Re: Mikrofon-Frequenzgang

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Antwort#21
Hallo Matthias,

Du schreibst hier: ""....also den "untertönen" die unser ohr ergänzt, bzw. die evtl. auch so entstehen, wenn die obertöne da sind und durch subtraktion der frequenzen der grundton wieder entsteht. deshalb differenzton.""

Das stimmt nicht! Differenztöne entstehen nur in nichtlinearen Systemen, also solchem bei denen die Transferkennlinie keinen linearen Charakter mehr hat, sondern mindestens mal quadratische Terme oder Terme noch höherer Ordnung enthält. In linearen Übertragungssystemen DÜRFEN keine Differenztöne entstehen. Wenn also in einem linearen System ein 150 Hz- und ein 100 Hz-Ton übertragen werden, darf kein 50 Hz-Differenzton und auch kein 250 Hz-Summationston erzeugt werden.
Warum der Gehörsinn so reagiert wissen wir nicht eindeutig. Fest steht aber, daß auch das Ohr einen Klirrfaktor hat -also nichtlinear arbeitet. Möglicherweise ist das die (oder auch eine) Ursache für das Residuumhören.
Bezüglich der Theorie der Bildung von Differenztönen erinnere ich hier mal an einen Bereich aus der Hochfrequenztechnik: Die Mischung von Empfangsfrequenz und Oszillatorfrequenz zur Bildung der Zwischenfrequenz in Rundfunk- und Fernsehempfängern. Dies Bildung geschieht IMMER an einer nichtlinearen Kennlinie mit quadratischem Charakter. Mit linearen Kennlinien geht das nicht und mit Kennlinien mit kubischer oder noch höherer Ordnung entstehen Mischprodukte die dann ein mehrfaches einer Frequenz sind +/- der anderen zuzumischenden Frequenz(en).
In der Audio(übertragungs)technik müssen wir aber in jeder Hinsicht lineare Transferkennlinien anstreben, damit nicht unerwünschte Mischkomponenten entstehen die nur Summen- und Differenztöne darstellen, denn diese sind harmoniefremde Töne die das ganze Klangbild verschleiern und unsauber erscheinen lassen.

MfG
Rainer
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Antwort#22
Warum der Gehörsinn so reagiert wissen wir nicht eindeutig. Fest steht aber, daß auch das Ohr einen Klirrfaktor hat -also nichtlinear arbeitet. Möglicherweise ist das die (oder auch eine) Ursache für das Residuumhören.
Durch die Nichtlinearitäten entstehen zwar im Ohr tatsächlich Differenztöne. Der virtuelle Grundton entsteht aber nicht im Ohr sondern erst auf höheren neuronalen Ebenen. Der fehlende Ton wird gewissermassen aus dem Gedächtnis heraus ergänzt. Es handelt sich also nicht um einen Differenzton.
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Antwort#23
""Der fehlende Ton wird gewissermassen aus dem Gedächtnis heraus ergänzt. Es handelt sich also nicht um einen Differenzton.""

Könnte man daraus den Schluß ziehen, daß Menschen die völlig ohne musikalische Erfahrung sind (z.B. Eingeborene im Urwald) diesen Differenzton nicht wahrnehmen? Eine interessante Frage für die Forschung.

MfG
Rainer
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Antwort#24
Was die Theorie sagt, weiss ich.
Hier geht es aber nicht um Physik oder um Theorie,
sondern alleine um die menschliche
Wahrnehmung, um psychoakustische Effekte.
Dass die bisherigen 48::96 Hoer-Experimente im Grunde nichts
gebracht haben, weiss ich.
Zu diesem Thema gab es hier bereits Monster-Threads genug.
Was möchtest du uns mit diesem Satz sagen?
Es ist sinnfrei die psychologische Wirkung einer Sache darlegen zu wollen,
ohne die physikalischen Parameter in die Überlegung mit einzubeziehen
(PsychoAKUSTIK; AKUSTIK = Physik).
Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass die unzähligen Versuche,
die in den vergangenen 30+ Jahren statgefunden haben
ausschliesslich physikalische Theoriegebilde sind,
welche die Wahrnehmung völlig ausser acht lassen???
Und dank deiner Genialität hast du jetzt eine Methode erfunden,
welche alle bestehenden Versuchsanordnungen in Frage stellt
und den gegenbeweis darlegt?
Das Wort "psychoakustisch" habe ich hier vielleicht nicht ganz passend gewaehlt.
Gemeint ist vorwiegend "neurologisch".
