Druckempfänger

Erstellt 17 Antworten18 Beiträge
Startbeitrag#1
Ich lese hier dauernd von Kugelmikrofon = Druckempfänger und Nierenmikrofon = Druckgradientenempfänger.
Mir ist bekannt, was ein Gradient ist, aber leuchtet es mir nicht ein, wie man es bewerkstelligt, daß ein Mikrofon "differenzieren" kann. Wie baut man einen Druck(-gradienten)-Empfänger?
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Antwort#2
Immer wieder lesenswert für Schallinteressierte: die Mikrofonaufsätze von Herrn Wuttke (nicht zu verwechseln mit den Kugelaufsätzen aus gleichem Hause), hier speziell zu Deiner Frage, siehe Kapitel 1, Seite 13.
:)


Mikrofonaufsätze Kap. 1
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Antwort#3
wie man es bewerkstelligt, daß ein Mikrofon "differenzieren" kann
Schon erstaunlich was ein dummes Mikrofon oder gar ein Kondensator und Widerstand können und wir dazu 11 oder 12 Jahre Matheunterricht brauchen...
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Antwort#4
Kurz gesagt, der Druckempfänger ist ein geschlossener Zylinder (naja, nicht ganz geschlossen, sonst hätten wir ein Manometer. Also mit einer extrem winzigen Öffnung, die nur dem Ausgleich atmosphärischen Luftdrucks dient), dessen eine Stirnseite die Membran bildet.
Ein Druckgradientenempfänger ist ein frei aufgehängter Ring, in den die Membran eingespannt ist.
Ein reiner Druckgradientenempfänger hat Achtercharakteristik.
Mikrofone mit Nierencharakteristik sind je zur Hälfte Druckempfänger und Druckgradientenempfänger. Das baut man entweder mit Doppelmembran oder als Zylinder, dem die zweite Stirnseite fehlt. An Stelle der zweiten Stirnseite können spezielle "akustische Impedanzen" angeordnet sein. Bei der Doppelmembran (meist GM-Kondensatormikros) sitzt auf beiden Seiten der durchlöcherten Gegenelektrode je eine Membran. Die der Schallquelle zugewandte Membran schwingt, der Schall geht sowohl durch die durchlöchterte Elektrode als auch außen rum (gleichphasig) und trifft von beiden Seiten in gleicher Stärke die hintere Membran. Die bleibt dadurch in Ruhe. Außerdem ist sie deaktiviert, ihre eventuellen Schwingungen werden nicht in ein elektrisches Signal umgewandelt. Kommt der Schall aber von hinten, schwingt die nicht aktive hintere Membran, aber die aktive vordere Membran bleibt in Ruhe. Damit ergibt sich eine Nierencharakteristik.
Viele Grüße
Michael
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Antwort#5
Das baut man entweder mit Doppelmembran oder als Zylinder,
dem die zweite Stirnseite fehlt. An Stelle der zweiten Stirnseite
können spezielle "akustische Impedanzen" angeordnet sein.
Da fällt mir doch gleich ein Frage ein: Wenn ich diese akustischen Impedanzen (ich nehme an, du meinst die akustischen Laufzeitglieder?) ausschalte, indem ich (z.B. bei einem KM 184) die Schlitze meinetwegen mit Klebeband abdecke: Erhalte ich dann einen Druckempfänger mit Kugelcharakteristik?, von außen zumindest sähe es dann aus wie ein KM 183 - oder ergibt das nur Müll, weil innen eben kein Druck-, sondern ein Druckgradientenempfänger eingebaut ist?
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Antwort#6
Hält man die rückseitigen Schlitze zu, erhält man (logischerweise) einen Druckempfänger mit Kugelcharakteristik. Ob es reicht durch Zukleben aus einen KM184 ein KM183 bezweifle ich mal.
Gerade live ist es ein gern gemachter Fehler der Sänger ein Mikro hinten (Rapper etc.) zuzuhalten und sich dann über Rückkopplungen wundern. Aber auch das Mikro vorne zuhalten wenn es rückkoppelt führt genau dazu: zu mehr Rückkopplungsempfindlichkeit da wieder näherungsweise ein Druckempfänger draus wird. (diesmals durch die hinteren Schlitze).
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Antwort#7
Die Resonanzfrequenz der Membranen von Druckempfängern ist hoch abgestimmt, von Nieren mittel abgestimmt und reibungsgehemmt. Daher ist das eine nicht so leicht ins andere zu überführen.
Gruß
Hermann
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Antwort#8
Das Problem hierbei aber ist dass die Membranen bei Niere und Kugel unterschiedlich hart aufgehängt werden müssen...- eine Niere ist viel weicher abgestimmt als eine Kugel (was auch zur erhöhten Körperschallempfindlichkeit beiträgt). Deswegen verwandelt eben das Abkleben eine Niere nicht in eine "ideale" Kugel - die Richtwirkung nimmt aber ab, der Zustand ist aber eher als undefiniert zu bezeichnen.


