Kannst du dir einen fertigen Musiker vorstellen, der den Orgel-C-Schein hat,
aber keine Anstellung in der Kirche als Berufs-Organist findet?
Ich kenne einen, der ein genialer Musiker ist - als Organist, Pianist und Liedbegleiter.
Letztlich hat er es auf Grund seiner "Mentalität" nur zum Provinzorganisten geschafft.
Wäre er mit seiner Anstellung und den kleinen Mucken nicht so ausgelastet, ich würde
sofort mit ihm zusammenarbeiten wollen und ihm dabei durchaus auch musikalische
(Mit-)Verantwortung übertragen - zumal er obendrein zu denen gehört, die sich gerne
die Anregungen anderer anhören, um seine eigene Auffassung zu überdenken.
Vor allem bei Kirchenmusikern sollte man vorsichtig sein, einige dieser Jungs (und
inzwischen auch Mädels) sind richtig fit: Transponieren vom Blatt, in Gehörbildung
kaum zu übertreffen.
Ich gebe Euch in Bezug auf jene gerne recht, die merken, daß sie weder Fähigkeiten noch
Format zum Künstler haben und überlegen, was aus dem Leben noch werden kann. Als
Instrumentalpädagoge mit unmotivierten Kindern? Taxifahrer, Alleinunterhalter als Barpianist
(diese Jobs wurden auch schon abgebaut und Selbstspielerklaviere ersetzt)?
Tonmeister ist doch auch nett, man kommt durch die Welt - womit sogar der Traum des
Instrumentalisten- oder gar Solistendasein erfüllt wäre ...
Aber ein Aspekt, der Euch wirklich recht geben könnte:
Für eine anstehende Kammermusikproduktion mit Zeitgenössischen Werken habe ich einen
Cellisten, den ich für genial halte und der sehr viel dieser Musik macht, gebeten, mir bei der
Produktion zu helfen. Er hat abgelehnt mit dem Hinweis, er sei "nur" Cellist und könne
diese Aufgabe nicht erfüllen.