Die physikalischen Parameter gehoeren tatsaechlich einbezogen, doch dafuer gibt es hinreichend viele und genaue Modelle. Die Physik hat den grossen Voreil, dass sich Systeme "relativ leicht" trennen lassen, zerlegen lassen. Solange Du ausserhalb des Menschen bleibst, kannst Du physikalische Theorien recht gut nachpruefen, weil Du die Experimente im Grunde beliebig wiederholen und verfeinern kannst. Ich denke, die physikalischen Vorgaenge bei Schallausbreitung, Schallwandlung, Signalbearbeitung sind hinreichend gut verstanden.
Beim Menschen hingegen gibt es ganz andere Einschraenkungen. Willst Du die Versuchspersonen einfach aufschneiden und nachgucken? Nee so einfach ist das leider nicht... Selbst das wird zwar manchmal gemacht, laesst sich aber nicht im "grossen Zuge" und beliebig wiederholt durchfuehren. Hier gibt es also eine Grenze. Und hier sehe ich auch die groesste Unbekannte, jenen Bereich, in dem am meisten geforscht und experimentiert werden muss.
Die "Theorie" alleine nuetzt da wenig, denn zuerst kommt immer noch das Experiment, hinterher kommt die Theorie!
Bei meinem obigen Satz geht es primaer darum, von der Kopplung des "aeusseren" akustischen Systems an die Reizverarbeitung im Hirn moeglichst zu abstrahieren.
Es geht um die menschliche Wahrnehmung.
Nein, das habe ich auch nicht behauptet. Die (physikalische) "Akustik" selber bezieht sich auf die Vorgaenge, nun sagen wir, bis zur Cochlea. Ab den Haerchen ist es Physiologie, bzw. Neurologie, Psychologie, weil es dann nicht mehr um mechanische Schwingungen sondern um elektro-chemischen Transport geht.
Ich bin mit Sicherheit nicht auf dem letzten neurologischen Stand, was Hoerverhalten betrifft, lasse mich aber gerne informieren.
Nee, nichts liegt mir ferner.
Im Gegenteil, wenn Du den thread zu 24/96 im Dez. nochmals durchgehst, siehst Du, dass ich bei diesem Thema das _Experiment_ in der Beurteilung der Sachlage sehr stark gewichte, und mich gerade die bisherigen Experimente dazu veranlassen, nicht auf Biegen und Brechen 24/96 durchboxen zu wollen.
Allerdings ist mir unbekannt, was bei dem von mir vorgeschriebenen Versuch herauskaeme. Ich kann ihn nicht annaehernd durchfuehren (von einer Versuchsanordnung, die wissenschaftlichen Anforderungen genuegen koennte ganz zu schweigen), und eine Referenz zu einem aehnlichen Experiment habe ich leider nicht.:-(
Falls ein (derart naheliegender) Versuch dieser Art in den letzten 30 Jahren mehrmals durchgefuehrt worden sein sollte, dann wuerde es mich sehr freuen, wenn
Du mich auf die Original-Publikationen verweisen koenntest.
Mich interessiert bloss das Ergebnis (und der Versuchsaufbau...).
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Antwort#25
"Könnte man daraus den Schluß ziehen, daß Menschen die völlig ohne musikalische Erfahrung sind (z.B. Eingeborene im Urwald) diesen Differenzton nicht wahrnehmen?"
Eine interessante Frage, Rainer. Ich darf sie etwas erweitern: Darf man vermuten, dass Menschen eines anderen musikalischen Kulturkreises - deren
Musik ein anderes Tonsystem zugrunde liegt - diesen Differenzton nicht wahrnehmen bzw. einen anderen Differenzton wahrnehmen?
Das haette IMHO auch Konsequenzen fuer die Einstellung der "West-Kultur-Menschen" gegenueber fremdkultureller Musik. Es haette, was die Aufnahmeziele betrifft, moeglicherweise auch Konsequenzen fuer die Tontechniker bei einer Produktion orientalischer oder indischer Musik.
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Antwort#26
Könnte man daraus den Schluß ziehen, daß Menschen die völlig ohne musikalische Erfahrung sind (z.B. Eingeborene im Urwald) diesen Differenzton nicht wahrnehmen?
Nein, das kann man IMO daraus nicht verallgemeinernd schliessen. Die harmonische Zusammensetzung eines Klangs ist ja nicht von der Kultur oder der Musik abhängig sondern eine grundlegende physikalische Eigenschaft und deshalb - zumindest in dieser Welt - universell gültig.
