, um sich gut durchzusetzen. (Ich verpansche auf diese Weise Trancesaounds). Auch kann man in einem Gesamtmix nur einigen Instrumenten eine (Über-)weite verpassen.
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