China-Mikrofone - mal ein paar Punkte zum nachdenken...

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Antwort#61
""Anne-Sophie Mutter bemerkte in einem Interview dass ihr Angst wird um die Zukunft der klassischen Musik in Deutschland. Durch das ständige Sparen bei der musikalischen Bildung wird die nächste Hörergeneration wegbrechen. Und die "Musikanten" werden nur noch aus einer "Elite" rekrutiert werden können. Tausende unentdeckte Talente könnten die Folge sein.""
Das ist genau die Tendenz, die in allen Musikrichtungen seit langem Vorherrscht.
Warum soll die Klassik davon nicht betroffen sein?
Das bedauerliche ist daran, das viele "Klassiker" tatsächlich die Arroganz besitzen, Ihre Musikrichtung als der Krone der Kunst zu halten - siehe der
erzwungende Zusammenhang "Gehörbildung" & "Klassik".
Klassische Musik ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten und Bedarf keinerlei Neuinterpretationen, mangels Interesse bedarf sie - leider - auch kaum noch irgendwelcher Aufführungen.
Kurz: Die klassische Musik ist höchst subventioniert und zugleich überbewertet.
Das hat oft nichts mehr mir Kunst zu tun, schon eher mit Unterhaltungsmusik.
Das die Industrie dies seit Jahren mit erbarmungslosem Ausverkauf ala "Best of Classixx" noch forciert hoffentlich nicht nur dem Insider bekannt.
Subventionen für klassischer Musik aus einem falsch Verstandenen Begriff der
"Kulturförderung" ist auch ein Grund, warum wir ein Volk von Kulturbanausen geworden sind. Förderung der Jugendkultur und der zeitgenössischen Musik wäre ein viel wichtigeres gesellschaftspolitisches/kulturelles Ziel.
Frau Mutter sollte sich mal ihrer kulturellen Verantwortung unter DIESEN Fakten
bewußt werden und nicht nur ihrer eigenen Klientel Geld in die Töpfe jammern.
Die Wert-Trennung der E / U - Musik ist ein trauriges Beispiel für eine Politik der Kulturbanausen. Auch wenn J.-S-Bach der größte und prägenste Musiker der Weltgeschichte war.
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Antwort#62
Hallo,
ja diese Arroganz beobachte ich schon auch. Das Zitat der "Mutter" sollte auch nur als Bespiel dienen. Letztendlich geht es auch darum gute Musiker zu schulen, denen eben auch der Wert einer klanglich und interpretatorisch hochklasigen Aufnahme bewusst ist. Ganz gleich ob Jazz, Klassik oder 'echte' Volksmusik. Ohne "Handwerk" gehts halt nicht.
Servus
Reiner
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Antwort#63
Völlig einseitig und "anstrengend" ist deine Sicht mit verbohrter Meinung.
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Antwort#64
Die musikalische Bildung kommt allgemein zu kurz.
Und die "Musikanten" werden nur noch aus einer "Elite" rekrutiert werden können.
Bildung und Werte zu vermitteln ist meines Erachtens eine Sache, die nur das Elternhaus
leisten kann. Wo die Eltern lesen und das Zweitbuch eben nicht das Telefonbuch ist, wird
es auch für die Kinder zur Selbstverständlichkeit, sich ein Buch zu nehmen.
Dasselbe gilt für das Musizieren. Wo "Hausmusik" praktiziert wird und die Kinder erleben,
daß für das gemeinsame Musizieren auch geübt werden muß, entwickelt der Nachwuchs -
eine gewisse Begabung vorausgesetzt - ebenfalls Ehrgeiz.
Dazu kommt der Energieeinsatz, den Nachwuchs zu motivieren und bei der Stange zu halten.
Dort, wo die Eltern die Familienfreizeit im Fernsehsessel verbringen und der Höhepunkt des
(Kultur-)Lebens ein Ausflug zu McDonalds ist, daß man sich nicht über "Kulturverfall" beschweren.