Ich räume aber ein, dass es prinzipiell sicher Konstallationen gibt, die im Einzelfall in anderen Kulturen keine entsprechende Grundton-Empfindung auslösen.
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Antwort#27
Beim Menschen hingegen gibt es ganz andere Einschraenkungen. Willst Du die Versuchspersonen einfach aufschneiden und nachgucken?
Heute ist die Medizin ja doch schon ein ganzes Stück weiter. Dank bildgebenden Verfahren, die teils auch dynamische Abläufe sichtbar machen, kann man dem Gehirn inzwischen ganz gut beim Arbeiten zusehen. Als Beispiel seien hier die Möglichkeiten funktionaler Magnetresonanz genannt.
Aber meist muss man ja gar nicht so weit gehen. In vielen Fällen ist eine psychophysische Reihenuntersuchung völlig ausreichend, um zu einer Fragestellung (i.e. 96/48) eine ja/nein-Präferenz mit genügender statistische Signfikanz zu erhalten. Die Psychoakustik schliesst die neurologische Seite ja immer mit ein.
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Antwort#28
Ich glaube wir müssen etwas aufpassen, dass wir nicht zuviele Dinge in einen Topf werfen, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben: Der
Residualeffekt ist sowohl physikalisch als auch physiologisch als auch neurologisch gesehen etwa völlig anderes als ein Differenzton. Das eine hat mit dem anderen nichts, aber auch rein gar nichts zu tun.
Andere Tonsysteme und die damit verbundenen (Nicht-)Präferenzen sind noch einmal eine ganz andere Geschichte, die weder mit Differenztönen noch mit Residualeffekt einen Zusammenhang haben.
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Antwort#29
Moin
Du schreibst: "Die harmonische Zusammensetzung eines Klangs ist ja nicht von der Kultur oder der Musik abhängig sondern eine grundlegende physikalische Eigenschaft "
Dazu sage ich mal "jein". Das Obertonspektrum eines Instruments ist natürlich von der Physik vorgegeben - aber dort, wo Instrumente ganz anders gebaut werden, ergeben sich auch andere Obertonreihen. Beispiele wären recht stark "tonale" orientalische Trommeln (die ganz andere Schwingungsmoden als nur ganzzahlige Vielfache der Grundfrequenz haben) oder alles, was ähnlich physikalisch funktioniert wie Glocken.
Der Begriff "harmonisch" in Bezug auf Obertöne impliziert bereits gewisse "Hörgewohnheiten", denn die ganzzahligen Vielfachen treten nur bei linearen Schwingern so schön sauber auf. Wobei linear hier nicht im Gegensatz zu "nichtlinear" gemeint ist, sondern als "eindimensional ausgedehnt" - also Saiten, Luftsäulen etc. Und daraus sind die Instrumente unseres Kulturkreises fast ausnahmslos aufgebaut.
Auch in anderen Kulturkreisen finden sich Saiteninstrumente, die aber wegen "pathologischer" Resonatorformen ein ganz anderes Obertonspektrum haben. Deswegen klingt eine Sitar schon dann fremdartig und "unharmonisch", wenn sie Töne unserer "westlichen" Tonleitern spielt.
Die "westlichen" Instrumente sind alle mehr oder weniger so designt, dass der (dreidimensionale) Klangkörper mit seinen vielfältigen Schwingungsmoden den "reinen" eindimensionalen Schwinger (z.B. Saite) mit seinen ganzzahligen Frequenzverhältnissen bestmöglich unterstützt. Das muss aber nicht in allen Kulturkreisen so sein, insofern würde ich zwar auch vermuten, dass das Residualtonhören auch in Indien oder sonstwo "funktioniert", aber sicher kann man da ohne weitere Quellen nicht sein...
Jens
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Antwort#30
Dank bildgebenden Verfahren, die teils auch dynamische Abläufe
sichtbar machen, kann man dem Gehirn inzwischen ganz gut
beim Arbeiten zusehen. Als Beispiel seien hier die Möglichkeiten
funktionaler Magnetresonanz genannt.
Genau, dazu kommen noch PET und EEG.
Aber: Ob und wie ich einen Differenzton wahrnehme sagen mir weder MRT noch PET noch EEG. Diese zeigen im Grunde nur, dass die Hirntaetigkeit (Spin, Stroeme, Sauerstoffgehalt etc.) in gewissen Regionen zu- oder abnimmt.
Diese Ergebnisse mit zB. dem "Hoeren eines konkreten Differenztones" in Zusammenhang zu bringen - ich denke da ist die Wissenschaft noch weit weit weg davon (aber ich kann irren...).
