Warum Tontechnik sich nicht lohnt - Neuauflage

Erstellt 13 Antworten14 Beiträge
Startbeitrag#1
Moin,
ich möchte Jürgens Thema vom Anfang des Monats noch einmal aufgreifen und einige meiner Gedanken dazu zur Diskussion stellen.
(Wenn das Thema nervt, HIER mit Lesen aufhören und die 'Zurück' Taste des Browsers betätigen)
Ist es nicht unser eigener Qualitätsanspruch, der uns hier im Wege steht ? Müssen wir immer 'Grammy' verdächtige Aufnahmen abliefern? Brauche ich beim Livemitschnitt in der Sporthalle den gleichen Rauschabstand wie im Studio ? ......
Müssen wir eigentlich für den Kirchenchor aus Hintertupfingen, der sich gerade 300? für einen Livemitschnitt leisten kann, die ganze Breitseite an Mikrophonen und Equipment auffahren ? Oder kann auch ein Ansatz so aussehen:
2-4 Mikrophone, Vorverstärker/kleines Pult , CD Recorder oder DAT. Aufwand für 'unproduktive Tätigkeiten' wie Vorgespräche, Einpacken, Aufbau usw. drastisch reduzieren. Soundcheck adé.. wird schon irgendwie hinhauen.. hat ja neulich auch geklappt. Anreise ist bis 30 km im Umkreis im Preis drin, alles darüber wird nach Aufwand zusätzlich abgerechnet.
Neue Rechnung:
Vorgespräch: 10 Minuten am Telefon, einige E-Mails. Gesamtaufwand 0,5 h
Einpacken, Anreise, Aufbau Gesamtaufwand 1,5h, Mitschnitt incl. Pausen 2h
Abbau, Heimfahrt 1h, Reinziehen der Aufnahme in die DAW, Schnitt, ein paar VST's drüberbügeln, CD brennen: 2 h also das Ganze 'Quick'n dirty'.
Um bei unserem Kirchenchor zu bleiben, kriegen wir 300? bar auf die Kralle.
Gesamtaufwand: 7h Arbeit , Benzin ~ 10?, Gerätenutzung 5?, Mwst. ~32?
Bleben also rund 250 ? für 7 h Arbeit - scheint sich doch zu lohnen.
Aber: Tun wir uns damit einen Gefallen ? Begeben wir uns auf das Niveau des Homerecording ? Oder haben wir aufgrund unserer Erfahrung immer noch einen kleinen/mittleren/grossen Qualitätsvorteil gegenüber der MD Fraktion ?
Sollen wir uns jetzt alle schmollend verkriechen und über das nicht mehr so locker sitzende Geld klagen oder wirklich das untere Ende der Leistungsskala neu definieren?
Ich habe mich entschlossen, genau dies zu tun und bin gerade dabei mir den 'Low cost' Setup zusammenzustellen. Keine 24 Spur, keine 20-30 Mikros, keine 3 Stunden Soundcheck (sondern von der Beamtenfraktion abgesegnete 'Standard' Mikrofonaufstellungen) .....
Damit sollte dann immer noch eine brauchbare Qualität bei deutlich reduziertem Aufwand machbar sein - und damit sollte dann doch wieder ein akzeptabler Stundensatz rauskommen. Aber: wie differenzieren wir uns vom Homerecorder mit Chinesenmikro's und der Soundkarte im PC ?
Kann ein Ansatz vielleicht so aussehen, dass wir unseren Kirchenchor (um bei dem Beispiel zu bleiben) beraten wie er statt dem 'Belegexemplar' pro Sänger noch einmal 50 oder 100 CD's zusätzlich verkaufen kann und damit vielleicht ein paar ? mehr für eine gute Aufnahme ausgeben kann?
Jürgen hat hier mit seinem Thread wirklich den Finger auf die Wunde gelegt und die Antworten haben bei mir noch mehr neue Fragen aufgeworfen.
Ich habe keine Idee, wo man hier die Quadratur des Kreises ansetzen soll und bin auf eure Anregungen/Ideen sehr gespannt.
Schönen Sonntag noch
Gerhard
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Antwort#2
Natürlich gibts auch Quick and Dirty. Anhörbare Ergebnisse sind dort eben ein Glückstreffer - auch wenn der Kunde selbst diese nicht als solche erkennt.
Ich habe festgestellt, dass sich solche Billig-Angebote für mich nicht lohnen.
