Basisbreite A/B

Erstellt 10 Antworten11 Beiträge
Startbeitrag#1
Ich habe am Wochenende die F-Moll Messe von Bruckner vor der Brust. Das Orchester steht relativ eng und tief, weil in der Kirche ein Taufstein die maximale Breite von 8m im vorderen Bereich stark begrenzt.
Von oben betrachtet steht das Orchester fast wie ein gleichseitiges Dreieck mit einer der Spitzen zum Dirigat.
Ich werde deshalb mit einem A/B mit Kugeln als Hauptsystem und Stützen für Streicher Holz/Blech/Pauken/ Solisten sowie den Chor arbeiten.
Das Hauptsystem steht direkt hinter dem Dirigat ca 2m vor der 1.Violine. Unter der Annahme volle LS-Basisbreite bei 1ms und 8m Bühnebreite ergäbe sich als Ausgangspunkt für die A/B Mikrobasis 38cm. Dann würden allerdings die hinteren Instrumente, die ja dann immer breiter stehen nicht mehr richtig abgebildet (zu weit außen). Ich werd jetzt lieber die Mitte des Orchesters als Abstand zwischen Hauptsystem und Bühnekante ansetzen, das sind ca. 6m, und mit ca. 60cm A/B Mikrobasis in die Sache hineinstarten.
Ist diese herangehensweise o.k. ?
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Antwort#2
Hallo,
neben der "korrekten" Abbildung gibt es ja noch andere, z.B. künstlerische Kriterien, die die Wahl des Hauptmikrofons bestimmen. Aus Erfahrung wiess ich, dass ein A/B von 38cm alleine (also ohne Outriggers, Raummikrofon) viel zu schmal ist und meist nur in Problemfällen eine Lösung darstellen kann. 60cm sind da schon besser, für mich persönlich aber immer noch zu schmal.
Man sollte neben der Abbildung nicht vergessen, was der Abstand von einem Mikrofon zu einem Instrument ausmacht. Ich arbeite meist mit 4 Mikrofonen auf einer Linie als HS, wobei das Paar in der Mitte ca. 35cm, die beiden äusseren ca. 3m von einander entfernt sind. Damit sind schon einmal die Streicher ziemlich direkt unter den Aussenmikrofonen, das Blech spielt auch in diese Richtung, und das Mittelpaar sorgt in Kombination für ordentliche Abbildung und fängt genügend Holzbläser etc. ein. Dabei sind meine Mikrofone eigentlich immer 45 Grad nach aussen gerichtet, und allle 4 sind Druckmikrofone.
Gr.
Dirk
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Antwort#3
ebs sagt: 100% ergibt sich aus 1,5 ms. 1 ms ergibt nach ebs entsprechend eine schmalere aber dafür homogenere Abbildung ohne "Mittenloch" (meiner Meinung nach ist das aber nur sinnvoll, wenn man ohne Stützen arbeitet, denn mit Stützen läßt sich ja so einiges an Abbildung "knüppeln"). Grob überschlagen ergibt sich bei den angedachten 6 m Abstand ein gewünschter Aufnahmebereich von ca. 70°. Aus der ebs-Tabelle (www.sengpielaudio.com/AufnahmebereichWichtigeWerte.pdf) kann man dazu d=90cm für 100% ablesen.
Ich persönlich würde d eher etwas größer als für 1,5ms wählen, dann werden zwar die Streicher etwas auseinandergerissen, man kann aber mittels Centerstütze die Bratschen wieder in die Mitte knüppeln, und hat eine gute Abbildung der Bläser bei gleichzeitig etwas "flankierenden" Streichern. Mit Outrigger-Streicherstützen sollte das aber auch in den Griff zu kriegen sein.
Mag sein, daß das, was ich hier schreibe, was mit meinem neuentdeckten Faible für den Decca-Tree zu tun hat :)
Ich könnte mir allerdings auch, wenn das Orchester "eng und tief" steht, gut vorstellen, mit zwei oder drei gestaffelten ORTFs zu arbeiten, denn AB übertreibt die Tiefenstaffelung ja eher. Könnte einige Stützen sparen...Meinungen?
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Antwort#4
Hallo,
persönlich würde ich immer dazu tendieren, die stützen dort zu pannen, wo die dementsprechende Quelle sich im Hauptmikrofonsignal befindet. Ansonsten gibt es - abgesehen bei grossen Abständen - immer Probleme mit doppelter Abbildung.
Ähnliches sollte man sich auch bei der Verwendung und Überlappung von mehreren HS überlegen.

