Moin, mal was Neues für mich: Symphonisches Blasorchester mit ca. 60 Mitgliedern. Meine Erfahrung mit Blasorchestern ist nicht gerade sehr gross (weil ich die übliche RumTataDickeBackenMusik nicht so mag) Symphonische Blasorchester sind auch nicht gerade 'Standardgeschäft' in unserer Branche. Programm: * Percy Grainger - Children?s March: - Over the Hills And Far Away - Colonial Song - Molly on the Shore * Boris Koschevnikov - Sinfonie Nr. 3 "Die Slawische" * Guido Rennert - Konzert für Saxofon * George Gershwin - Ein Amerikaner in Paris Der Raum: Akustisch recht gute (da für Konzerte gebaut - keine parallen Wände, Wände und Decken akustisch gedämmt, mittlerer Nachhall) Stadthalle. Bestuhlung ca 500 Zuhörer, Bühne 10 m breit, 1 m über Hallenboden, dazu Podeste (2m tief) vor der Bühne. Ich habe mir folgende Alternativen vorgstellt: 1. Decca Tree im Orchester - habe aber Bedenken, da ich für die Mikrofonaufstellung nur die Probe vor dem Konzert nutzen kann und das Orchster höchstens 15 Minuten für mich habe. Sonst wäre der Decca Tree vom Raum und vom Klangkörper her sicherlich wunderbar. 2. Kugelvorhang mit 5 Kugeln (KM) - ist (fast) narrensicher. 3. Klein A/B mit 2 diffusfeldentzerrten Kugeln (KM) Mikrofonabstand je nach Entfernung vom Orchster und Öffnungswinkel (s. EBS) Dazu noch eine Solistenstütze für das Saxophonkonzert . Ich habe insgesamt 16 Mikrofonkanäle zur Verfügung und einen ausreichend grossen Fundus an Mikros und Vorvertärkern, d.h die Technik ist nicht der limitierende Faktor. Die Abmischung soll direkt auf 2-Spur (24Bit/48Khz) erfolgen. Liege ich mit meinen Gedanken richtig oder gibt es bei solchen Klangkörpern noch andere Gegebenheiten die man unbedingt bedenken muss ? Inwieweit kann man Erfahrungen aus dem Bereich Symphonieorchester oder Big Band auf diese Aufnahmesituation übertragen? (Ich denke, dass es da keine grossen Differenzen gibt - oder liege ich da auch voll daneben? Vielen Dank für eure Inputs Gerhard
Servus Gerhard, ich hatte erst vor kurzem das Wiener symphonische Jugendblasorchester vor den Mikrofonen - es liegt bei dieser Art des Klangkörpers sehr am Können der Musiker was notwendig ist, da "leise spielen" bei Blechbläsern sehr anstrengend ist, d.h. sehr schnell die Balance im Orchester verloren geht. Wenn das der Fall ist, muss man extensiv stützen. Wenn es aber gut studierte Vollprofis sind, kann das sehr sehr tolle Musik sein, die sich wie jedes andere Orchester auch behandeln lässt. Ich würde den Kugelvorhang wählen, und zur Sicherheit die Holzbläsersektion (vor allem Oboen, Fagotte, weniger die Flöten) stützen. Dann bist du eigentlich auf der sicheren Seite. Ist es ein reines Balsorchester oder íst ein Schlagwerk auch dabei? Georg
Hallo Georg, persönlich tendiere ich doch mehr zum Gebrauch von etwas korrelierteren Stereosystem, z.B. mit 4 Mikrofonen auf einer Linie vor dem Orchester, aber das "in die Breite" gehen sehe ich auch als sehr vorteilhaft (vor allen wegen der dann günstigen Abstrahlcharakteristik der Klarinetten links und der anderen Holzbläser rechts). Was mich interessieren würde: wie gehst Du beim Stützen um mit den verschiedenen Stimmen innerhalb der Gruppen, stützt Du bei den Klarinetten 1., 2. und 3.? Auf diese Weise werden es halt immer so viel Mikrofone. Eine andere Sache, die micht interessieren würde: ich werde im Novemeber mit einem Militärorchester aufnehmen, und ihr Proberaum (=Aufnahmeraum) hat Teppichboden. Für unter die Holzbläser plane ich flache Holzplatten zu legen - wie sind Deine Erfahrungen in dieser Hinsicht? Viele Grüsse, Dirk
Danke Georg für deine Inputs. Ja, Schlagwerk ist auch dabei (5 fach besetzt). Das Holz werden wir sowieso ganz vorne plazieren so dass ich hoffentlich hier nicht so viel stützen muss. Die Musiker sind fast alles Profis bzw KA Studenten so dass ich hoffentlich hier nicht ins Messer laufe. br Gerhard
ja, die floeten und klarinetten stechen leider bei solchen mitschnitten immer stark heraus. die brauchst du sicher nicht stützen denn sonst hast du am ende ein floetenkonzert. und die wo weiterhinten sitzen hoert man dann kaum noch. ich wuerde eher das tiefe blech stützen, bariton tenorhorn oder euphonium. die gehen oft bei solchen aufnahmen unter. vielleicht rechts und links ein mikro, und bei den tenorhoernern ein mikro fuer alle, bei den fluegelhoernern, ein mikro bei der trompete und eins in der mitte fuer den rest. du koenntest es auch nur 2 mikros vorne hinstellen und noch eins als stützmikro. aber das klingt dann irgendwie seltsam.