Zugegeben, Kindern "Kultur" zu vermitteln, ist eine verdammt teuere Angelegenheit. Nicht
nur Instrumentalunterricht und Wartung von Instrumenten erfordern hohe finanzielle Mittel,
auch Bücher, Museums- oder Zoobesuche und Ausflüge gehen ins Geld ...
Ich sehe für die Zukunft eh die Aufspaltung in eine "Zweiklassengesellschaft". Dies nicht nur im
wirtschaftlichen Sinne, sondern vor allem, was Bildung und vermittelte Fähigkeiten anbelangt.
Zu den Musikanten: Halten wir uns vor Augen, daß die Musikhochschule Rheinland etwa 2.000
Studenten hat, die im Schnitt 10 Semester studieren. Das sind im Jahr 400 Abgänger, von denen
vielleicht 1/3 das Konzertexamen hat. Die allein reichen, die gesamte Bundesrepublik zu beschallen.
Wovon sollen die anderen tausend unentdeckten Talente nach der werten Meinung von Frau Mutter
leben? Die wollen alle nach dem Musikstudium an die Töpfe unserer Geigerin.
Den Tontechnikern und den "Selbsternannten" mag es recht sein, stiege doch der Bedarf an billigen
Demo-Produktionen, denn für teuere Produktionen hat diese Klientel kaum die nötigen Mittel.
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Antwort#65
Hallo,
klar spielt das Elternhaus eine gehörige Rolle, keine Frage. Also bewegen wir uns in einem Raum der die gesamte Gesellschaft betrifft.
Natürlich wärst du mit den Abgängern eines Jahrganges im Stande "die Bundesrepublik zu beschallen". Nicht jeder wird diesen Weg weiterverfolgen. Aber vielleicht als Lehrer an einer Musikschule tätig sein, Traditionen weiter zu tragen versuchen, neue Impulse setzen, eben die Gesellschaft bereichern.
Servus
Reiner


Ein positives Beispiel
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Antwort#66
Sehe ich nicht so!
Als Nichtklassiker der bis auf einmalige 500DM (Gesamtkosten damals 1500DM) zur Renovierung unseres Proberaums nie irgendeine öffentliche Förderung gesehen hat, noch sie bei anderen U-Musikern gesehen hat, sehe ich einseitige Förderung von Klassikern (d.h. sog. "E-Musikern") nicht ein.
Das ist eine Art Instrumentalrassismus:
Violine, Cello == gut, Gitarre, Schlagzeug == schlecht.
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Antwort#67
Aber vielleicht als Lehrer an einer Musikschule tätig sein,
Weißt Du, wieviele Musiker von einer Stelle als Musiklehrer träumen, und sei es nur als Honorarkraft?
Die Ausbildung zum Instrumentallehrer ist eine andere als die zum Konzertexamen und ein eigener Zweig
an den MuHos - Instrumentalpädagogik. Die mögen das zweite Drittel der MuHo-Absolventen stellen.
Bleiben wir realistisch - der Bedarf an musikalisch ausgebildeten ist mehr als gesättigt.
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Antwort#68
In der Tat. Das heisst aber nicht, daß wir zuviele Musiklehrer hätten, sondern (und da sind wir schon ein wenig bei dem was Rainer G. anfangs sagte) daß es zuwenige Bildungswillige gibt. Ein anderer Punkt ist, daß viele nicht das Geld haben, ihren Sprösslingen einen MuUntericht angedeihen zu lasssen, obwohl die Tarife so hoch nicht sind: So mancher quaelt sich 45-50h / Wo ab, bevor er seinen Lebensunterhalt für die Woche verdient hat.