Nichts ist schlimmer, als dieser ewige Gedanke:" Eigentlich müsste man jetzt..., aber das wird ja nicht bezahlt." Mist machen wider besseres Wissen ist genau das, was das letzte bischen Motiviation im Job vernichtet,
Ich mache das nicht (mehr) - und das ist auch der Grund, warum ich die ganze "bezahlbare" Studioschiene eingestellt habe. Zum Glück habe ich mich nie in eines eingekauft...
Zu billige Jobs, die dann auch zu 80% "ein bißchen floppen" sind zudem einer Karriere nicht förderlich. Es sei denn, man will als "Mann mit den billigen Aufnahmen" berühmt werden. Wem das Spaß macht....bitte, das kann auch ein Ansatz sein. Aber so etwas wird erst durch Routine lukrativ.
Ich mache meinen Job, weil ich da kreativ wirken kann. Das bilde ich mir zumindest ein.
Grüße
Opi
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Antwort#3
Wie wäre es mit einer Vergleichsmöglichkeit?
Nimm doch einfach mal eine typische Kundensituation (Kirchenchor/Rockband/Naturaufnahmen/Gesang/Hörbuch) mit folgenden Recordern gleichzeitig auf.
1. Mono Diktiergerät
2. Stereo MP3/Minidisk Recorder
3. Homerecording Niveau (China billig Mikrofon einfach nach Standart aufgestellt)
4. Tontechniker
Damit die gleiche Situation 1:1 verglichen werden kann, und mache klar wo die Unterschiede liegen.
Dürfte ähnlich erhellend sein wie:
http://www.glennferon.com/portfolio1/index.html
Denn welche Musiker sind nicht ein bischen Eitel wenn es um ihre Musik/Goldkehlchen geht?
Eventuell könnten danach weniger Fragen auftauchen wie:
Muß dieses/jenes/welches unbedingt sein?
=====8
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Antwort#4
Hallo Machiko,
deine Idee sollte man zumindest mal ausprobieren.
1. Mono Diktiergerät - kann man sicher mit VST's und EQ hinkriegen.
2. Stereo MP3/Minidisk Recorder - sollte auch kein Problem sein
3. Homerecording Niveau (China billig Mikrofon einfach nach Standart aufgestellt) - muss ich wohl mal eine Teststellung bei 'T' starten oder mal den Antares Mic Modeler im Pult aktivieren.
4. Tontechniker - hab ich im Hause
Nur was mach ich wenn -3- als ausreichend erachtet wird ? Insbesondere wenn ich die entsprechenden Preisschilder definiert habe. Also -3- abliefern ? Wie Ton Opa schon geschrieben hat macht das nicht so richtig Spass und kann den Ruf versauen.
Es läuft ja auf den Beratungsansatz hinaus: Den Kunden richtig und umfassend beraten und ihn dann sanft, aber mit Nachdruck, in Richtung Qualität motivieren.
Deine Anregung läuft ja auf die Überlegung 'Wie unterscheide ich mich von meinem Mitbewerber' hinaus und ist aus vertrieblicher Hinsicht genau richtig (Nicht den anderen plattmachen sondern die eigenen Vorteile herausarbeiten)
Danke für den Input
Gerhard
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Antwort#5
Ich würde wirklich unabhängige und echte Geräte nehmen und nicht "tricksen", wie willst Du sonnst Deinen zukünftigen Kunden in die Augen schauen und erklären was Tontechnikertechnologie und Tontechnikerkönnen ausmacht?
Alle Geräte sollten ja die Selbe Situation gleichzeitig aufzeichnen. Die Originalaufnahmen sollten dann gegeneinander antreten.
Das herausstellen der Möglichkeiten die Tontechniker haben sollte den Kunden verständlich gemacht werden, denn Eure Ausbildung und Erfahrung ist ja eines Eurer Haupteigenschaften wo Ihr Euch von den Laien unterscheidet.
Dr. Oetkers Rührkuchen kann jeder Hobbybäcker/Hausfrau machen ...
... aber einen richtigen Baumkuchen ( http://rebecca.machiko.de/kulinarisches/baumkuchentorte.html ) vermag nicht jeder zu zaubern.
Wenn weniger verlangt wird als Du kannst, dann würde ich es entweder als "Butter und Brot Geschäft" sehen und machen, oder lassen.