Hallo Gerhard, ich hatte vor 2 Jahren mal zusammen mit unseren MI-Studenten eine Aufnahme der Friedberger Stadkapelle gemacht. Der Link ist noch aktiv. Vielleicht hilft Dir die Skizze. Ansonsten tendiere ich dazu, eine solche Kapelle ähnlich wie ein Sinfonieorchester aufzunehmen, allerdings ohne Hauptsystem.
Hallo Rainer, ohne Hauptsystem, ehrlich? Mir gefällt nicht, dass dann oft dynamikabhängige, unschöne Effekte auftreten in Bezug auf den Klang (Obertöne!) gerade der Blasinstrumente. Überhaupt geht der natürliche Eindruck der Dynamik oft verloren, wenn kein frühes Reflektionsmuster des Ensembles (Hauptsystem!) hinzugemischt wird. Daneben ergibt sich oft das Problem der geringen klanglichen Ensemblewirkung. Wie löst Du das? Oder ist Dir dies nicht als Problem / störend aufgefallen? Mich interessiert es deswegen, weil ich derzeit vor allem in einem mittelgrossen Studio Aufnahmen mache und dabei viel von einem guten Hallgerät verwende (Solist + Klavier, kleine Kammermusikgruppen). Damit kommt man ziemlich weit, aber es ist schon sehr schwer, einen natürlichen Eindruck von Dynamik und Klangfarbenänderungen zu erreichen. Gr. Dirk
Auch wenn ich nicht Rainer bin, möchte ich einwerfen, dass bei Blasorchestern die Gruppem nie ausgeglichen klingen. Aber der Dirigent wünscht sie immer ausgeglichen zu hören. Also die Dynamik muss stark verringert werden. Höre dir ein volles Tutti, dann ein Tutti aller Blechbäser und dann ein Tutti aller Holzbläser an. So etwas wird gern als Kontrast komponiert oder arrangiert. Das "Holz" fällt dabei immer zu stark ab. Da muss man etwas dagegen tun. Man kann ja über den Dirigenten ein Koinzidenzmikrofon X/Y 135° Niere/Niere positionieren. Nur müssen die Stützen im Pegel recht hoch gefahren werden, so dass es schon konsequent ist, gleich von Anfang an auf das Hauptmikrofon zu verzichten. Ein Problem erkenne ich hier noch klangmäßig in den anwesenden Perkusionisten, die selten angepasst spielen.
Hallo Rainer, vielen Dank für den Link. Aber eine solche Mikrofonanordnung braucht einen intensiven Soundcheck mit dem Orchester. Ich habe ja geschrieben, dass ich nur ca. 15 Minuten zur Verfügung habe, und daher habe ich nur "einen Schuss" frei. Selbst ein Decca Tree + Stützen und Outrigger ist in dieser kurzen Zeit eher nicht sauber zu stellen. Die Musiker reisen aus ganz Deutschland an und daher ist das zeitlich nicht anders zu machen und soll daher auch nur ein Mitschnitt und nicht eine echte CD Produktion werden. Wenn ich mehr Zeit zur Verfügung hätte wäre deine Aufstellung zumindest ein sehr guter Einstieg (und mein Ansatz auch ein ganz anderer - sicherlich hätte ich dann mehr als 16 Kanäle zur Verfügung) Deshalb 'liebäugele' ich ja auch mit dem Kugelvorhang, evtl. stelle ich noch spasseshalber ein Decca Tree (hab den Tascam DV-RA1000 DSD Recorder zum Testen) und lass das einfach mal mitlaufen. Gruss Gerhard
Hallo Dirk, ich bin zwar nicht angesprochen, aber ich bin Holzblaeser. Bei Teppichboeden verwende ich auch immer Holzplatten. Hin und wieder aber auch Grenzflaechen-Mics. Gruss, Mathematiker
Hallo Gerhard, erkundige Dich bitte vorher ueber die Sitzordnung. Es gibt etliche Varianten (floeten und Klarinetten links, Klarinetten links und Floeten rechts, Floeten links und Klarinetten rechst, Schweres Blech links oder rechts, Percussion hinten in der Mitte oder im Eck etc. etc.) Gruss, Mathematiker
