'Gottlob' wissen wir ja den rechten Weg zur Seligkeit, denn Brüel & Kjærs 2307 gestattet ja die Einstellung des Rectifier Response, andere Messgeräte die Integrationszeit. Schön wird die Sache dann, wenn man einmal den originalen Mikrofon-Frequenzschrieb ab Werk anhand einer eigenen, sachgerecht durchgeführten Messung am selben Mikrofon zu verifizieren versucht. Für meine beiden Sanken CU41 (die Dinger mit den zwei Kapseln für hohe und niedrige Frequenzen; mehr kurios als praktisch Sinn stiftend) liegen solche Exempla vor.... Im Grunde ist alles richtig .... Hans-Joachim
Welches Mikrofon würdet Ihr intuitiv für das bessere oder besser klingende halten und warum?
Benutzt du dein Mikrofon verkehrt herum, also mit der 180°-Richtung an deinem Gitarren-Lautsprecher? Wenn nein, dann ist die Frage nach dem 180°-Frequenzgang des Nierenmikrofons sicher nicht vordergründig. Aus dem 180°-Frequenzgang eines Datenblatts ist niemals auf den 0°-Frequenzgang oder gar auf den Klang eines Mikrofons zu schließen. Die bekannte Lieblingsfrage, welches Mikrofon besser klingt, ist so pauschal niemals zu beantworten.
Aber sicher sind winkelabhängige Frequenzgänge bestimmend für den Klangcharakter. Auch der bei 180°, bei der eine Niere ein über den ganzen Frequenzbereich erstreckndes, gleichmässiges Mimimum haben sollte. Aber vermutlich muss man hier die Posts anders formulieren, damit die Leute verstehen, worauf man eigentlich hinaus will :)
Hi! Aus dem "geschönten" Diagramm kann man ja entnehmen, dass der Pegel aus 180° Einfallrichtung im besten Fall (also bei ca. 1,5 kHz) um ca. 15 dB geringer ist als der Pegel aus 0° Einfallrichtung. Sind diese 15 dB üblich? Kann man da "mehr" rausholen, oder sind die 15 dB physikalisch bedingt? (Mal abgesehen davon, dass man die Werte wahrscheinlich eh nur im schalltoten Raum erreicht) Grüße, tobi
Was mir an dem Diagramm nun wiederrum auffällt, ist das "Wannenförmige". Aus meiner Erwartung heraus hätte ich jetzt gedacht, dass hohe Frequenzen besser gedämpft werden. Gehe ich Recht in der Annahme, dass der ehrliche Frequenzgang um einiges "wirrer" aussieht? Also viele Berge/Täler auf wenig Platz, bei hohen Frequenzen?
die beiden von mir verlinkten Kurven mit der relativ geringen 180° Dämpfung bei der Niere sind charakterisisch für die historische M7 Kapsel, die ja immer noch als Vintage-Kapsel gefeiert wird. Bei der von Dir gezeigten (M930 und allen anderen Mikrofonen mit der ausgeprägteren Wannenkurve) dürfe es sich um eine Neukonstruktion handeln. Und es heisst so oft, bewährtes könne man nicht besser machen. Das stimmt ja nicht. Aber ursprünglich wollte ich mit meinem Posting einfach nur mal zeigen, dass man sich immer wieder bewusst machen sollte, dass veröffentlichte technische Daten ein Marketinginstrument sind, in denen in der Regel ausnahmslos alle Kurven geglättet und Werte in die günstigere Richtung gerundet werden (ohne jetzt Microtech Gefell blamieren zu wollen, das mit der wirklich gemessenen Kurve eines UMT800 ist wohl ein Versehen, aber interessant zu sehen, was da für Zacken geglättet werden. Andere machen das durchaus ebenso). Eigentlich sollte man als Kunde die Hersteller immer fragen, welche Toleranzen sie bei ihren Daten zulassen und wie sie ihre Einhaltung garantieren. Mir ist keine Norm bekannt, die explizit festlegt, wie gross die zulässigen Abweichungen zu den veröffentlichten technischen Daten sein dürfen. Die Standards geben ja nur Messbedingungen und -methoden an. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist... für den Kunden kaum möglich.
Ist denn hier niemand in der Lage, solcherart Diagramme ordnungsgemäß zu interpretieren? Weiß keiner, welcher Mittel man sich bedient, um die Diagramme so aussehen zu lassen, wie es jene beiden GIFs darlegen? Weiß niemand, welcher Mittel sich ein Kapselkonstrukteur bedient (und bedienen kann, die Wahl der Mittel ist nämlich physikalisch begrenzt!), um zwischen dem Druckempfänger und dem Druckgradientenempfänger ein Typenfeld von Mikrofonen zu erstellen, und welche symptomatischen Probleme ihm dabei begegnen? Ich sah Stefans Frage oben nicht nur als rhethorische, sondern als eine spaßhafte an. Jetzt aber wird offenbar ernsthaft diskutiert, und ich weiß nicht recht, was ich dazu sagen soll, da mich auch die zutage tretenden Vorstellungen schlicht verwirren. Hans-Joachim
Ohne schon wieder langweilen zu wollen, verweise ich - wie immer - auf SCHOEPS bzw. deren Dokumentationen. Ein Polardiagramm kann sehrwohl eine tendenzielle Auskunft über den Klangcharakter eines Mikrofons gegen.
ja, tendenziell schon. Verlassen sollte man sich aber immer noch auf seine Ohren. Ich halte Frequenzgänge der ganzen Übertragungsbandbreite, die unter verschiedenen Schalleinfallswinkeln aufgenommen wurden, für aussagekräftiger, als ein Polardiagramm, denn im PD habe ich nur etwas mehr, als eine handvoll Frequenzen (meist im Oktavabstand), die auf 0dB normiert sind, bevor sie in das das 360°-Diagramm aufgetragen werden. Also keinerlei Information über den absoluten Pegel. Das macht aber ein Polardiagramm wiederum sehr leicht zu lesen. Ein anschaulicher Kompromiss aus beiden Darstellungsarten müsste noch erfunden werden! (vielleicht mit hilfe zon 3D-Tools, in denen man virtuell herumfahren kann?)