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Antwort#69
jetzt denkt mal nicht so einseitig! es geht nicht um klassik, oder pop- es geht aber sehr wohl (als grundlage der kultur) um musik auf natürlicher basis!!!!!!! und das heißt UNVERSTÄRKT...
ja, es gibt wunderbare musik als kunst-da ist das egal ob pop, jazz verstärkt sinfonie, völlig wurst.
aber grundlage jeder musikkultur muß das singen-das unverstärkte singen, eine gesunde stimmBILDUNG und liedkultur sein!
klassik im gesunden maß (ihr habrt natürlich recht- anne sophie mutter hochklassik ist manchmal da auch zuviel des guten) ist da einfach näher dran!
nix gegen gitarre und schlagzeug, aber die zarten gefühle, die in dieser gesellschaft eh schon zu kurz kommen, das miteinander kommunikative musizieren, das aufeinander hören (!!!!!!!!) - das wird beim gemeinsamen singen, oder beim spiel mit unverstärkten instrumenten mehr gefördert.
schlagzeuger und gitarre sind meistens in ihrem anfangsstadium (!!!) darauf bedacht endlich mal ihrem ego luft nachgen zu können! ich weiß, das ändert sich dann, wenn die leuts professionell werden, oder ihr ego genug dargestellt haben. ich kenne sehr sensible gitarristen und drummer!
trotzdem: auch diese "sensiblen" drummer und gitarristen verfügen nicht wirklich über das gleiche musikalische "aufeinanderhörknowhow" wie z.b. jemand der flöte gelernt hat. die kunst der intonation, tonbildung, das "ringen" um wohltönenden klang- das wird durch "akustische instrumente" einfach mehr gefordert und damit mehr gefördert!
das rein künstlerisch gesehen, da mit 2eierlei maß gemessen wird, ist etwas anderes. aber rein von der qualität der sinnlichen wahrnehmung hat ein instrument wie violine einfach mal das schwierigere und damit höhere niveau (im sinne einer kulturbildung).
und damit ist inbegriffen, daß ich damit auch eben sowas wie afrikanische harfe meine-falls jemand mir afrikanische trommelkultur als gegenbeispiel nennen will.
trommeln ist tanzkultur. das ist etwas anderes (gleichwohl nötig und auch nicht untergeordnet).
gitarre als simplifiziertes (!) quasi "abgerüstetes" instrument- oud, sitar oder vina als vollkommene dagegen gestellt) ist eben einen tick drunter. alein durch die festenn bünde, die feinheiten der intonationen nicht zulassen und damit wesentliche melodale qualitäten nicht berücksichtigen.
und: stimmkultur als höchstes: wer will abstreiten, daß die klassische stimmbildung und gesangstechnik eine absolute kulturleistung höchstem niveau ist, die differenziertheit des gefühlsmäßigen ausdrucks erst möglich macht?
so wie ein neumann schon von den parametern betrachtet, irgendwelchen färbenden chinateilen überlegen ist- so auch eine gut ausgebildete und entwickelte stimme gegenüber einer pop-gesangskultur, die nicht auf natürlich entwickelten stimmen beruht!
man muß sich einfach klar machen, daß diese, die popkultur nur durch maschineneinsatz (verstärkung) überhaupt möglich ist! früher hätte man solche stimmen schlichtweg einfach nicht gehört.
na gut, ich hör auf- die debatte ist so nicht lösbar und nicht in 3 sätzen ausdikutierbar. fakt ist daß gerade ein ganzes abendland seine lieder verliert, seine geschichten (märchen) und bald auch noch seine stimme- aufgelöst in multimedialen mtv-spots. sicher: jeder der überhaupt zur gitarre oder dem schlagzeug greift ist hier schon eigentlich hoch zu loben!
lg matthias
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Antwort#70
Neumann und Schoeps waren wohl nicht gemeint. Aber was ist mit anderen Marken?
Gibt es Hersteller, von den bekannt ist, daß sie (einige) ihrer Kapseln nicht selber herstellen?
