Hallo Rainer.
Und Du wirst Studiogeräte von deutschen Herstellern immer in der 6dBu-
Kalibrierung vorfinden. Beispiel: die RTW-Aussteuerungsmesser.
Zu Deiner letzten Frage: Laß bitte diesen Satz "weil nicht sein kann was
nicht sein darf", ich kann diesen Schwachsinn nicht mehr hören, denn es ist
der Standardausredesatz der Hifi-Freaks und Pseudowissenschaftler.
Wenn ein Studio für den Rundfunk produziert, sollte man sich generell an
deren Normen halten. Den Vorteil merkt man dann, wenn man sich mal direkt an
deren Anlagen (z.B. Ü-Wagen) hängen muß, wie ich dies bei mir schon einige
Male hatte.
Haben wir ausser RTW und Studer noch verbreitete Beispiele?
Was ist mit all dem Outboard- und Schnittstellen-Zeug? Angefangen vom "deutschen Hersteller" Behringer (sicher kein Argument, ich weiß) über T.C.Electronics, Lexicon, Klark, BSS, Drawmer, MOTU, RME usw... Klar sind fast alles Amis oder zumindest ausländische Hersteller, aber all das von den allermeisten Tonleuten hochgeschätzte Equipment läuft nunmal auf +4dBu.
"Ich weiß nicht, wie die Amis überhaupt auf diesen komischen Wert von 4 dBu kommen."
Ich auch nicht. Aber weißt du, wie man ausgerechnet auf 6dB kommt? Das ist genauso willkürlich wie die 4dB. Nachvollziehbar wäre sowas wie 0dBu oder 0dBV als Pegelmarke.
Der Satz war bewußt provozierend gemeint. Ich wollte ja von dir mehr hören als diesen Satz - ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der für dich Begründung ist. Aber, tut mir leid, du hast noch nicht ein Argument gebracht ausser "in Deutschland ist die Norm anders".
Und BTW: was ICH nicht mehr hören kann, ist die pauschale Abschiebung in die Amateurecke und unterschwellige Unterstellung, ein "Esoteriker" zu sein, sobald mal jemand nicht die IRT PH oder die Sengpiel-PDFS als "Bibel" ansieht oder mal jemand eine Lehrmeinung nicht unrefklektiert übernimmt, sondern mal genau hinschaut, ob das in der konkreten Situation nicht auch anders geht.
Du bist mit den beiden Worten "Hifi-Esoteriker" und "Pseudowissenschaftler" regelmäßig schnell dabei, wenn dir die Argumente ausgehen - schonmal aufgefallen?
Richtig, WENN ein Studio für den Rundfunk produziert, macht das Sinn. Wenn es das aber nicht tut, ist es sinnvoller, sich um das optimale Zusammenspiel aller Geräte IM Studio zu kümmern.
Normen sind ja nun keine gottgegebenen Gesetze, die auf überirdische Weise durch Mauern kriechen und auf Durchsetzung pochen. Normen sind Konventionen (ALLE willkürlich; die meisten mehr, manche weniger sinnvoll bzw. durchdacht), die ein reibungsloses Zusammenspiel von Geräten verschiedener Hersteller ermöglichen sollen.
Soll ein Pult mit ARD-Equipment zusammenarbeiten, bieten sich die IRT/ARD-Normen an, soll es dagegen mit überwiegend international zusammengewürfeltem Equipment zusammenarbeiten, dann bieten sich eben andere Standards an.
Wenn ich einen alten Ami-Schlitten restaurieren will und neue Radmuttern brauche, dann verlange ich im Baumarkt auch zöllige Muttern. Da kann der Verkäufer mir tausendmal erzählen, dass in Deutschland nach DIN metrische Muttern Norm sind. Sie werden nicht passen. Es sei denn, ich rüste die Radaufnahme (am besten alles andere bei der Gelegenheit gleich mit) auf metrisch um. Na, viel Spass.
Rainer, verrat mir eins: bist du wenigstens konsequent und rüstest _sämtliches_ Studioequipment, was nicht aus Deutschland kommt, dann wenigstens auch auf IRT-Norm um?
Oder schraubst du zuhause am DVD-Player oder Plattenspieler erstmal grundsätzlich die RCAs ab und ersetzt sie durch DIN-Stecker?
"Die Rundfunknormen erscheinen dem Außenstehenden oftmals geradzu abstrus und unverständlich (nach dem Motto: "Die Wege des Rundfunks sind unergründlich"). Wenn man aber mal selbst mit diesen Leuten zu tun hatte (und ich hatte lange genug mit ihnen zu tun, sowol als Gerätebauer als auch mit Aufnahmen) dann wird einem auch irgendwann bewußt, daß hinter all diesem Vorschriftenwust und Entscheidungen schon sehr sinnvolle Überlegungen stehen. "
Das bestreitet ja keiner. Nur haben sich andere Leute vielleicht auch Gedanken gemacht - andere, aber deswegen nicht zwingend schlechtere.
"Man muß nicht in allem die Amerikaner als Maßstab nehmen. Es ist manchmal haaresträubend was gerade die Amis hervorbringen. Auf der einen Seite schießen sie Raketen zum Mond oder zum Mars, auf der anderen Seite pfuschen und schludern sie daß es einem graust."
Man muss aber auch nicht alles, was die Amis hervorbringen, verteufeln - genausowenig, wie man in allem die Deutschen als Massstab nehmen muss.
Wo immer sich weltweit konkurrierende Normen entwickeln, sollte man über heutzutage auch über eine Vereinheitlichung nachdenken. Was im Einzelfall die "bessere" Norm ist, sei mal dahingestellt.
Ich finde es auch unsinnig, in Zoll, Fuss, Meilen, Unzen und Pfund zu rechnen, wo das mit dem SI-System viel einfacher und weniger fehleranfällig geht.
Aber bei z.B. Hifi-Steckverbindungen (s.o.) ist das RCA-System dem alten DIN doch IMHO überlegen. Getrennte Schirme für beide Kanäle, robustere Stecker und flexiblere Leitungen (typischerweise) usw. Gut, der vorstehende "heisse" Pin ist nicht das Gelbe vom Ei - es ist auch nicht perfekt. Vielleicht setzt sich ja in Zukunft noch was anderes durch...
Also nochmal meine Frage (unabhängig von der eher akademischen Frage nach der "besseren" Norm): Was spricht in der Praxis gegen +4dBu (gehe davon aus, dass analoge Zusammenarbeit mit dem Rundfunk nicht stattfindet)?
Jens