Ruhe in die Kapseln bringen...

Erstellt 10 Antworten11 Beiträge
Startbeitrag#1
Moin leuds,
ich hab folgendes problem: meine oktava nierenkapseln zünden die ganze zeit rum. das erzeugt tieffrequentes knistern ohne ende. ich hab das mal gelesen, das sowas beim "anblasen" einer kapsel passieren kann, und durch die feuchtigkeit verursacht wird. ich habe aber auch gelesen, dass die kapseln normalerweise irgendwann wieder ruhe geben.
bei diesen oktavas ist es mir schon bei der ersten recording session aufgefallen, ich hatte sie über nacht in dem raum wo mein klavier steht (konstant 70-75% feuchtigkeit) und da gings dann schon los morgens, eine nacht wieder in die box gelegt... und vorbei wars. nun ist es aber schon seit längerem wieder so jedesmal wenn ich sie auspacke, daher benutz ich sie meistens gar nicht erst oder nur mit den anderen kapseln(kugel &hyper) welche diese probleme scheinbar nicht haben.
weis jemand RAT ?
wäre echt dankbar!
dangge
dB
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Antwort#2
Das Problem ist allgemein bekannt von Kondensatormikrofonen in NF-Schaltung. Die Ursache liegt darin, daß die Kapsel mit der Zeit verstaubt und wenn der Staub feucht wird, bilden sich Kriechströme die dann zu dem Knacken und Krachen führen.
Als Abhilfe hierfür rate ich: Die Kapseln in einen Exikator legen mit Phosphorpentachlorid. Darin kann man die Luftfeuchtigkeit bis auf unter 1% herunter bringen. Oder auch eine Plastikdose (z.B. dies "Lock&Lock"-Dosen wie man sie in der Küche verwendet mit Silicagel füllen und die Kapsel darin mal so 1..2 Tage drin lassen.
Wenn dann die Störungen immer noch nicht weg sind, muß das Mikrofon zum Hersteller oder zum Sevice eingeschickt werden.
Nur für Spezialisten: Kapsel soweit öffnen bis die Membran zugänglich ist. Diese dann mit einem Wasserfarbenpinsel mit destilliertem Wasser vorsichtig reinigen, dann mit einem trockenen Löschblatt abtrocknen und anschließend wie oben beschrieben austrocknen. Aber wie gesagt: Letzteres sollte man nur machen wenn man sicher ist, daß auch die Kapsel wieder voll funktionsfähig zusammengebaut werden kann.

MfG
Rainer
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Antwort#3
danke, ich versuch ma version A.
grüsse
David
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Antwort#4
Hallo dB!
in dem raum wo mein klavier steht (konstant 70-75% feuchtigkeit)
Ich finde die Luftfeuchtigkeit auch für ein Klavier zu hoch!
Die Feuchtigkeit setzt sich auch in den Filzen ab, was den Klang des Instrumentes "matschig" werden lassen kann. Ich habe anfänglich ebenfalls den Fehler gemacht, meinen alten KAPS auf 65 % Luftfeuchte zu halten, in dem Glauben, die Stimmhaltung würde daduch besser, weil sich der Stimmstock ausdehnt und die Wirbel besser sitzen.

Versuche mal, langsam auf 60 % herunter zu kommen. Ich vermute, Du hast einen Raumluftbefeuchter? Ich habe meinen Venta (im Winter auch zwei) über einen Hygrostaten angeschlossen ...
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Antwort#5
...hallo, ähh der klavierbauer von dem ich es gekauft habe, hat mir das so empfohlen...
aber ein versuch ist es wert ich senke mal ab auf ca. 65%, muss eh bald nochma stimmen..
meinst du 75% ist für mikros insgesamt zu hoch?
grüsse
David
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Antwort#6
Solange die Kapsel nicht verstaubt (siehe mein erstes Posting) machen die 75% Luftfeuchte nichts. Die Firma Neumann testet ihre Mikrofone mehrere Stunden in einem Feuchtraum mit nahezu 100% Luftfeuchte (da läuft das Wasser den Wänden herunter!). Dabei dürfen die Mikrofone nicht knacken oder krachen.
EIn Tipp: Lege in Deine Mikrofonetuis oder Mikrofonkoffer von diesen Silicagel-Päckchen - mache ich auch so.
Grüße
Rainer
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Antwort#7
Es gibt nur zwei "vernünftige" Gründe, eine solch hohe Luftfeuchtigkeit für ein Klavier zu halten:
- Der Resonanzboden hat keine Spannung mehr. Durch die aus der Luft aufgenommene Feuchtigkeit dehnt er sich wieder aus - woraus eine höhere Wölbung resultiert und damit die Spannung im Resonanzboden und vor allem der Druck der Saiten auf den Steg steigt.
Feine Risse des Bodens können sich durch die Ausdehnung auch schließen. Solange keine Nebengeräusche durch einen Riß entstehen, stört er aber nicht ...
Eine Restaurierung (gefällt mir in dem Zusammenhang besser als "Reparatur") ist zwar aufwendig, kann sich aber bei manchem Instrument lohnen.