Tonzauber - einfach klassisch!
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Antwort#9
Ja, danke, ich wusste noch dunkel dass es da einen Unterschied gab, aber nicht mehr welchen.
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Antwort#10
'undefiniert' beim einfachen Verschliessen der hinteren Schalleintrittsöffnung ist gut formuliert.
Ich werfe hier mal ein, dass es Kapseln, wie die Schoeps MK5 und MK6 gibt, die (auch der Preis lässt das vermuten), alles andere, als ein billiger Kompromiss sind. Es wäre mal interessant zu sehen, wie so etwas bei der MK5 auf rein mechanischem Weg realisiert wird. Die MK6 (K/N/8) mit nur einer Membran grenzt für mich schon fast an einen Geniestreich in der Schallwandlerkonstruktion.
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Antwort#11
""Gerade live ist es ein gern gemachter Fehler der Sänger ein Mikro hinten (Rapper etc.) zuzuhalten und sich dann über Rückkopplungen wundern.""
Das stimmt - aber nicht wohl ein Druckempfänger = eine Kugel unbedingt schneller koppelt als
eine Niere, auch wenn das allgemein so als logisch empfunden wird.
Durch das Zuhalten entstehen vielmehr Resonanzfrequenzen o.ä. (natürlich kein echter Druckempfänger), die das Koppeln verursachen - ein KM183 würde wahrscheinlich nicht koppeln, außer auch dies würde "befingert".
Das Zuhalten ist in bestimmten Subkulturen natürlich "coolness-steigernd", bewirkt aber auch einen subkulturell gerechten Sound. Von daher: Wat mutt dat mutt :-)
Gruß,
Christopher
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Antwort#12
Moin...
"Das stimmt - aber nicht wohl ein Druckempfänger = eine Kugel unbedingt schneller koppelt als
eine Niere, auch wenn das allgemein so als logisch empfunden wird."
Dass eine Kugel unbedingt schneller koppelt, ist sicher nicht richtig. Aber im allgemeinen ist es ja meist so (zumindest beim Gesang), dass das Monitoring aus der rückwärtigen Richtung kommt - nicht ganz grundlos. Und wenn man dann die rückwärtige Empfindlichkeit erhöht, indem man das Mikro "in Richtung Kugel" verändert, dann sind ein paar dB Zuwachs der Empfindlichkeit aus Richtung des Monitors eben dann oft schon genau das bißchen, was zur Schleifenverstärkung >1 noch fehlt.
Dass es in der Regel eben nicht neue Resonanzfrequenzen sind, die dann koppeln, hört man daran, dass es meist Frequenzen trifft, die auch schon beim Einpfeifen als "gefährlich" aufgefallen sind.
Wenn natürlich eine Kugel irgendwo zur Instrumentenabnahme live eingesetzt wird, dann ist die meist gegen FB nicht sehr empfindlich - das liegt aber mehr an der Natur der Instrumente, an denen Kugeln zum Einsatz kommen. Wenn ich da z.B. an Bläser denke, dann ist zum einen schon die nötige (Vor-)verstärkung nicht so hoch, zum anderen wird man eine Trompete auch kaum auf den Monitor (des Trompeters) geben - der hört sich auch so. Jedenfalls ist man bei solchen Kandidaten bei der Schleifenverstärkung viel weiter weg vom kritischen Bereich als ausgerechnet beim Gesang.
Oder wenn wir mal Overheads am Schlagzeug betrachten (mit Kugeln als "AB"): Wer wird die ernsthaft (nennenswert) auf irgendeinen Monitor legen?
Jens
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Antwort#13
Das sollte auch kein Playdoyer für Kugelmikros für Sänger auf Bühnen sein,