Die an anderer Stelle im topic angesprochene MBHO liefert ja (laut Aussage aus früheren Beiträgen) Kapseln für Brauner und was weiss ich noch für wen. Zudem errinnere ich mich an hier im Forum beworbene "Polenmikros", die angeblich auch mit Haun-Kapseln arbeiten. Das System isrt also bekannt. Wenn nun besagte Hersteller nicht nur auf Haunkapseln zurückgreifen sondern auch noch anderswo sich bedienen, wer weiss das schon ?
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Antwort#71
auch die vielen ausrufezeichen in deinem text, täuschen nicht darüber hinweg, dass du einfach käse verzapfst. leute wie du tragen wenig zu den hehren zielen bei, die sie propagieren. im gegenteil dividieren sie die gilde der musiker auseinander und sind somit trotz ihrem unübersehbaren eifer und dem vielleicht auch vorhandenen guten willen der sache letzlich wenig dienlich..
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Antwort#72
Hallo matthias,
du erkennst, was hier für käse-Poster sitzen.
Da kann man nichts machen.
Ich habe deinen Beitrag verstanden.
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Antwort#73
jetzt denkt mal nicht so einseitig!
aber grundlage jeder musikkultur muß das singen-das unverstärkte
singen, eine gesunde stimmBILDUNG und liedkultur sein!
das miteinander kommunikative musizieren, das aufeinander hören
die kunst der intonation, tonbildung, das "ringen" um wohltönenden klang-
das wird durch "akustische instrumente" einfach mehr gefordert
gitarre als simplifiziertes (!) quasi "abgerüstetes" instrument- oud, sitar
oder vina als vollkommene dagegen gestellt) ist eben einen tick drunter.
alein durch die festenn bünde
aber die zarten gefühle
Du denkst einseitig, um präziser zu sein: Mit begrenztem Horizont.
Das wußten schon Adolf Hitler, Joseph Goebbels und einige weitere Demagogen und ließen die Massen das passende Liedgut singen/johlen ...
Auch in der Kirche gilt: Dinge, die so unsinnig oder unglaublich sind, daß das gesprochene Wort sie nicht vermitteln kann, ohne lächerlich und unglaubwürdig zu werden, läßt man die Schäfchen der Gemeinde singen.
ist im improvisierten Jazz wesentlich wichtiger als in der Klassik, wo jeder seine Stimme brav geübt hat. Egal, ob verstärkt oder nicht.
Laß sich einige Jazz-Musiker zufällig treffen - die können sofort miteinander ohne Noten öffentlich spielen, auch wenn sie sich bisher nicht kannten. Bei "Klassikern" wird denn wenigstens eine Durchlaufprobe verlangt.
Ich lach mich schlapp - Du glaubst nicht, wieviele schlechte Musiker ich schon kennen gelernt habe, die mit gar nichts gerungen haben außer um höhere Gagen für mittelmäßige Mucken - gerade bei Klassikern.
Du scheinst zu vergessen, daß es auch die "klassische Gitarre" mit entsprechender Literatur gibt: Albeniz, Rodrigo, de Falla, ....
Wie schwer dieses Instrument zu beherrschen ist, siehst Du an vielen - letztlich mißglückten - Versuchen, Werke auf das Instrument zu übertragen.
Schmeißen wir direkt auch das Klavier weg - da sind 88 Töne festgelegt in ihrer temperierten Stimmung. Intonation - gar im Zusammenspiel mit einer Geige, die so wunderbar rein intonieren kann - können wir auf dem Klavier vergessen. Letztlich ist das eh nur ein überzüchteter Klapperkasten, wo man auf ein Knöpfchen drückt, dann rappelt da was und zum Schluß macht's "BOOIINNNNNGGGG".
Wo bitte sind z.B. in Schönbergs "Bericht eines Überlebenden aus dem Warschauer Ghetto" zarte Gefühle? Oder in "Pirrot Lunaire", wo "in seinem Kopfe steckt wie ein Nagel die dürre Dirne mit langem Halse" (gemeint ist der Galgen).
