Hi zusammen, mal ein Thema, das nur im größeren Rahmen mit Tontechnik zusammenhängt... ich sammele gerade bei einem kleinen lokalen Radiosender meine ersten Erfahrungen mit analogem Bandschnitt. Nun frage ich mich, ob früher eigentlich alle Tontechniker am Abend gefrustet nach Hause kamen, und sich eigentlich nur noch ins Bett legen wollten? (Okay, ich übertreib ein wenig...) Dabei war es eigentlich nur ein dreiminütiger Beitrag (Interview), der geschnitten werden wollte. Ich hab es im vorher schoneinmal zu Hause digital geschnitten, und jedes "Äh" meines Interviewpartners sorgfältig herausgeschnitten. Als ich das heute analog machen wollte, bin ich schier wahnsinnig geworden. Mal zu spät angefangen (also noch der Ansatz vom "Äh" hörbar), manchmal zu früh angefangen (also eine Silbe des letzten "guten" Wortes abgeschnitten), und war folglich dauernd am Korrekturschneiden. Und das kann echt nerven!! Drum meine Frage an die "alten Hasen": was tut ihr in so einer Situation? (Natürlich das Ganze unter Stress, da heute Nachmittag der einzige Termin war, wo ich schneiden konnte). Geschafft habe ich ganze anderthalb Minuten (Mono) in 4 Stunden. Und die Qualität war mal echt bescheiden :-( So, der Frust ist raus, ich hoffe auf gute Ratschläge! ;-) Grüße, tobi
Analoges schneiden gehört wirklich ins Antiquariat, digitales Schneiden ist schneller, zuverlässiger und nicht zu letzt besser da genauer. Was machen die alten Hasen? Wir schneiden nicht mehr analog. Was wurde gemacht? Viel geübt, noch mehr geflucht, und nach einigen Jahren und vielen blutigen Fingerkuppen ist es dann flott gegangen. Wenn Du mal ne Symphonie mit einigen hundert Schnitten zusammengepfriemelt hast, dann denkst Du nicht mehr nach, dann geht das einfach. (oder Du wurdest an dieses Stelle zum Alkoholiker). Und stress gibt es sowieso immer, denn alles sollte am besten vorgestern fertig sein, und wenn dann der Tonmeister oder Aufnahmeleiter den armen Cutter noch gequält hat ("Ich würd langsam gern mal nach Hause gehen, stellst Du dich nur so blöd oder kannst Dus wirklich nicht...?") dann hätte man schon mal Lust gehabt denjenigen mit einigen Bandwickeln zu mumifizieren... Wobei, ich würde auch jedem Anfänger empfehlen, sich zumindest ein wenig mit analogem Schnitt auseinanderzusetzen. Denn da gibt es kein UNDO (oder zumindest kein einfaches per Mausklick), da muss man genau hinhören, und es so gut wie möglich beim ersten mal hinbekommen. Und dieses Hören, wo kann ich schneiden etc. ist auch beim Digitalschnitt unheimlich praktisch da viel Zeitsparender als 100mal herumzuprobieren. Mein Tip: Ohren steif halten und weitermachen. Irgendwann klappt's. Und wenn nicht, spätestens in 10 Jahren gibt's wohl keine analogen Bänder mehr...
Ich empfehle die Trotz-Lösung: Laptop und Kopfis mitnehmen, vom Kassetten-Reportergerät in den Laptop spielen (dafür reicht vielleicht sogar schon der Line In, je nach Gerät), digital schneiden (schneller und besser als die Kollegen), auf das entsprechende Analogband zurückspielen, abgeben, grinsen, freuen. ;-) Wenn du besonders guten Willens bist, holst du dir noch ein günstiges USB Wandler-Interface, dann kann auch keiner mehr darüber motzen, daß der Line-In des Laptops zu schlecht sei (wobei, bei O-Tönen von Kassette....) Janko
Ich hab mein Interview auch gar nicht auf Kasette aufgenommen, sondern auf einen Digital-Recorder ;-) Ich wollte nur das analog schneiden lernen. Und bin wohl erstmal auf die Schnautze gefallen, weil ich es mir einfacher vorgestellt habe.