- Die Stimmwirbel sitzen nicht mehr fest genug im Stimmstock. Dies kann "Verschleiß" sein oder auch ein Riß im Stimmstock. 240 Stimmwirbel austauschen ist zwar viel Arbeit, gehört aber zum "täglichen Brot" eines Klavierbauers (nicht -stimmers!). Stimmstock austauschen ist allerdings ein Job, der mühselig ist und den kaum ein Klavierbauer gerne macht.

Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit quellen die Filze und Leder im Klavier auf. Es sind nicht nur die Hammerköpfe, die dann einen "matschigen Sound" verursachen. Auch die Spielbarkeit leidet
Und die Metallteile nicht zu vergessen: Saiten, insbesondere der Baßbezug korrodieren, ebenso die Führungsstifte für die Tasten und manche "Zierteile" wie z.B. auch die Füße oder Rollen setzen Grünspan an ...
(Nicht umsonst sagt meine Lebensgefährtin - eine Klavierbauerin -, 80 % der Wartungsarbeiten sind Reinigumgsarbeiten.)

Zu den Äußerungen von Rainer zu "Mikrofone & Luftfeuchtigkeit" sei nur hinzuzufügen, daß es durchaus Sinn macht, seine Mikrofone in regelmäßigen Abständen zur Überholung und Reinigung zum Hersteller zu senden. Da ist natürlich der im Vorteil, der mit Produkten deutscher Hersteller arbeitet.


und zum Schluß noch ein wenig Werbung: www.klavierbauerin.de ;-))
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Antwort#8
Das Problem hatte ich mal mit einer Schosps MK4 Kapsel. Alter 10 jährig und bis dahin noch nie im Service. Leicht erhöhte der Luftfeuchtigkeit hatten eben genau so ein Prasseln und Knistern verursacht, in trockener Umgebung wars ok, aber die Bedingungen waren somit äusserst unzuverlässig.
Mich hatte das schon ziemlich geärgert, da ich sehr auf sachgemässe Lagerung wert lege, aber ich habe fast den Verdacht, mir entweder jemand bei ner Sprachaufnahme reingespuckt hat (Kinder vor hochwertigen Mikrofonen nie unbeaufsichtigt lassen!!! :), oder auch dass das Einlagematerial der alten Aufbewahrungsbox bröselig geworden sein könnte (der Schaumstoffwindschutz altert ja auch...).
Reperatur/Service im vergangenen Jahr bei Schoeps lag dann bei ca. 65.-Euro pro Kapsel (+Porto/Verp.) nur damit man mal ne Vorstellung hat, was das so kostet :)
Ich hab das dann gleich für ein Kapselpaar machen lassen und eigentlich ist so ein Service nach 10 Jahren durchaus vernünftig, oder? Selber da drangehen würde ich nicht.
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Antwort#9
Hallo Rainer,
Phosphorpentachlorid ist (wie alle Phosphor-Halogene) was ganz, ganz, ganz böses. Glücklicherweise nur für Fachleute in zugelassenen Anlagen und dann mit Endverbleibserklärung und ggf. Einzelgenehmigung der BAM zu erwerben. Und es macht auch in der Regel was ganz anderes - es erzeugt z.B. mit Feuchtigkeit Chlorwasserstoff (vergleichbar mit Salzsäure) der Dein Mikro schön zersetzt. ;-)
Du meinst sicher Phosphorpentoxid. Das ist im Laborbereich durchaus noch zum Entfeuchten zu finden. Calziumchlorid aus dem Baumarkt (ja, diese Entfeuchter- Würfel) sind allerdings um Größenordnungen billiger und wesentlich ungefährlicher (da keine Säure entsteht und auch bei direktem Wasserkontakt keine größere thermische Reaktion auftritt), somit auch für "Laien" erhältlich.
Sorry für die Klugsch***erei...

Swen
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Antwort#10
Hallo Stefan,

ich hatte ebenfalls mit einer Schoeps MK5-Kapsel das Problem. (bitte - wir wollen auf keinen Fall Schoeps schlecht machen, das passiert bei allen Herstellern!)
Ich hatte mit Herrn Wuttke telefoniert und er sagte mir, daß bei den älteren Etuis mit den Samteinlagen feinste Fusseln in die Mikrofonkapseln gelangen und dann wenn diese feucht werden, zu diesen bekannten Störungen führen.
Die neuen Etuis von Schoeps werden daher nicht mehr mit Samt ausgelegt, sondern mit einem beständigen Schaumstoff. Bei Neumann ist man von dem Samt auch abgekommen, die neuen sind ebenfalls mit Schaumstoff ausgelegt.

MfG
Rainer
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Antwort#11
Hallo Swen,

es kann sein, daß es Phosphorpentoxid ist. Ist schon einige Jahre her, daß mir das ein Chemiker mal sagte und ich will nicht abstreiten, daß ich das damit verwechselt habe. Hoffentlich hat es deshalb noch keine Schäden gegeben.
Ich nehme die Beutel mit dem Silicagel.

Grüße
Rainer
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