Hallo allerseits! Ich bin neu hier im Forum und darf mich kurz vorstellen: Ich bin 38, hab eine lange Zeit als Musiker und Komponist bereits hinter mir. Nun habe vor mich als Sounddesigner selbstaendig zu machen (via Ueberbrueckungsgeld) und hab aber noch keinerlei Erfahrung, was denn so ein SoundDesigner so verlangen darf/kann, also nimmt man da eher nen tagessatz, Stundenlohn, oder wird per Projekt abgerechnet? Moeglicherweise ist es auch mal so mal so. Toll waer bei alledem, wenn vielleicht jemand von euch mir da mal ne ungefaehre Hausnummer nennen koennte, was denn so üblich ist. Denn ich muss ganz schnell ein Konzept und einen Rentabilitaetsplan in den naechsten tagen stricken. Achja, was biete ich denn: Nachvertonung, GeraeuschDesign, Arrangement, Schnitt, Komposition, Storyboarding, Sprachaufnahmen Bin gespannt auf eure Antworten! Viele Grueße, Thomas
Hallo ThomasK, da gibt es ein ziemliches Problem mit dem Kunst- und Modewort "Sound Designer". Diese Tätigkeit macht nichts Neues, hieß aber früher nicht so. Alter Wein in neuen Schläuchen! Keiner weiß Bescheid und alle sind verunsichert. Es gibt sogar digitale Geräte, die heißen "Sound Designer". Wenn ich so ein Ding habe, bin ich dann ein "Sound Designer"? Schon nennen sich Bastler und Amateure mit einer Computer -Soundkarte einfach hochtrabend "Sound Designer" und nichts ist dahinter - wirklich nichts. Du solltest dir besser einen klareren Namen für deine Tätigkeit zulegen. Bei Designer denke ich eher an "Mode" und anderen unnötigen Schnickschnack. Preislich ist der Name Sound Designer ganz tief unten angesiedelt. Der Name Diplom-Ingenier für Elektrotechnik rangiert dagegen recht hoch.
Sounddesigner im Postpro-Bereich ist eigentlich relativ klar definiert, und man verdient bei guter Arbeit auch nicht schlecht. Ich habe aber noch nie einen Dipl.Ing E-Technik gesehen, der diesen Job macht ;-) Don
Hallo Don Bass, schön, dass du weißt, wie der Sounddesigner im Postpro-Bereich relativ klar definiert ist. Was ist Postpro-Bereich? Schreib doch mal hier in diesem Forum deine Definition von "Sound Designer" auf. Selbst das Arbeitsamt kann nicht sagen, was das ist: ein Stylist für Sound (anstatt Haare). Wie macht man seinen Job? Dirk
"Schon nennen sich Bastler und Amateure mit einer Computer -Soundkarte einfach hochtrabend "Sound Designer" und nichts ist dahinter - wirklich nichts." Oh, wie Recht Du doch hast. Wenngleich durchaus Sounds mit dem Rechner produziert- und auch vollständig generiert werden. Das Wesentliche daran ist aber das Musikalische. Das Technische ist heute kein Problem mehr- daher meint ja auch Jeder, das machen zu können (und zu müssen!). "Du solltest dir besser einen klareren Namen für deine Tätigkeit zulegen." Ja, am Besten z.B. etwas wie "Herr Michael Mustermann, Dipl-Musiker, Komposition und Filmvertonung" "Bei Designer denke ich eher an "Mode" und anderen unnötigen Schnickschnack." Kommt drauf an. Wenn Du Sounds für Synthesizer und Keyboards machst, hat das durchaus was mit der aktuellen Klang-MODE zu tun, ich sehe den Soundcreateur auch generell durchaus als Pendant zum Modedesigner. Ob man Erfolg hat und gefragt ist, kommt auf den Namen und das Genre an. Wenn Du erstmal drin bist, bist Du drin. (Wobei ich aber sofort mehrere Namen aufzählen könnte, die völlig gerechtfertigt "drin" sind) "Der Name Diplom-Ingenier für Elektrotechnik rangiert dagegen recht hoch." In der Tat, nur garantiert der Titel und selbst das zugehörige Können keineswegs für musikalsiche Fähigkeiten und damit guten Sound (s.o.) und umgekehrt auch nicht für