Um genau diese Details ging es allerdings hier.
Wenn ich es schaffe, einen brauchbaren Schallwandler oberhalb 20 kHz aufzustellen und von einem simplen Klang alles im Hoerbereich filtere, dann haette ich gerne gewusst, ob das Hirn auf die Konfrontation mit diesem Schall anders reagiert als auf blosses Rauschen.
Wenn der Klang noch dazu ein Musikstueck war, so haette ich gerne gewusst,
ob die Hirntaetigkeit sich von jener des tatsaechlichen Hoerens des Stuecks
unterscheidet (das wird sie wohl) und _wie_.
Und als letzter Punkt kommt hinzu, wie und ob die Probanden diesen Schall subjektiv bewusst wahrgenommen, irgendwie empfunden haben.
Wie gesagt, falls Experimente in dieser Art duchgefuehrt worden sind, bin ich fuer Referenzen dankbar.
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Antwort#31
"Andere Tonsysteme und die damit verbundenen (Nicht-)Präferenzen sind noch einmal eine ganz andere Geschichte, die weder mit Differenztönen noch mit Residualeffekt einen Zusammenhang haben."
Nun, ich denke, das war die Frage...
Wss war zuerst: Henne oder Ei?
Die Tonsysteme sind ja gerade nicht gottgegeben.
Moeglicherweise sind die Tonsysteme ja gerade durch die in verschiedenen Kulturen vorherrschenden Hoergewohnheiten (und Du sagtest, IIRC, das Residualhoeren sei rein neurologisch) gebildet worden... Das muesste man wahrscheinlich mit spezialisierten Musikwissenschaftern diskutieren,
und sich angucken, wie die rueckgekoppelte Systemdynamik tatsaechlich aussieht.
Ich erinnere mich allerdings an eine neurologische Arbeit ca. 1995, die hervorbrachte, dass selbst die kleinste Vorstellung, dass man eine Bewegung ausfuehre, bereits den Hoereindruck veraendert, es also nicht einer tatsaechlichen Bewegung bedarf.
Vor diesem Hintergrund vermute ich grosse Schwierigkeiten bei der Untersuchung obiger Zusammenhaenge...
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Antwort#32
also jetzt wirds ganz durcheinand ;-)
bleiben wir bei den differenztönen als akustische kombinationstöne.
ich behaupte (nach meinem derartigen erfahrungsstand), daß sich im schallfeld (also in der luft) immer differenztöne bilden, die damit auch physikalisch da sind. schließlich habe ich dies ja messen können.
ich kann rainers einwurf immer noch nicht ganz deuten- ist die luft nun nichtlineare übertragung?
oder: (neuer aspekt) ensteht der differenzton sowohl im ohr, als wie auch bei der messung (!) in den übertragungswegen von trommelfell-gehirn, bzw. mikrofon-messung/wandler ????
lg matthias
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Antwort#33
Moeglicherweise sind die Tonsysteme ja gerade durch die in verschiedenen Kulturen vorherrschenden Hoergewohnheiten
(und Du sagtest, IIRC, das Residualhoeren sei rein neurologisch) gebildet worden...
Aber ja doch.
Ja, aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Nochmal: Das Residuum ist eine Eigenschaft eines (physikalischen) Klangs. Ein Tonsystem regelt nur, welche Intervalle möglich sind. Unabhängig davon hat jeder Klang (jede Note eienes Intervalls) wieder die physikalischen Eigenschaften der harmonischen Zusammensetzung; diese Eigenschaft ist völlig unabhängig vom Tonsystem.
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Antwort#34
Aber: Ob und wie ich einen Differenzton wahrnehme sagen mir weder MRT noch PET noch EEG. Diese zeigen im Grunde nur, dass die Hirntaetigkeit (Spin, Stroeme, Sauerstoffgehalt etc.) in gewissen Regionen zu- oder abnimmt.
Wenn ich es schaffe, einen brauchbaren Schallwandler oberhalb 20 kHz aufzustellen und von einem simplen Klang alles im Hoerbereich filtere, dann haette ich gerne gewusst, ob das Hirn auf die Konfrontation mit diesem Schall anders reagiert als auf blosses Rauschen.
Wie gesagt, falls Experimente in dieser Art duchgefuehrt worden sind, bin ich fuer Referenzen dankbar.
Diese Ergebnisse mit zB. dem "Hoeren eines konkreten Differenztones" in Zusammenhang zu bringen - ich denke da ist die Wissenschaft noch weit weit weg davon (aber ich kann irren...).
