Du kannst zwar theoretischerseits von einer Grundtonfrequenz ausgehen und ganzzahlige Vielfache betrachten.Davon kann ich nicht nur theoretisch ausgehen sondern durchaus auch praktisch. Es genügt dabei völlig sich ein Spektrum eines Instruments anzusehen. Es ist richtig, dass besonders Harmonische höherer Ordnung nicht mehr exakt ganzzahlige Vielfache sind. Das ändert aber letzlich nichts an der Sache. Ganz im Gegenteil werden diese Abweichungen in den wenigsten Fällen als gewollt akzeptiert. Sie sind im allgemeinen höchst unerwünscht.
Worauf ich hinauswill: Letztlich geht es um ein Aesthetik-Empfinden.
Ein Tonsystem gibt ja bloss "ungefaehr" vor, wie man zu einem "anzuhoerenden" Musikstueck kommen koennte.
Der "Wohlklang" entsteht nicht _wegen_ des Tonsystems. (Vielleicht mit Ausnahme eines temperiert gestimmten Klaviers...)
Nun heisst es, viele Effekte sind bloss neurologisch. Schoen, dann erwarte ich prinzipiell, dass sie bei unterschiedlichen auch Kulturen unterschiedlich ausfallen.
Was unterscheidet die Aufnahme eines tuerkischen Musikers bie tuerkischer Musik durch
Tut mir leid aber da bin ich vehement gegenteiliger Meinung. Weder Differenztöne (rein physiologische Ursache) noch Residualeffekt (neurologisch) hängen von der Ästhetik oder dem kulturellen Hintergrund ab. Ein Saite schwingt überall auf der Welt nach den selben physikalischen Gesetzen, und letztlich unabhängig davon in welches Instrument sie eingebaut ist. Und die Physiologie des Ohrs ist bei der Gattung Mensch nicht so unterschiedlich, dass sich völlig andere Differenztöne bilden können.
Auch hier ist die Intonation in der Praxis weit weg von der Theorie der reinen Stimmung!
Das Tonsystem definiert die möglichen Intervalle. Die Intonation innerhalb eines bestimmten, jetzt gerade gespielten Intervalls wird nur deshalb angepasst, damit sie eben gerade möglichst rein klingen soll.
EBEN GERADE NICHT: die temperierte Stimmung löst gerade keinen Wohlklang aus. In der temperierten Stimmung klingt jedes Intervall falsch (mt Ausnahme der Oktave)! Das weiss jeder Pianist und jeder Orchestermusiker. Ein Umstand der in der Musik zu vielen Unzulänglichkeiten führt und viele Kompromisse erfordert. Ein Streicher-Ensemble würde nie auf die Idee kommen temperiert zu spielen, weil es ganz einfach nicht gut klingt!
Mir erschliesst sich deine Logik nicht ganz. ???
a) einen deutschen Tontechniker
b) einen tuerkischen Tontechniker?
Die Frage ist sinnfrei. Man kann genau so gut fragen was die Aufnahme "deutscher Musik" unterscheidet wenn sie vom deutschen Tontechniker A oder vom deutschen Tontechniker B aufgenommen wurde. Es wird immer Unterschiede geben und diese hängen sicherlich immer auch von unterschiedlichen ästhetischen Aspekten ab. Das wesentlich stilistische und kulturell Element aber ist durch die Instrumente und das Tonsystem und die gespielten Intervalle gegeben und wird gerade nicht vom Tontechniker beeinflusst - und nein, ich möchte kein Auto-Tune einsetzen, wenn ich eine Sitar aufnehme ;-)