Aufträge von Kunden. (Ich meine hier durchaus in beiden Punkten mich selber). Ich habe wohl keinen einzigen Soundauftrag wegen meines E-Tech-Diploms bekommen, da die meisten aus einer Zeit stammen, in der der Titel gerade noch Arbeit war :-) und ich für meine technischen Fähikeiten (E-Proms brennen) auch kein Diplom brauchte, wohl aber ein Topstudio mit entsprechenden Aufnahmemöglichkeiten für klassische Instrumente, das ich allerdings sehr wohl zur Verfügung hatte. Was für die andere Sparte weiter entscheidend war, waren die Kontakte und mein damaliger Erfolg in der Computer/Trance-Musik. Wie oben schon angedeutet, braucht man heute weniger technisches Equipment, bzw es ist billiger. Top-Synthies sind durchaus mit Software zu ersetzen, wobei ich, was Sounddesign in meinem Sinne angeht, lieber am Access Virus und den EMU-Geräten herumschraube, statt die Maus zu schieben. Es gibt aber noch mehr erwähnenswerte Umstände: In den 80ern musstest Du z.B. MOD-Formate beherrschen, ordentlich loopen können und z.B. als Spielemusiker auch Assembler programmieren können. Heute dudeln vielfach nur noch mp3s ab. Der Soundlieferant muss also kaum mehr liefern, als eine CD mit WAVs. Technik-Können ist nicht mehr so gefragt. Die bekannten Keyboardhersteller z.B. vergeben praktisch kaum noch Aufträge extern, und wenn, dann nur an sehr bekannte Musiker, die ihren Namen dahintersetzen- aus Repräsentationsgründen. We man aus "gewissen" Häusern hört, geht es auch den (japanischen) Keyboardherstellern nicht mehr so gut, als dass sie noch teure ->Soundingeneure in Deutschland beschäftigen. Man käuft lieber die neueste Sample-Lib-CD von Spectrasonics oder Vienna Symphonic und murmelt sie ein wenig um- dann hat man auch ein neues Keyboard-Eprom, gelle? Was Spielemusik angeht, so haben die meisten professionellen Macher einen festen Komponisten an der Angel und die kleineren Labels können nicht viel bezahlen. Wenn Du nicht selber als C++Guru an einem Spiel dran bist und den Sound gleich mitlieferst, kommts Du kaum irgendwo rein, wenn es lukrativ sein soll. Aber selbst hier schreiten die Funktionalitäten der game und sound engines fort und man braucht immer weniger technisches Können, um diese zu nutzen. Das einzige, was Du als Musiker ohne erweiterte technische Kenntnisse machen kannst, ist Filmmusik, Ohne ein Studium an einer Kunsthochschule/Film geht da wenig, aber Du hast ja Erfahrung als Kompo und kannst etwas vorweisen. Allerdings ist auch hier ein Qualitätsverfall beobachtbar. So ist festzusetllen, daß vermehrt mit sterilen Libs gearbeitet wird und die kann ja wiederum jeder bedienen, was die Machbarkeit erleichtet und die Preise drückt. ANspruchsvoll wird es erst wieder, wenn man auch voll produzieren kann. Dann muss man aber Mehrkanalsysteme gut kennen und Kinoformate liefern und zwar in überdurchschnittlicher Qualität (-> Surrundsoundforum) und da waren wir wieder beim Toningeieur angelangt. (und für den wird die Luft immer dünner!) Falls Du tatsaechlich den Dipl.-Ing. (E-TEchnik) hast, wie von meinem Vorredner beispielhaft eingeworfen wurde, dann arbeite als Ingenieur und betreib' die Soundgeschichten als Hobby. Dann kannst Du den Sound machen, der Dir gefällt und musst Dich nicht mit Auftraggebern herumärgern, die auf die Kosten blicken. Am Ende kommt mehr musikalische Qualität bei Deinen Projekten raus und mehr Geld auf dem Konto rein. Ach ja, mein aktuelles Soundprojekt in Sachen Kurzfilmvertonung bringt so um die 500 Euronen- bei wahrscheinlich geschätzen 50 Stunden Arbeit, wenn ich alles zusammenzähle. Viel Glück!
