Ich bin zwar ein Neumann- und Schoeps-Anwender, aber die Physik gilt genauso auch für alle anderen Hersteller. Wenn ich Dir einen guten Rat geben darf, kaufe Dir kleinmembranige Mikrofone, diese sind am universellsten zu verwenden, weil sie den geringsten Eigenklang aufweisen. Je klangneutraler ein Mikrofon ist, desto universeller ist es einsetzbar. Soundfärbereien - dazu gibt es genügend Gestaltungsmittel sowohl im Mischpult als auch als Effektgeräte oder Plug-Ins für Audiosoftware. Deshalb vergiß sowas wie "warmer Klang", was immer auch darunter verstanden sein soll. Was vom Mikrofon her schon an Eigenklang der Aufnahme mitgegeben wird, läßt sich im Nachhinein so gut wie nicht mehr rückgängig machen und man ist festgelegt. Über die physikalischen Eigenschaften von Klein- und Großmembranigen Mikrofonen haben wir hier im Forum in der Vergangenheit schon oft diskutiert (mal in der Suchmaschine nachforschen). Ein kleinmembraniges Mikrofon hat auch eine Richtcharakteristik die dem mathematischen Ideal näher kommt als bei einem großen und folglich ist es auch rückkopplungsärmer.
Moin Rainer... du schreibst: "Überhaupt wird das mit dieser Vintage-Technik auch irgendwann mal wieder aufhören, nämlich dann, wenn die Lagerbestände an Röhren zur Neige gegangen sind und der Kunde begriffen hat daß diese Technik eigentlich nur ein technologischer Rückschritt, bestenfalls aber Stillstand ist." Da musst du unterscheiden zwischen "echter" Vintage-Technik, also den "Oldtimern", deren Produktionsende schon lange zurückliegt und für die wirklich keine Ersatzteile mehr verfügbar sind - und der "neo-Vintage"-Schiene, also neu entwickelten und aktuell produzierten Röhrengeräten. Im ersteren Fall finde ich es natürlich einerseits gut, dass die Technik inzwischen weiter ist und man mit den Unzulänglichkeiten nicht mehr leben MUSS. Andererseits finde ich es jammerschade, wenn solche alten Schätzchen (und seien sie nur noch für bestimmte Effekte oder zu Liebhaberzwecken eingesetzt) irgendwann stillgelegt werden müssen, weil es partout keine Ersatzteile mehr gibt. Eine Rockabilly-Band z.B., die sich der authentischen Reproduktion der Musik verschrieben hat, was sie live in passenden Kostümen und mit Originalinstrumenten der Zeit tut, verwendet gerne auch ein echtes Bandecho, entsprechende Verstärker etc. - wohl wissend, dass es heute besser ginge. Es würde aber was fehlen, wenn man die Graetsch durch eine moderne Halbakustik ersetzte, das Delay digital produzierte und statt vier bei der Aufnahme -zig Spuren verwendete. Im zweiten Fall muss ich dich ohnehin enttäuschen: Die wenigen Standardröhren-Typen (EL34, 12AX7, 6L6 etc...), auf denen die neuen Sachen basieren, werden nach wie vor hergestellt, und daran wird sich auch so schnell nichts ändern, solange der Bedarf dafür da ist - und das ist er! Zum Glück, möchte ich beinahe sagen, denn so können zumindest populäre "Oldtimer" noch mit Ersatzteilen versorgt werden. BTW: Ich kenne deine Vorbehalte gegen die Röhrentechnik. Aber denke mal bei den Röhren nicht immer zuerst an die "Hifi-Gurus", die mit ihren Röhrenvollverstärkern den "wahren Musikgenuss" anstreben, sondern an jene, die sich die Dreckeffekte und Nichtlinearitäten einer Röhre gezielt zu nutze machen, um künstlerisch zu gestalten. Und nochwas: Würdest du den obigen Satz auch so schreiben, wenn es um "Schnürsenkel" ginge, statt um Röhren? Da gehen ja bald auch die Lagerbestände zur Neige, wie man weiter unten im Forum liest. Ich finde sowas immer schade. Nicht, weil ich die alte Technik "besser" finde, sondern weil ich a) eine gewisse Nostalgie empfinde (und sei es nicht zum "arbeiten" damit, sondern nur zum "spielen") und b) weil sie hie und da doch noch Vorteile (oder gezielt einsetzbare Nachteile!) bietet, die (noch) nicht mit der Nachfolgetechnologie zu kopieren sind. Die üppigen Aussteuerungsreserven einer Bandmaschine und die Kompression durch Bandsättigung kann man heute simulieren, aber dazu braucht man eine hohe digitale Auflösung, um am "low-end" nichts zu verlieren. Unterhalb 24bit braucht man IMHO mit solchen Spielchen gar nicht erst anzufangen... Insofern wäre mir es lieber, die Analogtechnik würde (wenn auch nur in einer Nische), noch ca. 10 Jahre länger überleben, bis die digitale Welt durchgängig(!) soweit entwickelt ist, dass sämtliche Annehmlichkeiten der analogen durchweg reproduzierbar sind, während man auf die Unannehmlichkeiten ja schon länger verzichten kann. Jens