sondern einfach nur der Hinweis daß ein zugehaltenes SM58 nichts mit einer Kugel zu tun hat - jedenfalls koppelt es nicht, weil es eine Kugel wäre. Diese Koppel-Frequenzen wären auch i.d.R. die, die beim "Einpfeiffen" (ein in mancher Hinsicht völlig überflüssiger Vorgang!) eben NICHT zustande kommen, denn wer würde das Mikro dabei genauso zuhalten und positionieren wie der bekloppte Sänger??
Ein Kugelmikro auf Stativ ohne manuellen Eingriff wäre auf einer lauten Bühne ein weitaus geringeres Problem als oben beschriebene Situation. Ich habe schon mit Kugeln bei Sprache gearbeitet: Ausgeglichener Sound aus jeder Einspracherichtung, Koppeln ebensowenig ein Problem wie mit Nieren.
Was das Trompeten-Beispiel angeht: Es gibt keinen Grund hierfür eine Kugel zu benutzen - habe ich auch noch nie gesehen. Spätestens mit Bläsersatz muß die Trompete doch wieder LAUT auf den Monitor, den der Trompeter selbst hört sich am wenigsten (das ist wie mit den Gitarrenamps auf Kniehöhe - sic!)...
Bei Schlagzeug ist das was anderes, hier profitiert der Klang evt. tatsächlich auch und das ohne Koppelprobleme.
Gruß,
Christopher
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Antwort#14
Durch das Zuhalten entstehen vielmehr Resonanzfrequenzen o.ä. (natürlich kein echter Druckempfänger), die das Koppeln verursachen - ein KM183 würde wahrscheinlich nicht koppeln, außer auch dies würde "befingert".
Was willst du beim KM 183 eigentllich zuhalten?
Ist doch schon zu. Zuer geht nicht.
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Antwort#15
Ein ganz Schlauer....
Nein, nicht wirklich: Sänger halten die Mikros vorne zu (Geh mal auf ein Rockkonzert o.ä.)! Und das geht sogar mit einem Druckempfänger - probier doch mal aus ;-) ...und schreib mal von Deinen Erlebnissen...
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Antwort#16
"Wenn ich da z.B. an Bläser denke, dann ist zum einen schon die nötige (Vor-)verstärkung nicht so hoch, zum anderen wird man eine Trompete auch kaum auf den Monitor (des Trompeters) geben - der hört sich auch so."
... Du hattest offenbar das Glück, nie mit Trompetern und Posaunisten auf einer Bühne zu stehen :-)) Bei meinen früheren Jazz-Bands hatte ich mir mit dem Trompeter und dem Posaunisten bei Festivals und großer Beschallung meist zwei Monitore zu teilen. Wenn mir schon fast die Ohren abgefallen sind, haben die beiden sich immer noch nicht gehört.
Gruß
Uwe
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Antwort#17
Wenn mir schon fast die Ohren abgefallen sind, haben der Trompeter und der Posaunist sich immer noch nicht gehört.
Es soll auch ohrenkranke Blechbläser geben. Dann hilft auch kein noch so lauter Lautprecher (Monitor). Da gibt es nur In-Ear-Monitoring bis zum Abwinken.
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Antwort#18
Hallo Stefan,

grundsätzlich ist eine umschaltbare Kapsel - egal ob elektrisch als Doppelmembran oder mechanisch (wie bei der MK6) als Einmembran - immer ein Kompromiß. Man kann in diesen Fällen niemals alle physikalischen Parameter optimieren. Das wissen die Mikrofonentwickler und sagen es auch ganz ehrlich.
Die MK6 ist wirklich ein wahres feinmechanisches Wunderwerk. Ich habe von Schoeps eine Zeichnung davon (die steht auch in einem Buch abgebildet und zwar in "Technische Akustik" von Heckl/Müller, ersch. im Springer-Verlag).
Bei der MK 5 kann es ja nur so sein, daß der rückwärtige Schalleinlaß verschlossen wird. Wie allerdings die Abstimmung verändert wird weiß ich auch nicht. Wird vermutlich auch nicht von Schoeps so einfach hinausposaunt werden.

MfG
Rainer
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