Deine Ausführung über Tabellen mit Laufzeiten bzw. Pegelunterschieden kann eine hilfsreiche Stütze in der Praxis bieten - ist jedoch nie genau so der Fall. Jede Akustik weicht ein wenig von der anderen ab, plus dass es eben die Frage ist, ob man aus künstlerischer Sicht eine nicht verzerrte Abbildung von L nach R überhaupt haben möochte.
Gr.
Dirk
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Antwort#5
Natürlich sind Tabellen nur Ausgangsrichtwerte - ganz abgesehen davon, daß ebs auch nicht unbedingt jedermanns Sache ist. Die ganze Aufnahmebereichs-Sache entstammt Experimenten - und wenn man die Versuchsanordnung anders macht, könnten da auch abweichende Werte herauskommen. Übrigens gibt ebs für 70° auch 60cm an: die gelten dann für die schmalere aber gleichmäßigere Abbildung.
Mehrere Hauptsysteme erfordern natürlich - das hätte ich gleich dazuschreiben sollen - entsprechende Verzögerungen. Doppelabbildungen lassen sich durch Nutzen des Haas-Effekts weitgehend vermeiden und sind insbesondere bei räumlich ausgedehnten Gruppen (wie Bruckner-Streichern...) von sich aus nicht allzu auffallend. Anders natürlich bei Bläsern.
Die "flankierenden" Streicher sind sicherlich Geschmackssache...
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Antwort#6
Entschuldigung,
aber trotz all dieser Rechnerei, falls du bei einer Probe vor dem Konzert (was meistens der Fall ist) Zeit hast, dann hör doch einfach rein!
All das Theoriegepfrickel ist je nach Akkustik umsonst und mann muss improvisieren. Wenn man eine evtl Microumbauzeit für die Hauptstütze einplant ist das der bessere Weg. Die Ohren sollten entscheiden wie eure Micros zu stehen haben, und keine Tabellen!
Oder gibt es mittlerweile auch Tabellen von der SAE im Stil von:
Kölner Dom mit abgewandelter Haupstütze-ORTF; 145° und eine Grenzfäche beim Alter ins Schiff zeigend...bla bla...
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Antwort#7
Ich habe noch niemanden erlebt, der seine Ohren weglegt und diese "blind" durch verworrene Mikrofon-Tabellen ersetzt.
Nur das Grob-Tuning des Hauptmikrofons in Laufzeit (Mikrofonbasis) und Pegeldifferenz (Achsenwinkel) vorausplanen und dann das Fein-Tuning durch die Ohren vornehmen und nachjustieren ist eine feine Sache. Dann weiß man wenigstens ganz sicher was man tut und woran man dreht. Auch spart man dadurch beim Abhängen von Mikrofonen oft ein mühsames Umhängen. Es schadet sicher nicht, zu wissen, dass 1 bis 2 Millisekunden als Laufzeit ausreichen, um für eine Phantomschallquelle volle Lautsprecherauslenkung zu bekommen oder auch 15 bis 20 dB.
Wenn man von all diesem nichts weiß oder auch nicht wissen will, dann "muss" man eben, alles von Anfang an mühsam ausprobieren und man ist dabei immer sehr unsicher. Das lässt sich aber doch klar vermeiden.
Wer zur Aufnahme jedoch mit Audio-Kurven erscheint, der hat sicher schon gleich verloren.
Gruß Julius
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Antwort#8
Der durchschnittliche SAE-Diplomkurs-Absolvent ist mit dem Kölner Dom wahrscheinlich sowieso ziemlich überfordert...ist ja auch wirkclih nicht das Kerngeschäft der SAE...
Alle Rechnerei kann nur Ausgangspunkt sein und vor groben Fehlern bewahren. Ein gutes Gesamtkonzept, welches man in der konkreten Situation entwickelt, ist durch nichts ersetzbar. Vor allem nicht durch Internetforen, wo niemand den betreffenden Raum oder gar die konkrete Situation kennt. Was wir hier machen, ist nur das Aufzeigen von Möglichkeiten und Wegweisern. Den Weg gehen muß jeder selbst.
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Antwort#9
"Wer zur Aufnahme jedoch mit Audio-Kurven erscheint, der hat sicher schon gleich verloren."
Das ist nur die halbe Wahrheit. Vollständig müßte der Satz lauten: Wer ... mit Audio-Kurven erscheint und sich allein auf diese verläßt, ohne mit den Ohren und dem Gehirn zu kontrollieren, der hat ... verloren.
Wir sind uns eigentlich einig, Julius, daß meistens eine Kombination von Berechnen und Hören - in Verbindung mit möglichst viel Erfahrung! - am schnellsten zum Ziel führt.
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Antwort#10
Mein Lehrer und Mentor meinte immer:
Ich kann nur Hebamme sein, gebären musst Du schon selber.
So ist es meiner Meinung nach mit allen "Aufnahmeanleitungen" zu handhaben.
Georg


http://www.tonzauber.com
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Antwort#11
Oder, um den Kochrezept-Vergleich mal wieder aufzuwärmen (oh, welch Kalauer...)
Man nehme 1 Teelöffel Salz und 2 Suppenlöffel Erbsen. Nach Geschmack mit Pfeffer oder Curry würzen.
Was für Erbsen? Wieviel Gramm entspricht ein Teelöffel und wieviel Gramm ein Suppenlöffel? Mag ich Pfeffer oder Curry lieber?
Jaaa, liebe Hausfrauen: Ihr müßt schon wissen, was eure Männer und Kinder gern essen ;) (ok, ein Euro in die Chauvi-Kasse...)
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