Selbst in Moussorgskys "Lieder und Tänze des Todes" ist jeder Anklang an "zarte Gefühle" beißende Ironie, harter Sarkasmus und Einlullung der Opfer.
Im Trepak schleicht sich der Tod hinterh#ältig an den betrunkenen Bauern auf seinem Heimweg durch die Winterlandschaft an. Das Ende scheint völlig verklärt, man muß wissen, daß der Erfrierungstod mit Haluzinationen won Wärme und Wohligkeit verbunden ist.
Wer aus dem Ständchen eine Serenade macht, hat das Stück nicht verstanden - es ist der Freudentanz des Todes ob des Mädchens, das er als erwartete Beute mitnehmen wird:
"zart ist Dein Leib. Wie berückt mich sein Beben.
Schließ fest und fester Dich ein in meine Arme.
-
(ff:) Oh Glück, Du bist MEIN!"
Im Wiegenlied keine Spur von "Zartheit", sondern nur Entsetzen der Mutter.
Krönender Abschluß des Zyklus der "Feldherr", der stolz über das Schlachtfeld reitet und sich seine Ausbeute anschaut.
Zu beachten ist, daß der russische Text an einigen Stellen wesentlich menschenverachtender ist als die bekannte deutsche Fassung.
Dieser Beispiele aus dem Kunstlied lassen sich noch anfügen, egal, ob Schubert, Mahler, Schostakovitsch usw.
Apropos Schostakowitsch - ein Zitat über (seine) Musik:
Die jüdische Volksmusik machte auf mich einen äußerst tiefen Eindruck ... Sie kann glücklich scheinen, während sie in Wirklichkeit tragisch ist. Diese Eigenschaft der jüdischen Volksmusik nähert sich meiner eigenen Vorstellung davon, wie Musik sein sollte. Es muß immer zwei Schichten in der Musik geben. Juden wurden so lange gequält, daß sie schließlich lernten, ihre Verzweiflung zu verstecken. Sie drücken Verzweiflung selbst in tanzmusik aus. Ich dachte, ... daß ich über das Los der Juden erzählen könnte. Es schien wichtig, da ich überall um mich her den Antisemitismus wachsen sah.
Viele meiner früheren Werke spiegelten meine Eindrücke von der jüdischen Musik wider. Dies ist nicht nur eine Frage der Musik, es ist auch eine moralische Frage. Oft bewerte ich einen Menschen nach seiner Einstellung zu den Juden. Später kündigte ich selbst guten Freunden die Freundschaft, sobald ich sah, daß sie eine Neigung zum Antisemitismus hatten.
Bei Deiner romantisch verklärten Einstellung - wie stehst Du zu Musik des 20. Jahrhunderts wie der von Cage, Schönberg, Antheill, Berio ... ?
Davon hat vieles nichts mehr gemein mit dem von Dir geforderten "Wohlklnges".
Mit Deiner Einstellung negierst Du einige Aspekte kultureller Weiterentwicklung!
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Antwort#74
Auch in der Kirche gilt: Dinge, die so unsinnig oder unglaublich sind, daß das gesprochene Wort sie nicht vermitteln kann, ohne lächerlich und unglaubwürdig zu werden, läßt man die Schäfchen der Gemeinde singen.
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Dummes Gerede!
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Antwort#75
und: stimmkultur als höchstes: wer will abstreiten, daß die klassische
stimmbildung und gesangstechnik eine absolute kulturleistung höchstem niveau
ist, die differenziertheit des gefühlsmäßigen ausdrucks erst möglich macht?
Romantisches Gefasel!
Bei vielen heiligen Kühen des (Opern)Gesangs fehlt jedes Einfühlungsvermögen in die gesungenen Texte. Bei manchen möchte man eher schreiend davon laufen als die Onanie des dargebotenen "Kunstgesangs" weiter zu ertragen.
