Wenn du Stereoaufnahmen meinst, dann gibt es Hinweise zur Verzögerung von Raumsignalen. Man wird dabei wenn möglich *nicht* unter 20 ms gehen. Dazu schaue dir zur Einstimmung Griesingers Predelays bei den Lexicon-Hallprogrammen an, die in dem Blatt unten im Link: "Frühe Reflexionen unter 15 ms sind bei Stereo-Aufnahmen unerwünscht" zu finden sind.
Weiter gibt es hier lesenswerte gute Gedanken, die auf interessante Sengpiel-Blätter verweisen:
http://toonorama.com/encyclopedia/R/Raumschall/Ein Tontechniker hat als Faustformel immer im Kopf: "Die Laufzeit von 3 ms entsprechen einem Meter."
3 mal 7 ist 21. Also haben meine Raummikrofone bei einer Stereoaufnahme keine geringere Entfernung als 7 Meter entfernt vom "Hauptmikrofon" (nicht von der Schallquelle).
Raummikrofone werden nur dann aufgestellt, wenn der Raumklag es wert ist, aufgenommen zu werden. Jeglicher muffig, also schlecht-klingende Raumschall wird nicht mikrofoniert.
Nachdem die Entfernung der Raummikrofone geklärt ist, gibt es gleich eine weitere Frage: Wie weit stellt man denn seine Raummikrofone auseinander?
Auch dazu findet man viele unterschiedliche Angaben von Koinzidenzmikrofon, ORTF im Kopfabstand, bis hin zu so weit wie möglich auseinanderstellen.
Und dann die Frage welche Richtcharakteristik sollten denn die Raummikrofone haben? Da gibt es die Angaben: Nieren, Hypernieren, Kugeln, Achter in Blumleinstellung oder gar die Meinung: "nimm einen Kunstkopf" und lasse das Ding unbedingt nach hinten schauen, also weg vom Direktsignal.
Ich würde Mikrofone mit Kugelcharakteristik nehmen und die nach oben in Richtung der Decke zeigen lassen, also nicht weg vom Direktschall! Schönen Gruß an ebs!
Nun zum Abstand der Mikrofone voneinander. Bei guten umhüllend wirkenden Raumsignalen ist die "Dekorrelation" von tiefen Frequenzen von Bedeutung.
Wenn man sich vielleicht 100 Hz als tiefste Frequenz vorstellt, die 180°-Gegenphase haben sollte, dann kann man diese Mindest-Mikrofonbasis errechnen.
Gehe zu:
Welche Mikrofonbasis brauchen Raum-Mikrofone?
http://www.sengpielaudio.com/WelcheMikrofonbasisRaummikros1.pdfhttp://www.sengpielaudio.com/WelcheMikrofonbasisRaummikros2.pdfIch betone noch einmal: hier geht es um Stereoaufnahmen. Zum Surround-Sound gibt es deutlich andere Raumsignal-Umhüllungs-Gedanken.
Bei der weiteren Frage: Wie hoch muss der Zumischpegel der Raumsignale sein, kann ich dir nicht helfen: Soviel wie gerade notwendig.
Angst vor Kammfiltern brauchst du beim Zumischen nicht zu haben. Die ganze Räumlichkeitswelt ist dicht gefüllt mit Kammfiltern. :-)
Was du aber auch im Kopf haben solltest: Die Raumsignale dürfen fröhlich entzerrt werden. Oft ist ein kräftiges Wegnehmen der hohen Frequenzen dabei recht klanggünstig. Ein Anheben der tiefen Frequenzen kann manchmal Wunder wirken. Hier ist eine große Spielwiese.
Hoffentlich kommen jetzt hier im Forum viele interessante Gegenmeinungen, denn alles hängt besonders von der Musikart, der Zeit und dem Klangwunsch ab. Von letzteren wurde leider hier noch gar nicht gesprochen.
Dann gibt es noch eine provokatorische Frage zum Betreff: Wie diffus muss überhaupt der Diffusschall sein? Muss er wirklich so diffus sein, wie die Theoretiker stets dozieren?
Viele Tontechniker haben noch viel mehr Meinungen. Her damit.
Gruß
Ian
Frühe Reflexionen unter 15 ms sind bei Stereo-Aufnahmen unerwünscht