Eventuell könnte eine "Bewerbungs CD (Tontechnikerbroschüre)" für Tontechniker hier abhilfe schaffen. Alle nötigen Informationen mit Klangbeispielen sind dann leicht verständlich für die zukünftigen Kunden in aller Ruhe Zuhause abhörbar. Dann kann sich der Kunde in aller Ruhe über Preis/Leistung gedanken machen. Und das für vergleichsweise kleines Geld ohne Zeit zu stehlen ...
... die Werbebroschüre des Tontechnikers also. Handwerker machen es ja ähnlich.

=====8
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Antwort#6
Das entwickelt sich ja zum Dialog. Während im Hintergrund gerade eine Aufnahme reinläuft und auch nichts Interessantes im Fernsehen ist .. :-)
...Dr. Oetkers Rührkuchen kann jeder Hobbybäcker/Hausfrau machen ...
Originalzitat aus meiner Broschüre (die ich mittlerweile in die Tonne geworfen habe): ..Aber ziehen Sie nicht eine individuell, mit viel Liebe und immer wieder verkostend zubereitete Mahlzeit einer Tütensuppe von Aldi vor?
Eventuell könnte eine "Bewerbungs CD (Tontechnikerbroschüre)" für Tontechniker hier abhilfe schaffen. Alle nötigen Informationen mit Klangbeispielen sind dann leicht verständlich für die zukünftigen Kunden in aller Ruhe Zuhause abhörbar. Dann kann sich der Kunde in aller Ruhe über Preis/Leistung gedanken machen. Und das für vergleichsweise kleines Geld ohne Zeit zu stehlen ...
... die Werbebroschüre des Tontechnikers also. Handwerker machen es ja ähnlich.
Alles schon dagewesen, aber wie immer im Leben: das liest eh keiner. Wird aber immer gerne von irgendwelchen Besserwissern als Aufhänger für irgendwelche unendlich wichtigen Diskussionen genommen. Ich bewundere Kollegen wie Jürgen (Studio96), die sich sehr viel Mühe und Arbeit machen und z.B auf Ihrer Homepage unendlich viel Informationen zur Verfügung stellen.
Trotzdem noch schönen Sonntag. Ich werde mir jetzt mal eine Aufführung von 'Elias' anhören (Live, ohne Technik, nur mit meinen Ohren)
So long
Gerhard
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Antwort#7
Hi GerhardS.
"Alles schon dagewesen, aber wie immer im Leben: das liest eh keiner. Wird aber immer gerne von irgendwelchen Besserwissern als Aufhänger für irgendwelche unendlich wichtigen Diskussionen genommen. Ich bewundere Kollegen wie Jürgen (Studio96), die sich sehr viel Mühe und Arbeit machen und z.B auf Ihrer Homepage unendlich viel Informationen zur Verfügung stellen."
Das wußte ich nicht, ich entschuldige mich für meinen Vorschlag.
Aber mal ehrlich, eine Werbebroschüre die nicht durchgelesen wird wahr dann wohl nicht sehr professionell - oder?
Zumindestens erfüllte sie nicht ihren Zweck.

Ist schon unangenehm, wenn man nur etwas Service zur Verfügung stellt, wo auch noch jeder dahergelaufener Hinz und Kunz denkt er könne das, dank moderner Technik, genau so gut wie ein Profi ...
... und dann muß man noch stets auf dem "Stand der Technik" sein und über bestes Handwerkszeug verfügen.

Da ergeht es Euch Tontechnikern genau so wie einem beliebigen Industriebetrieb ...
... jedes Produkt hat eine gewisse Lebenszeit ...
... und wer nicht rechtzeitig mit einem neuen Produkt vorgesort hat, geht halt unter, wenn die Produktlebenszeit abgelaufen ist.
Und damit es nicht erst soweit kommt, das die eigene Existenz bedroht wird, sollte man rechtzeitig Vorsorge tragen und frühzeitig mit Verbesserungen und Neuentwicklungen anfangen.
Damit auch Experten verstehen was gemeint ist:
Würde es die Firma Neuheiser noch geben wenn sie beim ersten Mikrofon geblieben wären und keine weiteren Mikrofone entwickelt hätten?
Natürlich nicht, alle anderen Mitbewerber wären schon lange an ihnen vorbeigezogen weil sich durch den technischen Fortschritt der Stand der Technik geändert hat.