Hallo grosser Guru der Zahlen, steht schon auf meiner Frageliste, genau wie die Frage, ob man evtl. umsetzen kann (wegen der Klangbalance). Ist sicher bei so einem Bedarfsorchester leichter als bei einem RSO, wo Leute nervös werden, wenn der gewohnte Nebenmann fehlt .-) Trotzdem Danke für den Tip Gerhard
hallo guest, hab schon ziemlich viele domains. hier sind sie alle;-o) http://www.alexander-ness.de/sitemap.html viele seiten sind leider noch nicht fertig. aber rettet-barry hab ich jetzt fertig. den überblick verliere ich momentan noch nicht. warum, magst eine abkaufen;-o)? gruss alex
Hallo, Grenzflächen erscheinen mir eher unpraktisch, da ich gerne eine Mischung aus direktem Klang des Instrumentes und den Bodenreflektionen aufnehmen möchte - gerade bei Klarinetten gibt es beim Fehlen des reflektierten Schalls sehr merkwürdige Effekte. Aber um ehrlich zu sein habe ich es nie probiert. Weshalb setzt Du denn die Grenzflächenmics ein? Dirk
Das hat mit dem Abstrahlverhalten zu tun. Bei Solo-Aufnahmen (seltener) oder zB. Kl./Ob. plus Klavier (oefter) sitzen bei mir alle Musiker, sie stehen nicht. Die Instrumente strahlen zwar vorwiegend durch die Tonloecher ab, dh. nach vorne oben, gerade die Toene mit langen Luftsaeulen strahlen aber am Meisten durch den Becher ab. Bei Klarinetten klingt das in der Clarin-Lage etwas waermer, bei Oboen (je nach Instrument) etwas spitzer/heller. Durch die Verwendung des Grenzflaechen-Mic als zusaetzliche Stuetze bekomme ich diese Klangeigenschaften als Direktschall und kann sie je nach Geschmack dazumischen; das Hauptsystem ist dabei etwas weiter weg. Das Mic liegt also bei Oboen ca. 0.90-1.10 m vor dem Musiker; Klarinetten hingegen haben eher die Tendenz, zwischen die Beine zu spielen - da kommt dieses Mic also seltener vor; spielt der Musiker hingegen etwas aufrechter und bewegt sich nicht zu stark, so ist das Mic ca. 70cm vor dem Musiker. Probier's aus; kannst es ja spaeter nach eigenem Geschmack zumischen oder weglassen... Gruss, Mathematiker
ich löse das Problem in solchen Fällen mit künstlichem Nachhall. In dem besagten Fall wäre es auch für das Publikum störend gewesen einen zusätzlichen Ständer vor die Bühne zu stellen für ein HS und abhängen war aus Zeitgründen nicht möglich. Auch waren die Entfernungen nach den Seiten hin zu groß, sodaß ein HS nur wenig Sinn gemacht hätte.
Moin, gestern gelaufen. Habe mich (Dank eurer und EBS's Hilfe) für einen Kugelvorhang mit 5 Mikros (alle KM - MHBO 648 + 4x KA 100DK + 1x KA100 -Special Version- mit nur 3-4 dB DF Anhebung als Center - hab leider nicht soviele Schoepse) entschieden. Die gesamte Bühne war etwa 10m breit. Das Center Mikro stand etwa 1,5-2 m vor den anderen Mikros. Alle Mikros auf Hochständer ca. 4 m und ca 2,5 m vor dem Orchester Das Ganze ist dann auf einem Masterlink mit 24/96 gelandet und hört sich verdammt gut an. Wir hatten: Schlagwerk vom Glockenspiel über Marimba und 4 Pauken bis zur grossen Trommel und daher mit 5 Spielern die ganze Bandbreite, 6 Trompeten, 3 Posaunen und 4 x Tuba, 5 x Horn, 5 x Sax, 2x Bassklarinette, 4x Euphonium, 3 x Fagott, 2 x Oboe, 8 x Klarinette, 5 Flöten, Harfe und Solo Sax. (dem hatte ich zwar noch eine Stütze gestellt, war aber nicht notwendig allerdings hätte ich die Harfenstütze doch noch etwas mehr aufziehen sollen.) Eberhard's Seite: ttp://www.sengpielaudio.com/VerteilenVonFuenfPhantomschallquellen.pdf hat sich als überaus hilfreich erwiesen. Nur musste ich die 9dB/65% nach Gehör einstellen. Hat aber auch ganz gut geklappt. Viele Grüsse Gerhard