Diese Stimmen wurden darauf gedrillt, laut zu sein und über jeden Orchestergraben zu tönen. Derweil gibt es von diesen Leuten herrliche Fehlinterpretationen.
Ich glaube eher, daß viele Hörer Manierismus mit emotionalem Vortrag verwechseln. Z.B. Christa Ludwig und Elly Ameling, deren Gesangsvortrag mich wirklich berührt, gehören zu jenen wenigen Sängern, die Inhalte deshalb transportieren, weil sie auf alles Gekünstelte verzichten. Übrigens lohnt es sich auch die "alten Leute" der Generation von Bejamin Gigli anzuhören ...
Als weiteres Gegenbeispiel zu den zum "Wohlklang gedrillten Stimmen" sei Cathy Berbarian erwähnt - eine geniale Künstlerin, die weit entfernt war von einer "Belcanto-Stimme". Die Chansons de Bilitis konnte sie wirklich nicht singen, doch ihre Eigenkomposition "Stripsody" trägt sie mit Verve und Witz vor. Und Kurt Weills Surabaya Johnny wird von KEINEM besser interpretiert als von der Berbarian. Ein Wechselbad der Emotionen: von dem in Hörigkeit Hingezogensein und zerzweifelter Wut gegenüber diesem "Hund" liefert sie die gan´ze Palette menschlicher Emotionen. Der Zuhörer mag von einem solchen Wechselbad erschlagen sein, wieviel Kraft Cathy in diese Interpretation gesteckt hat, mag man nicht zu ermessen!
Bevor Du auf die Idee kommst, meine Einwände abzutun - ich weiß durchaus, wovon ich rede. Ich spiele - als "Hobby" - selber Klavier und Liedbegleitung ist mein Steckenpferd.
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Antwort#76
Hallo Matthias!
Anders als Juppy, der ja hier trotz seines immensen "E-Musik"-Hintergrundes sehr
(zu) scharf mit Dir ins Gericht geht, verstehe ich Teile Deiner Ausführungen durchaus auch im positiven Sinne.
Allerdings sind andere Teile doch etwas haltlos: Instrumente sind nicht deswegen
leichter oder "zweiter Klasse", weil man sie nicht Intonieren müßte.
Da sind die Beispiele Piano, Harfe oder Gitarre sehr vielsagend. Übrigens bist Du mit der Gitarre klar auf dem Holzweg, intonieren muß man auch eine Gitarre können, auch wenn das leichter fällt als bei einer Violine, aber um die Gehörbildung kommt man nicht drumherum.
Deine Aussagen zu "leiser" Musik habe ich schon verstanden und da stimme ich Dir teilweise zu, wie auch zum Thema "Kunst des Zuhörens", obwohl ja schon richtig angemerkt wurde, das improvisierende Musiker und nicht Klassiker da sicher Vorteile haben.
MIR ging es aber auch gar nicht um die Bewertung von einzelnen Instrumenten,
die Vollendet alle ähnlich schwer zu meistern sind (lassen wir Ukulele mal außen vor ;-) sondern um die Bewertung/Bezahlung von Kultur in den Schubladen "Ernst" & "Unterhaltung" mit all ihren negativen Aspekten. Auch sehe ich die Aufnahme von Klassischer Musik mitnichten als "Königsklasse", auch wenn damit NOCH die überproportional ausgebildedsten Tonleute beschäftigt sind.
Was ich noch anmerken möchte: Schön, daß hier ENDLICH mal über Musik diskutiert wird...
Gruß,
Christopher
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Antwort#77
Hallo Juppy,
erstaunlich groß Dein Wissen über Musik. Wie ich schon schrieb, schön das auch mal Musik selbst hier zum Thema wird. Deine überaus kritischen Töne zur "Klassik" bestärken meine Meinung zum Thema. Wobei ich eigendlich nur Gegenwind von der "Klassikfraktion" erwartet hätte, andererseits bin auch ich Klassikhörer.