Hallo, hab bei uns am Theater auch mit analogem Schnitt angefangen, da gabs noch keinen Rechner bei uns. Da hilft nur üben, üben, üben. Die Abhöre mußt du dabei ziemlich laut stellen, damit du auch Anatmer und dergleichen gut hörst, auch wenn die Lautstärke im Normalbetrieb schon nervt. Und lieber die Wickel ein paarmal mehr hin- und herdrehen, als übereilt zu schneiden, die Klebestelle wieder aufzufummeln und womöglich einen Buchstaben im Papierkorb zu suchen :-). Mir der Zeit wird man dann auch "analog" ziemlich schnell, aber digital ist natürlich schöner :-) Gruß Jörg (der immer noch die Revox in Bereitschaft hat)
ich kann davon berichten, da ich früher auch etliche Kilomter Band analog geschnitten habe. Es gibt nur eines: üben, üben und nochmals üben! - anders geht es nicht. Aber: Wenn man analog schneiden KANN, dann ist es digital umso leichter. Die Kunst, herauszufinden WO man am günstigsten die Schnittstelle hinsetzt ist das eigentliche. Ich bin sogar der Ansicht - das mag etwas altmodisch klingen - wer Schneiden ÜBEN will, soll es auf einer alten Analogmaschine tun. Wer es dann geschafft hat, so gut zu schneiden, daß er bei Vollspur mit Schrägschnitt einen einzelnen Buchstaben aus einem Wort schneiden kann - und das womöglich noch bei der 19-er Geschwindigkeit - der ist gut und hat auch dann beim Digitalschnitt keine Probleme. Es ist ähnlich wie wenn man ein Musikinstrument spielen lernt: Wer auf dem Klavier übt und dann es zur Perfektion bringt, hat mit allen anderen Tasteninstrumenten keine Schwierigkeiten, wer aber auf dem Keyboard anfängt und soll dann an's Klavier.... gute Nacht, denn das geht schief! Tip: Übe Musikschnitte mit 38 cm/s und Spracheschnitte mit 19 cm/s. Ich schneide Sprache lieber bei 19 als bei 38. Man darf nur nicht die Übersicht verlieren wenn man bis über die Halskrause mit Bobbies mit Bandresten zugedeckt ist. Aber das hat mir eigentlich immer Spaß gemacht. Quizfrage (stelle diese mal einem Chirurgen): Was haben Tontechniker und Chirurgen gemeinsam? Antwort: beide schneiden!, wobei der Tontechniker durch sein Schneiden immer etwas verbessert.
Hi zusammen, danke erstmal, dass alle mit mir fühlen ;-) Nach einmal drüber schlafen sieht die Welt auch gleich viel besser aus, und ich glaub, der Ehrgeiz packt mich noch... Was ich aber eigentlich wissen wollte: was hilft außer laut Fluchen gegen schlechte Stimmung beim Nachbearbeiten? Kamillentee? (Wo gibts den besten? ;-) Eine Rauchen? (Naja, deswegen fang ich das nicht an...) Irgendwo dagegentreten? (Leider ist im Studio das meiste doch recht teuer...) Georgs Idee, den Aufnahmeleiter mit Bandmaterial erwürgen ist leider keine Alternative, weil ich mich dann selbst aufhängen müsste ;-) Grüße, tobi
Gut, in diesem geht's natürlich nicht. Das habe auch ich ein Stück weit über mich ergehen lassen, hab aber sofort aufgehört, als mir einer weis machen wollte, er sei analog schneller als ich digital. Er war recht flink, gar keine Frage, und es sieht dann auch sehr sportlich aus, sportlicher als schnödes Mausgeklicke. Aber schneller wars natürlich nicht. Nichts desto trotz eine lehrreiche Erfahrung, und die Erkenntnis, beim Schnitt immer schön brav digital zu bleiben. ;-) Janko
sport zwischendurch ist auch problematisch, denn davon bekommt man schweiss finger und das klingt wabbernd, wenn man damit das band anfäßt. auf 38cm sind die eischwingphasen viel länger und man sollte variable schnittwinkel anwenden (crossfades). 19 cm klingen etwas voller und basslastiger, die 38 cm klingen eher etwas transparenter. 4 std für 1,5 minuten sprache ist zu lange. 3-5 minuten beitrag sind ca 45 min. analogschnitt und ca 10-12 minuten digitalschnitt. bei musik sieht das etwas anders aus, da ein metrum vorherrscht an das man sich halten muss. da werden aus einem "musik puzzle" von 5min musiklänge ca 6-8 std bearbeitungszeit. vor jeder benutzung die köpfe reinigen, die bänder tail out lagern und um den print thru effekt zu vermeiden gelegentlich mal durchspulen. (bei musik auf senkel empfiehlt es sich dolby a zu verwenden. muss aber bei der aufnahme und bei der wiedergabe benutzt werden.) gruß
Hi Rackerlui, Du schreibst: ""19 cm klingen etwas voller und basslastiger, die 38 cm klingen eher etwas transparenter."" Wie kommst Du darauf? Was haben Deine Maschinen für Köpfe? Die Probleme der Baßwiedergabe bei 38 beruhen darauf, daß die aufgezeichneten Wellenlängen bei 38 doppelt so groß sind wie bei 19. Die Folge ist, daß wenn die Wellenlängen in die Abmessungen der Köpfe und deren Abschirmungen kommen, ein magnetischer Nebenschluß entsteht und folglich ein Pegelabfall im Baßbereich. Fazit: Bei 38 sollten entsprechend große Köpfe verwendet werden, dann entsteht kein Pegelabfall und man kann die Übertragungsbandbreite durchaus bis 20 Hz herunter bekommen. Bei den Studer-Maschinen ist dieses Problem sehr gut gelöst, ebenso bei den Telefunken M20.
Die müßte aber sehr linear einzumessen sein, ich kenne die PR 99 sehr gut. Hat sie "Schmetterlingsköpfe" (0,75 mm Trennspur?). Die läßt sich bequem bis 20 Hz runter bringen, auch bei 38cm/s.