Ihr Tontechniker habt exakt das gleiche Problem. Entweder Ihr entwickelt Euch mit Euren Angeboten weiter oder ihr werdet bald genau so gefragt sein die großen Tonstudios die es früher mal gab, bevor Musiker selbst in ihrem Proberaum Aufnahmen von akzeptabeler Qualität machen konnten.
Damit man etwas (weiter/neu)entwickeln kann, dazu bedarf es guter Entwickler und keine Konstrukteure, die alles nach altbekanntem Schema abarbeiten. Nur um mal hier den entscheidenen Unterschied zwischen Entwicklung und Konstruktion klar zu stellen.
Also meine lieben Tontechniker, setzt Euch mal zusammen und arbeitet aktiv mit Kreativitätstechniken an Eurer Kreativität, damit Ihr auch morgen noch Tontechniker bleiben könnt.
Aber wem erzähle ich denn das?
"Trotzdem noch schönen Sonntag. Ich werde mir jetzt mal eine Aufführung von 'Elias' anhören (Live, ohne Technik, nur mit meinen Ohren)"
Viel Vergnügen.


machiko
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Antwort#8
Ich modifiziere Deine Rechnung mal so, daß sie aus meiner Sicht real wird und einen konkreten Fall beschreibt:
Vorgespräch: 3x10 Minuten am Telefon staat nur 10
8 E-Mails-Wechsel inklusive der Erlärung, warum ich nicht vorab umsonst in die Kirche kommen kann -> Gesamtaufwand 1,5 h statt nur 0,5h
Wechsel auf einen anderen Fall:
Einpacken, Anreise, Rumsuchen der Kirche weil Adresse nicht korrekt angegeben, Parken 300m entfernt parken, weil vorort kein Parkplatz frei, 8x Laufen und Reinschleppen. Aufbau Gesamtaufwand 2,5h statt nur 1,5h,
Mitschnitt incl. Pausen 4h statt 2h
Abbau, Heimfahrt 2h statt 1,5h - zusaetzlich Sachen im Studio wieder aufnahmebereit hinstellen 30min.
Reinziehen der Aufnahme in die DAW entfällt da Recording-Unit = DAW
Probeabzüge erstellen, damit Sänger etwas hat zum Auswählen - per Piost verschicken - 5x email-Kommunikation mit Schnittvorlagen
4h Schnitt, Lexicon in Echtzeit drüberlaufen lassen, weil Kunde das will, verschiedene Lautheitsanpassungen vornehmen und unterschiedliche CDs ausliefern, weil Kunde die Problematik unkomprimierter Klassik nicht versteht ("Cd ist viel zu leise") - CD brennen.
Um keinen Kirchenchor zu nennen sondern Tenor X, kriege ich insgesamt 450? (demnächst gfs überweisen) Gesamtaufwand: 15h Arbeit , Benzin ~ 20?, Gerätenutzung 30? statt 5,- Mwst. ~50?
Bleiben also rund 350 ? für 15 h Arbeit - scheint sich nicht so zu lohnen.
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Antwort#9
... und bei einem Angebot der Kathegorie "Holzklasse" völlig übersehen, daß auch diese Aufnahmen Visitenkarten - und zwar schlechte - sind, deren Qualität sich schneller rumspricht als die aufwändiger Produktionen ...
Reduziere ich "aus Kostengründen" das Equipment, mache ich mir möglicherweise vor Ort das Leben schwer. Denn genau das aussortierte Kistchen hätte der Problemlöser sein können. Und ein "aus Gewichtsgründen eingespartes Mikrofon" führt möglicherweise nur dazu, daß man mit Diskussionen und den darauf folgenden Tonproben nicht nur sich selbst nervt. Ein zusätzliches Stützmikrofon aufstellen zu können wäre einfacher gewesen.
Und letztlich: Man sollte bedenken, was z.B. eine Verkäuferin verdient. Mal eben im "Vorübergehen" für 7 Stunden Arbeit - sofern die angeführte Kalkulation für Aufnahme und Fertigstellung aufgeht - 250 ? zu verdienen, ist in Relation zu einer CD-Produktion mit mehreren Tagen Aufnahme, Schnitt und sonstigen Nachbearbeitungen so schlecht auch wieder nicht ...