Gruß,
Christopher
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Antwort#78
@juppy:
das ist schon köstlich wenn du mit argumenten die ich vollends unterstreichen kann (!!) mich widerlegen willst. natürlich kann man bei allem von mir angeführten die schlechten gegenbeispiele rauspicken! verstehe mich doch in der sache- und eben nicht in diesem blöden gegensatz U/E!! ich habe das eine studiert und lehre in dem anderen... so wie du wahrscheinlich auch in beidem zuhasue bist.
gute musik und auch schlechte gibts in beiden lagern- darum gings mir auch gar nicht. auch richtig wenn du meine "instrumentenwertung" folgerichtig aufs klavier überträgst ;-)
es geht mir darum unter welchen umständen sich aber die guten (!) und ausdrucksstarken sänger entwickeln, oder so ein instrument wie violine sich etabliert (in einem kulturkreis) und wohin es führt, wenn grundsätzlich ein kind gewöhnt ist, das die "töne" doch von vornherein "da sind" (wie beim klavier) oder: noch schlimmer- der klang auch. wie beim keyboard!
mir gehts wirklich um gehörbildung-die sich ja direkt (!) darin fortsetzt, mit welchen "ohren" die leute aufnahmen anhören. jemand der sein gehör darin geschult hat klänge am klavier zu entwickeln, oder mit stimme, geige flöte, (von mir aus auch gitarre) mit der intonation gekämpft hat- der hört anders, als jemand, dem gar nicht auffällt, daß die durch "autotune" geradegebogene popstimme eigentlich emotional kaltgestellt ist.
daß es auch im jazz (den hatte ich übrigens nie in die 2. klasse gestellt) oder pop ausdruckstarke sänger gibt, will ich nicht abstreiten. aber es sind die ausnahmen. darum gehts mir- eine sängerin, die ihre stimme nicht führen kann, fällt bei jedem vorsingen am kleinsten stadttheater durch.
popgrößen wie sabrina setlur-die null ahnung von musik haben-prägen andererseits kultur und menschen...
lg matthias
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Antwort#79
mag sein, daß sich das für dich so liest, meine musikalische tätigkeit ist dann doch sehr auf integration eingestellt und versucht genau dort anzusetzen...
nichtsdestotrotz gelten für die gehörbildung strenge regeln, dahingehend versuchte ich zu diskutieren. gehörbildung als kulturbildung. natürlich ein schwieriges thema, aber nötig.
sinnlos mit 130 db rumschrammelnde punkgitarren sind doch genauso schwachsinnig, oder? die frage ist nur: welche sinnlosigkeit macht die ohren der leute kaputt und welche nicht?
gedankenloser kirchengesang ist jedenfalls gesünder als maschinensaalartiges rockgedröhne... ;-)
lg dem käse (gut gereift?)
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Antwort#80
@juppy: noch zu den stimmen: wenn ich von höchster kulturleistung rede, dann meine ich sowas wie edita gruberova (als ideal), was stimmtechnik auf höchstem niveau vorraussetzt. und kulturleistung war bewußt gewählt. wenn sting einfach so singt wie ihm die stimme gewachsen ist, klingt das auch super und rührt genauso an (erstmal generell). nur: wenn lieschen müller sting dann nachmachen will, klingts oft peinlich. beim gruberova-nachmachen ist klar was erstmal geübt werden muß um überhaupt in diese sphären vorzustoßen!
improvisation als grundlegenstes musikalisches lebenselixier (das mußt du mir als profi auf dem gebiet nicht sagen..)- ist klar und daß klassiker als spezies nicht unbedingt die hefe der nation darstellen ist auch klar.
trotzdem wächst auch im klassikbereich eine generation heran, die viel mit jazz und anderen stilen anfangen können. aber umgedreht? die großen der rock und jazzszene ja-absolut, aber der kleine spannemann der schlagzeug trommeln will, findet mozart uncool...
lg matthias
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