Hallo Jens, mit meinen Betrachtungen über die Vintage-Technik spiele ich jetzt etwas auf die in den letzten Jahren gemachten Mikrofonentwicklungen der Firma Neumann an. Wenngleich ich diesen Hersteller auch sonst sehr schätze (habe ja selbst eine ganze Reihe Neumann-Mikrofone) und auch deren Entwickler (die ich persönlich sehr gut kenne) und die Produkte wie M149 und M147 etc. hervorragend gelungen sind, meine ich trotzdem, daß sie keinen direkten technischen Fortschritt darstellen im Gegensatz zu dem vom selben Hersteller entwickeltes digitales Mikrofon "Solution D". Röhrenverstärker: ich denke hier gar nicht mal so sehr an die Hifi-Gurus und ich habe nur deshalb Vorbehalte, weil diese Technik i.Grunde genommen veraltet ist und von ihrer Zuverlässigkeit der Halbleitertechnik unterlegen ist. Im ELA-Bereich ist mir dagegen ein Röhrenverstärker sogar lieber als ein Transistorverstärker weil er einfach servicefreundlicher ist. Wenn in einer Endstufe eine EL 34 oder EL 156 den Geist aufgibt, dann brauche ich beim Wechsel mir keine Sorgen zu machen. Bei Transistoren wird es weit komplizierter. Nicht nur daß der Wechsel nicht ohne Lötkolben abgeht, sondern ohne gepaarte Typen ist eine Gegentaktendstufe gar nicht möglich. Die geht sofort hoch. Daß die EL 34 auch heute noch produziert wird, weiß ich, aber micht mehr von deutschen Herstellern. Die Qualität der heute noch produzierten Röhren (egal welchen Typs) ist längst nicht mehr so gut wie seinerzeit die Qualität der Original Telefunken- oder Valvo-Röhren. Die Brennstundendauer ist wesentlich kürzer und die Toleranzen dürften auch größer sein. Lies mal in "onkel Frihus Röhrenforum" was darüber geschrieben wird. http://www.frihu.com
Bis dahin halte ich mal meine C460-C480 Sammlung und das KM140
^^^^^^^^^ ... die ich eben wegen der pseudosym. Ausgangsstufe (Widerstand gegen Masse in der "coldW-Leitung nie in Erwägung gezogen habe ... PS: Das SCHOEPS KFM6 hat dieses Problem allerdings auch, weshalb ich zumindest bei diesem Mikrofon auf eine kurze Mikrofonleitung achte und den Verstärker direkt an der Bühne habe. Aber bei Mehrkanalaufnahmen im Konzertmitschnitt ist es nicht immer möglich oder praktikabel, das Verstärkerrack an die Bühne zu stellen.
... Röhrentechnik: ... sich die Dreckeffekte und Nichtlinearitäten einer Röhre gezielt zu nutze machen, um künstlerisch zu gestalten
Schon denkwürdig, diese Hysterie um Röhrengeräte ... Die Entwickler der V7x-Serie hatten sich bemüht, in ihren Entwicklungen die damals gegebenen Grenzen auszuschöpfen, um lineare Verstärker zu konstruieren. Heute sitzen da Ingenieure (?), die mit dieser alten Technik Schmutzeffekte zur Klanggestaltung zu erzeugen. Ich stelle mir nur die Frage: Hätten die Ingenieure damals heutige Geräte gebaut, wären die nicht im hohne Bogen bei TAB oder Telefunken geflogen?
für die damalige Röhrentechnik der V7xx-Serie gab es ebenso schon die IRT-Pflichtenhefte wie heute und auch die damalige Rundfunktechnik wurde so entwickelt daß die Grenzen des physikalisch möglichen erreicht wurden. Die Ingenieure damals hätten - hätten sie die heutige Technik gehabt - genauso sorgfältig entwickelt wie heute. Jens meint hier etwas anderes: Er meint vor allem die Technik die bei diversen Musikproduktionen benutzt wurde, in erster Linie Leistungsverstärker mit Röhrenendstufen.
Ich verglich nur jene (alten) Ingenieure, die sich an Pflichtenheften orientierten, und mit damaliger Technik (=Röhre) lineare Schaltungen bauten mit heutigen, die mit damaliger Technik "bewußt unlineare Schaltungen" bauen ... Bei einigen heutigen Geräten habe allerdings den Eindruck, daß deren Entwickler nur noch die Kochbücher bzw. Applikationshinweise der Chip-Hersteller lesen und kopieren. Ich kann mich nicht des Eindrucks verwehren, daß die "alten" Ingeieure manchmal doch mehr drauf hatten ...
Hallo, das ist bei meinen beiden nicht so, villeicht Glück gehabt. Aber es geht doch darum, er sucht preiswerte Mikros. Klar sollte er sich besser zwei Schöps holen. Aber die Mikros sollten nun mal nicht viel kosten und ich kenne keine besseren billig Kleinmembran Mikros als die B-5. Gruß Stefan