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Antwort#10
das ist aber ´ne michmädchen rechnung!
die dusselige verkäuferin macht einen einfachen, wenn vermutlich auch stressigen, 9 to 5 job, geht nach hause und das wars!
wir sitzen teilweise mehr als 10 stunden hochkonzentriert mit mehr oder minder fähigen musikern in einem raum, und spielen techniker, bandmember und psychiater in einer person!
ich bin nach 3-4 tagen so dermassen im eimer, dass an weitere studioarbeit in form von aufnahmen oder mix nicht zu denken ist! zum glück teile ich mir die aufnahmezeit mit meinem co, bzw. einer macht die aufnahmen, einer den mix, das hat sich bewährt!
ich persönlich schaffe es nciht, in dieser form auch nur 20 tage durchzuknüppeln, muss aber versuchen miene brötchen in dieser zeit zu verdienen, was sind also schon 150 oder 200 tacken tagessatz! bedenke auch, den fiskus!!
so dolle ist das alles nicht! aber man muss sich ständig rechtfertigen warum man denn so teuer ist, kenne ich alles! nur merkwürdig dass ein durchzechter abend auch locker mit ´nem hunni besiegelt wird, oder?? das geht alles!!
Inti
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Antwort#11
die dusselige verkäuferin macht einen einfachen, wenn vermutlich auch stressigen, 9 to 5 job,
geht nach hause und das wars!

wir sitzen teilweise mehr als 10 stunden hochkonzentriert mit mehr oder minder fähigen musikern
in einem raum, und spielen techniker, bandmember und psychiater in einer person!
Mag sein, aber wir haben uns diese Arbeit selber ausgesucht.
Wem der Idealismus fehlt, sollte auf Verkäufer umsatteln. Oder auf "Gas, Wasser, Scheisse" - da kann man jeden Handgriff minutengenau abrechnen.
Im Gegensatz zur Verkäuferin müssen wir uns nicht jeden Kunden antun. Obendrein habe ich in dem "Low Cost-Segment" schon manche angenehme Erfahrung gemacht. Mir macht es jedenfalls mehr Spaß, wenn eine (gute) Laiensängerin ob des tollen Klanges ihrer Stimme vor dem Mandolinenorchester begeistert ist, als jene Profis, die nöhlen, bei ihren Instrument würde ein CMC54 in den oberen Mitten "so eine zirrende Schärfe" übertragen. Der Glaube läßt ein anderes Mikrofon besser erscheinen, und später kören eben diese Leute auf den Mülleimern, die sie zuhause als "Lautsprecher" stehen haben (und auf denen sie zuvor die Schärfe einer CMC54 feststellten), keinen Unterschied zwischen einer Kugel- und einer Nierenkapsel ...
Unterm Strich kommt eine Arbeitsleistung und -aufwand zusammen, deren künstlerische Bedeutung für das Endergebnis der Produktion weitaus wichtiger ist als bei einer Demo-CD für "Provinzchöre". Für diese Mehrarbeit sind solche "Profis" nämlich ebensowenig bereit, proportional mehr zu zahlen - unberücksichtigt der Tatsache, daß man oft genug auch mal zwei verschiedene Varianten schneidet, die man nicht berechnet oder berechnen kann.
Und bei weitem nicht alles an Musik, was "professionell" produziert wird, kann mich künstlerisch in irgend einer Weise befriedigen. Auch hier bietet manches Laienensemble mitunter Besseres ...
Kämen genügend Aufträge von kleinen Ensembles und Chören zusammen, hätte ich kein Problem mit, vorwiegend von solchen Jobs zu leben: 30 - 50 % vorgegebene Aufnahmetermine, der Rest bei freier Zeiteinteilung zu erledigen.
Diesen Luxus hat die Verkäuferin auch nicht ...
Der wesentliche Gedankenfehler in dieser Diskussion: Für 300 ? kann man einen Konzertmitschnitt mit wenig Aufwand machen, eine CD-Produktion hingegen nicht. Auch Laienensembles spielen unterschiedliche Takes mehrfach ein, die Schnittarbeit ist damit (bei engagierter Arbeitsweise) nicht mal eben schnell am Nachmittag oder Abend erledigt.
Darauf kann man dem Auftraggeber im Vorfeld durchaus hinweisen - die meisten Kunden zeigen dafür sogar Verständnis und akzeptieren die Möglichkeiten des begrenzten Etats.
Trotzdem habe ich auch bei 300 ?-Aufträgen ein teueres KFM6-Stereohauptmikrofon dabei. Ich würde mich selber maßlos ärgern, wenn ich unter den Möglichkeiten vor Ort genau damit das beste Ergebnis hätte erzielen können. Nur weil ein Kunde wenig zahlen kann, soll ich die Möglichkeiten beschneiden?