Gut. Einverstanden.
Weshalb sollte es? Es gibt im Innenohr mit Sicherheit keine Rezeptoren, welche den Reiz transformieren könnten. Und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gibt es auch keine Neuronen höherer Ordnung, welche diese Frequenzen detektieren könnten. Welches Ergebnis erwartest du denn?
Mir sind keine bekannt, welche deiner Versuchsanordnung entsprechen würden.
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Antwort#35
Auch eine Sitar ist ein eindimensionales Schwingungssystem. Das "fremdartige" ergibt sich erst durch die uns fremden Intervalle, bzw. durch die Stimmung der gleichzeitig gespielten Saiten. Die einzelnen Noten (Saitenschwingunegn)selbst weisen aber sehr wohl eine "normale" Obertonstruktur auf.
Der Resonator kann das Spektrum ja nur formen; er kann grundsätzlich keine neuen Teiltöne kreieren, sondern nur die bestehenden unterschiedlich gewichten.
Weiter ist es ja so, dass auch die menschliche Stimme, Vogelstimmen etc. nach diesem Grundsystem aufgebaut sind. Und genau darauf reagiert das Gehirn letztlich auch, wenn der Grundton und allenfalls Harmonische höherer Ordnung ergänzt werden.
Der Vergleich mit den Trommeln hinkt ein wenig, weil es selbstverständlich auch hier in der Regel harmonische Komponenten (nämlich in der jeweils einen oder anderen Dimension) gibt. Andernfalls würden wir auch gar keinen (Grund)Ton wahrnehmen können. Durch die zwei Diemnsionen entstehen dabei natürlich auch nichtharmonische Komponenten, bezogen auf die jeweils andere Dimension.
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Antwort#36
Die "harmonische" Zusammensetzung haengt aber von der Geometrie, von den Materialien des Schwingungserregers- und Resonators ab.
Realiter gibt es schlicht keine ganzzahligen Vielfachen (hatten wir gerade im Enhancer-thread).
Du kannst zwar theoretischerseits von einer Grundtonfrequenz ausgehen und ganzzahlige Vielfache betrachten. Natuerlich. Dieser "Massstab" mit den ganzzahligen Vielfachen kommt aber meines Erachtens bloss daher, dass man oefters im Spektrum hoehere Amplituden annaehernd bei ganzzahligen Vielfachen antrifft. Die Betonung liegt auf "annaehernd" und "oefters".

Worauf ich hinauswill: Letztlich geht es um ein Aesthetik-Empfinden. Differenztoene (und moeglicherweise auch Residualtoene) spielen da mit hinein.
Ein Tonsystem gibt ja bloss "ungefaehr" vor, wie man zu einem "anzuhoerenden" Musikstueck kommen koennte. Auch hier ist die Intonation in der Praxis weit weg von der Theorie der reinen Stimmung! Der "Wohlklang" entsteht nicht _wegen_ des Tonsystems. (Vielleicht mit Ausnahme eines temperiert gestimmten Klaviers...)
Meiner Ansicht nach ist es sogar eher umgekehrt: Das Tonsystem entwickelt sich aus einem Empfinden fuer "Wohlklang" und versucht, Anhaltspunkte zu geben, um einen Wohlklang zu reproduzieren. Man darf bei all den Theorien und Notenschreibsystemen nicht auf die dahinterstehenden Klangereignisse vergessen.
Die Theorie ist nur eine Beschreibung der Phaenomene und gibt Anhaltspuntke.
Nun heisst es, viele Effekte sind bloss neurologisch. Schoen, dann erwarte ich prinzipiell, dass sie bei unterschiedlichen auch Kulturen unterschiedlich ausfallen.
Was unterscheidet die Aufnahme eines tuerkischen Musikers bie tuerkischer Musik durch
a) einen deutschen Tontechniker
b) einen tuerkischen Tontechniker?
(Die Frage ist natuerlich so nicht zu beantworten, denke ich...:-))
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Antwort#37
Lieber Stefan,
darf ich deine Angabe ein klein wenig korrigieren?
Es ist nicht etwa ein Violon (oder Quintatön) 16' allein, der/das ein wenig quintelt und so dem Ohr durch seinen verstärkten 3. Partialton einen synthetischen 32' vorgaukelte, es sind dies zwei, durchwegs separate Register, ein 16' und eine Großquint 10 2/3', die jenen 32'-Eindruck zuwege bringen. Es erklingen also real Grundton und 'anderthalbter' Partialton, den es natürlich nicht gibt, bzw. realer 2. und 3. Partialton, sofern man die synthetische Resultante als 1. Partialton akzeptieren will.
