Herr EBS schrieb:
Dazu wäre der Wuttke-Beitrag "Wie universell kann ein Mikrofon sein?" sehr
lesenswert - unter der URL:
http://www.schoeps.de/D/PDFs/Mikrofonbuch_Kap.7.pdf
Die Sennheiser-Leute mit ihrem Frequenzgang - der linealgerade bis herunter
zu 40 Hz ist - können sich auch nur an die Gesetze der Physik halten. Sie
geben an, dass der Frequenzgang im reflexionsarmen Raum in einem Abstand von > 1 m gefunden wurde. Da wir nie in einem frequenzarmen Raum bei einem Meter
Abstand aufnehmen, wird also dieser ideale Frequenzgang bei den Bedingungen, > die der Kunde hat, nie vorliegen.
Wer also ein Mikrofon mit Kugel-
Charakteristik bei einer Orgelaufnahme neben einem Mikrofon mit Achter-
Charakteristik vergleichend aufstellt, wird den Tiefenabfall beim
Achtermikrofon hören. Also nicht den theoretischen Frequenzgang ansehen -
besser ist hinhören.
Danke, ich habe mir die gedruckte Ausgabe mal schicken lassen (und bezahlt, natürlich... - Wens interessiert: kostet schlappe 5 EUR), das Kapitel werde ich mal lesen.
Zum Verständnis des Nahbesprechungseffekts zitiere ich hier Andreas Gernemann:
http://www.uni-koeln.de/phil-fak/muwi/ag/umdruck/mikro.pdfBeim Druckgradientenempfänger kommt eine Druckdifferenz zwischen zwei Punkten A und B vor bzw. hinter der Membran nur durch die unterschiedliche Phasenlage einer Schallwelle in den jeweiligen Punkten zustande. Da der Abstand dieser Punkte bei realen Mikrofonen sehr gering ist, sind die Phasenwinkel und damit die Druckdifferenz für große Wellenlängen sehr klein. Mit kleiner werdender Wellenlänge steigt bei konstantem Schalldruck die Phasendifferenz zwischen den Punkten und damit der Druckgradient an, bis er bei einer bestimmten, für jeden Mikrofontyp charakteristischen Frequenz mit Delta Phi = 180° maximal wird. Dieser frequenzabhängige und entfernungsunabhängige Unterschied wird durch eine frequenzabhängige Dämpfung (konstruktive Maßnahmen in der Kapsel: Weich aufgehängte, tief abgestimmte Membran, Masse und Reibungshemmung, also durch ein akustisches Filter (Tiefpass: tieffrequente Anteile werden verstärkt bzw. hochfrequente Anteile gedämpft) kompensiert, so dass im Fernfeld bzw. für einen bestimmten Schallquellenabstand ein möglichst lineares Übertragungsverhältnis entsteht, das bei realen Mikrofonen nur annäherungsweise möglich ist. Im Nahfeld nimmt jedoch die Schallschnelle (und damit der Druckgradient) nicht mehr umgekehrt proportional mit der Entfernung zu, sondern steigt erheblich stärker mit dem Quadrat der Entfernung an. Dieser entfernungsabhängige Unterschied ist frequenzunabhängig, durchläuft aber ebenfalls das akustische Filter. Daher übertragen Druckgradientenmikrofone bei Nahbesprechung die tieffrequenten Anteile verstärkt. Über 1m entfernt spielt in der Praxis der Nahbesprechungseffekt keine Rolle. Ebenfalls wichtig: aufgrund dieser tiefen Abstimmung sind Druckgradientenempfänger viel empfindlicher für Wind- und Poppgeräusche als vergleichsweise reine Druckempfänger.
Verstehe! Was Physik angeht, kann ich zwar nichts berechnen, aber so etwas verstehe ich schon immer.
Na gut, mach' ich mir halt einen schalltoten Raum ;-)
**** Neue Frage: ****
Wenn andere Firem Frequenzschriebe veröffentlichen, sind die aber doch auch in deren schön teuren schalltoten Räumen/Kammern aufgenommen, oder machen die was anderes? Ich denke an die Achter von Neumann, Haun oder Schoeps, die haben alle einen Pi-Bogen, da in den Bässen.
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Wer so etwas aufstellen kann, hat Glück (=Zugriff auf verschiedene Mikros) oder Geld. Beides hab ich nicht, deswegen frag' ich ja so. ;-))
Beste Grüße und besten Dank euch beiden,
Christian