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Antwort#12
Bei der Baumkuchentorte sollten unbedingt ein ordentlicher Schluck Mandellikör und ein Teelöffel gemahlende Espressobohnen (100% Arabica) hinzugefügt werden.
Das ist dann das Tüpfelchen auf dem I.
Frank
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Antwort#13
Wenn ich mir vornehme, mit eher wenig Aufwand auszukommen, und dafür Kompromisse bzgl. der Klangqualität hinzunehmen, dann kann ich doch trotzdem alle meine Mikros mitnehmen...welches ich dann einsetze, ist die nächste Frage. Gerade der Laienchor in der Kirche, die man vorher nicht anschauen kann, erfordert doch Flexibilität. Also alles dabeihaben, aber sich bei der Spuren/Kanal-Anzahl etwas beschränken. Octopre und ADAT, fertig. Dann ist man nicht auf ein gut positioniertes Hauptmic angewiesen (wann kann man live schonmal wirklcih gut positionieren, ohne zu viel Publikum draufzukriegen...), aber gerät auch nicht in Versuchung, mehr hinzustellen als man bezahlt kriegt.
Viele Laienensembles, gerade bei Livemitschnitten, wollen gar nicht viele Mikros (das sieht doch so häßlich aus...), und nehmen dafür gern ein niedrigeres technisches Niveau in Kauf. Manchmal ist das auch gar nicht so schlecht, nicht jede unsaubere Konsonantenabsprache so ganz klar und präzise aufzunehmen. Zu saubere Aufnahmen gefallen denen oft gar nicht, weil sie plötzlich hören, wie unsauber sie singen. Man muß ja nicht unbedingt seinen Namen draufschreiben am Ende. Und als Versuchskaninchen für neues Equipment sind mittelmäßige Laienchöre doch wundervoll. ;)
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Antwort#14
Eine kleine Geschichte:
Kürzlich wurde ich angerufen, um einer (zumindest regional ziemlich renomierten) Band bei dem Grund-Setup für Ihre Aufnahmen zu helfen.
Folgendes Setting:
Die Aufnahme fand in einem lokalen Produzentenstudio statt, das leider etwas chaotisch organisiert ist... soweit ich verstanden habe, hatte ein Bandmitglied dem Inhaber Leistungen irgend einer Art erbracht und durfte dafür umsonst dort aufnehmen. (was an sich für die Band ja eine klasse Sache ist)
Instrumente, Mikrofonierung und Verkabelung stand schon und meine Aufgabe war es, Kabel und Kanäle zu finden, die rausch- und brummfrei waren.
Außerdem - und das ist der Witz bei der Sache - lief das eigentliche Recording folgendermaßen ab:
Nachdem alle Signale ohne weitere Störungen ankamen, die Kopfhörermixes gemacht waren und die Sessions in Pro Tools angelegt waren, lernte ich einen Bekannten der Band an, der dieser noch einen Gefallen schuldete, und somit (für umme) übernehmen sollte.
Selbiger widerum übernahm den Rest des Tages das Recording und musste am nächsten Tag seinerseits einen anderen Bekannten der Band einweisen (der vermutlich auch noch einen Gefallen schuldig war)...
Dieser (zweite) Bekannte übernahm dann den dritten Tag des Recordings.
Also, nochmal einfacher dargestellt (weil´s so schön ist):
Tag1: Ich richte alles ein und lerne "Bekannten1" an, "Bekannter1" übernimmt Recording
Tag2: "Bekannter1" führt Recording durch und lernt "Bekannten2" an
Tag3: "Bekannter2" übernimmt den letzten Tag des Recordings
Ich bin zwar froh, überhaupt angerufen worden zu sein, da meine momentane Auftragslage mehr als besch*ssen ist, aber die oben beschriebene Vorgehensweise erklärt wohl von selbst, wie es momentan mit dem Bedarf an Tontechnikern steht.
Dazu sei noch gesagt, daß es sich bei diesen Aufnahmen um die Basic-Tracks einer Album-Produktion handelte!
Ich frage mich nur, ob letzteres heute überhaupt noch irgend eine Gewichtung hat, oder ob das primäre Ziel einer Produktion sich mittlerweile nur noch auf das Fertigstellen und Verkaufen eines Tonträgers beschränkt.
PS: Nichts gegen die Band und deren Helfer - alle waren sehr nett...
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