Unter günstigen Umständen reicht schon das zusätzliche Anschlagen der Quinte innerhalb eines 16'-Registers hin, um für das Ohr das Auftauchen des 32' zu ermöglichen. Mancher erzeugt so das in der Pedalstimme von Bachs G-Dur-Fantasie BWV 572 notierte, aber regulärerweise nicht als Taste vorhandene Kontra-H.
Das oben geschilderte Verfahren taucht um die Jahrhundertwende vom 17. zum 18. Jahrhundert auf und wurde beispielsweise beim Umbau der Orgel in Alkmaar/Holland durch Frans Caspar (!) Schnitger angewendet. Dies scheint für dei Zeitgenossen nicht ganz zufriedenstellend gewesen zu sein, denn der nächste Umbau (durch Johan Strumphler 1782) machte dies schon wieder rückgängig. Die Orgel der Schlosskirche Lahm, Itzgrund (Herbst 1728-32; Instrument des J.-S.-Bach-Schülers Johann Lorenz Bach) besitzt im Großpedal ebenfalls und bis heute eine Quint-Grosso 12' neben einem (offenen) Sub-Baß 16'.
Das Orgelkonzept des ominösen Abbé Vogler setzte zu Beginn des 19. Jahrhunderts konsequent auf das geschilderte Synthesekonzept ("Simplifikationssystem"), verschwand aber als Kuriosität innerhalb einer Generation aus dem Musikwesen.
Heute bedient man sich dieser Technik ausschließlich im Pedal, also in tiefen Lagen, in denen lange Einschwingzeiten 'an der Spielordnung' sind.
Übrigens: Der physikalisch nicht nachweisbare Schlagton der Glocken liegt neben der Prime, die man physikalisch auf dem Glockenkörper belegen kann. Nachdem insbesondere frühe Glockenformen Primen besitzen, die recht weit vom Schlagton entfernt liegen, dürften Residualerfahrungen auch in anderen Kulturkreisen vorliegen, also nicht zum erlernten, sondern zum Eigenschaftsbestand unseres Gehöres zählen.
Hans-Joachim
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Antwort#38
Nun aber eine praktische Frage.
Wenn ich eine Orgel mit einem derartigen akustischen 32'' aufnehme (was ich noch nicht getan habe), dann muesste ich mir doch eigentlich einen Rumpel-Hochpassfilter ohne allzuviel Stoerungswirkung genehmigen koennen?
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Antwort#39
Ich halte es sogar für sehr sinnvoll, bei Aufnahmenm Frequenzen unter 50 ... 60 Hz wegzuschneiden.
Die tiefste darstellbare Frequent in einem Raum wird durch die Raumdiagonale begrenzt auf Lambda/4. Aber erst bei etwa Lamda hat man man genügend eng beienander leigende Resonanzen, die eine Baßwiedergabe erst "musikalisch sinnvoll" macht.
Eine Raumdiagonale von ca. 7 Metern erscheint mir bei einem normalen Zimmern realistisch. nach den obigen Voraussetzungen eignet sich ein solcher Raum für die Wiedergabe von Frequenzen über 50 Hz.
Außerdem habe ich bei Kirchenproduktionen immer wieder festgestellt, daß die Aufnahme sauberer klingt und weniger "wummert", wenn der Subbaß gefiltert wird.
Hinzu kommen die Einschränkungen der Wiedergabelautsprecher. Von wenigen Systemen abgesehen, beginnt bei den meisten Lautsprechern der Baßabfall schon bei 100 Hz. Bei kleinen Zweiweglautsprechern, die eine Trennfrequenz von 3 - 4 kHz haben, wird die Mittellage wunderbar mit Tiefbaßfrequnzen moduliert, die selbst gar nicht mehr wiedergegeben werden. >:->
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Antwort#40
"Eine Raumdiagonale von ca. 7 Metern erscheint mir bei einem normalen Zimmern realistisch. nach den obigen Voraussetzungen eignet sich ein solcher Raum für die Wiedergabe von Frequenzen über 50 Hz."
Diese bekannte Erklärung ist trotzdem falsch, denn die satte Tieftonwiedergabe in räumlich viel kleineren Innenräumen von Autos zeigt, dass das Druckkammerprinzip noch viel tiefere Frequenzen hörbar werden zulässt.
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