hallo christopher
ich weiss kaum, wo ich hier beginnen soll. vielleicht erst einmal ein paar worte zu mir selbst. ich arbeite seit 18 jahren in der audiobranche, habe seitdem in 10 verschiedenen laendern gelebt, (auch 3. welt) und bin deswegen in der luxurioesen lage, laengerfristige entwicklungen in unsere branche sowie einige auswirkungen der globalisierung selbst beurteilen zu koennen. man kann mir viel vorwerfen, aber sicher nicht 'naivitaet'.
ich heisse bestimmt nicht alles gut, was in dieser welt vor sich geht, aber man kann die globalisierung nicht fuer alles verantwortlich machen. hunger, elend und kriege hat es schon immer gegeben, und alternative, schluessige rezepte sind extreme mangelware. wir muessen uns den realitaeten stellen, die globalisierung ist ein fakt. der ursprung liegt in der proftgier des menschen, und die ist bekanntermassen fuer viel gutes, aber auch schlechtes verantwortlich. sich die gute alt zeit zurueckzuwuenschen hilft niemandem.
zu unserem eigentlichen thema:
du sagst, den zuvor genannten audio firmen ging es bis mitte der neunziger gut. das ist sicher richtig, aber es ist doch erstaunlich, dass sie alle mehr oder weniger den selben weg eingeschlagen haben. verbreiterung der produktpalette mit verwaltung und forschung zu hause und der produktion in billiglohnlaendern. digidesign kann man da nicht ausschliessen, viele teile der ICON kommen aus dem reich der mitte. softwarehersteller sind ebenfalls einzuschliessen, sie lassen viel in indien programmieren.
ich finde es sehr erstaunlich, dass du gerade behringer als beispiel heranziehst, wo doch ein blick auf deren website genuegt, um festzustellen, dass die ihren bedarf an mitarbeitern nicht stillen koennen. (
http://www.behringer.com/03_behringer/jobs.cfm?lang=ger ) hier kann man auch sehen, wo die jobs entstehen, fast alle in deutschland. in willch arbeiten ueber 200 leute, und sicher nicht als telefonisten.
du schreibst weiter: " Wie naiv bist Du eigentlich (kopfschüttel)?? Es sind nicht die "armen Länder" die Profitieren, sondern es sind die "armen Länder", die weiter Ausgebeutet werden. Die satten Gewinne wandern ab. Die Hungerlöhne, die da bezahlt werden sind ein einziger Skandal!"
wie oben schon erwaehnt, heisse ich bestimmt nich alles gut, was der kapitalismus an auswuechsen so mit sich bringt. aber man muss mal in unsere eigene europaeische geschichte schauen, um zu erkennen, dass auch bei uns am anfang der industriellen revolution kinderarbeit und ausbeutung standen. ueber die jahrzehnte haben wir es geschafft, daraus eine wohlstandsgesellschaft zu formen. ohne diesem kapitalismus waeren wir noch im mittelalter. nun obliegt es den chinesen und anderen billiglohnlaendern, ein soziales netzwerk aufzubauen, das geht nicht ohne kapital. die tigerstaaten haben das bereits hinter sich.
bedauerlicherweise sterben taeglich ca. 30.000 kinder (uebrigens auch schon vor der globalisierung) aber sicher nicht in china oder den laendern, die uns jetzt den status streitig machen. die sogenannten 'hungerloehne' relativieren sich uebrigens durch die geringen lebenshaltungskosten in solchen laendern. den leuten geht es in der regel besser als zuvor.
auf meine anmerkung, dass man mit deutschen produkten alleine seinen job als tontechniker nicht mehr ausueben kann, schreibst du folgendes: " Vollkommen Unsinnig: Anstatt die Entwicklung zu beklagen kommst Du hier mit einer vagen und z.T. falschen Beschreibung der Situation. Früher ging das auch ohne Fernost-Produkte (auch Compis kamen mal aus Deutschland, USA und Japan!)"
wo faengt denn in deinen augen die globalisierung an? produkte aus den usa sind akzeptabel und japan ist nicht fernost? es drangt sich der verdacht auf, das besitzerhalt der alten welt die motivation fuer die antiglobalisierungs bewegung ist. damit hilft man erst recht keinen sterbenden kindern !
weiter im text: ich schrieb: "wir sind mitten drin in der globalisierung, wir nehmen die vorteile gelassen hin" deine antwort: 'Was heißt "wir" - zunächst ja wohl DU!'
nun, wir kommunizieren hier ueber eines der hauptmedien der globalisierung - das internet, verwenden asiatische computer und amerikanische software. nicht nur ich......!
ich sehe die globalisierung nicht als allheilmittel, aber sie schafft chancen fuer die dritte welt, den lebensstandart zu erhoehen und tiefe soziale graeben anzugleichen. ob sie es schaffen, und ob wir sie lassen, steht auf einem anderen blatt. zudem senkt eine komplexe, internationale witschaftliche abhaengigkeit deutlich die angriffslust einiger kandidaten (ein blick ins deutsche geschichtsbuch hilft, die gefahren der autarkie zu erkennen)
man muss ja die produkte der dritten welt nicht kaufen, das angebot hat sich eben verbeitert, und wer es sich leisten kann, kauft neumann & co. aber der erfolg der asiatischen billigangebote spricht eine andere sprache. man nimmt die guenstigen einstiegsvarianten gerne an, viele kaufen spaeter teure qualitaetsware made in germany. insofern erfuellen die importe aus china einen zweck, sie senken die einstiegshuerde und verbeitern die kundenbasis.
aufhalten laesst sich die entwicklung ohnehin nicht, und eswegen kann ich nur wiederholen, dass bildung und forschung fuer uns der einzige weg ist, vorn zu bleiben.
MFG, Rudi