Hallo Emil, "Diese Tätigkeit macht nichts Neues, hieß aber früher nicht so. Alter Wein in neuen Schläuchen!" Na,das mag ja gut sein, das waer ja nicht der einzige Beruf, wo das so ist (na, wie waers mit hmm "Event-Manager" und Kultur/Konzertveranstalter), die neuen Schläuche werden eben von Zeit zu Zeit herangeschafft, weil die alten langweilig wirken? Aber darum ging es mir ja nicht, das ist bestimmt so ;) Und ob alle verunsichert sind, weil der Begriff "schwammig" ist, auch das ist gut moeglich. Ich find grad die Bezeichnung gar nicht so schlecht, denn den "Sound designen" beinhaltet fuer mich sehr Vieles, wenn ich den so auf der Zunge zerkaue (und damit mein ich nicht mal mich speziell, sondern eben "Kunden", die gar nicht wissen (wollen) was der Unterschied zwischen einem Dipl. TonIng und einem Komponisten (z.B.) ist. Und denen kann man erklaeren, was ein SoundDesigner macht, sprich was man fuer sie tun kann. Klar ist das ein Modewort, aber Moden sind ja dafuer da, dass die Leute die Mode mitmachen ;) (oder auch nicht) Aber jetzt weiß ich leider immer noch nicht, was ein "Sound-Designer", der kein Dipl.Ing ist, so nimmt...? Ungefähr... von - bis...(kratzkratz) Gruß ThomasK
Hallo studio96, "Wenngleich durchaus Sounds mit dem Rechner produziert- und auch vollständig generiert werden. Das Wesentliche daran ist aber das Musikalische. Das Technische ist heute kein Problem mehr- daher meint ja auch Jeder, das machen zu können (und zu müssen!)." Ich geb dir Recht, das Musikalische find ich auch das Wichtigste und hoff natuerlich, dass das der Auftraggeber auch so sieht ;/ Und auch dass es ein Problem, dass jeder mit Soundkart udn Rechner meint sowas machen zu müssen, das engt den Markt natuerlich ein (eben auch so ein Problem, sprich Bumerang-Effekt mit der Mode). "Herr Michael Mustermann, Dipl-Musiker, Komposition und Filmvertonung" also "ThomasK, Komposition und Filmvertonung" (hihi)
"Der Name Diplom-Ingenier für Elektrotechnik rangiert dagegen recht hoch." "In der Tat, nur garantiert der Titel und selbst das zugehörige Können keineswegs für musikalsiche Fähigkeiten und damit guten Sound (s.o.) und umgekehrt auch nicht für Aufträge von Kunden. (Ich meine hier durchaus in beiden Punkten mich selber)." Wie gesagt, der Titel kann es bei mir nicht sein, das Können MUSS überzeugen und mit den Kontakten, klar, da muss man dranbleiben...
"Technik-Können ist nicht mehr so gefragt." damit meinst du ja wohl auch kompositorisches/arrangementmaeßiges Können und nicht etwa Assembler? "Das einzige, was Du als Musiker ohne erweiterte technische Kenntnisse machen kannst, ist Filmmusik, Ohne ein Studium an einer Kunsthochschule/Film geht da wenig, aber Du hast ja Erfahrung als Kompo und kannst etwas vorweisen." Klar, das schon - aber was sind denn nun erweiterte technische Faehigkeiten? Ich finde - Instrument spielen können, singen, texten und in verschiedenen Host-Progs Musik bauen. "Allerdings ist auch hier ein Qualitätsverfall beobachtbar. So ist festzusetllen, daß vermehrt mit sterilen Libs gearbeitet wird und die kann ja wiederum jeder bedienen, was die Machbarkeit erleichtet und die Preise drückt." Jaja, das ist wohl so. "Ach ja, mein aktuelles Soundprojekt in Sachen Kurzfilmvertonung bringt so um die 500 Euronen- bei wahrscheinlich geschätzen 50 Stunden Arbeit, wenn ich alles zusammenzähle." Danke fuer deine ehrlichen Antworten, aber was ist heutzutage noch leicht? Man muss es wollen ;) Naja, mein anderes Standbein Journalist werd ich da auch noch in die Waagschale werfen muessen (aber denen geht's ja auch nicht gut) Gruß ThomasK
Ja, mit "technische Fähigkeiten" meinte ich die E-technischen. Die Aspekte "Spieltechik" etc zählte ich zu den musikalischen Fähigkeiten. Vielleicht schaust Du mal hier rein :
hi, also ich mache eigentlich auch genau den job, um den es hier gerade geht und schimpfe mich auch "sounddesigner", weil ich mich ansonsten höchstens tonassistent oder so nennen könnte, da ich in dieser richtung keine eigentliche ausbildung genossen habe ( d.h. weder tontechniker, noch elektrotechniker ) und das (@emil] ist auch sicher der grund, warum man sich mal eher so nennt, da sich eben jeder sounddesigner nennen darf mit der definition "sound design im postproduction bereich" umzugehen fällt doch eigentlich auch nicht schwer, klar sind die begriffe gerne dehnbar und gerade die "alteingesessenen" elektrotechniker-tonmänner und auch die tonmeister tonmänner sehen gerne mit abscheu auf uns quereinsteiger, was aber nicht bedeutet, das die aufgabenbezeichnung nicht mittlerweilen in der branche usus ist und solche leute auch als als diese benötigt werden. eine bewertung ist hier, wie überall, sowieso nur über referenzen möglich, ( es gibt klar die jungs, die zauhause mit soundblaster einen auf Ben Burtt machen, aber ich hatte auch schon o-ton von Tontechnikern, an dem ich bis zum erbrechen repariert habe ...) denn wer braucht schon einen fader-schiber, wenn er ein glasklirren im film haben will... das schöne am "sounddesign" ist, das man hier ein weites spektrum an tontechnik, audiosoftware und instrumentalwissen einbringen kann und oft auch benötigt. je nach grösse der produktion mache ich zum beispiel von o-ton-restauration über geräusche erfinden, recorden oder am rechner "designen" ( vielleicht ist hier der gehasste schöne begriff am besten untergebracht ) auch musik, kurz eigentlich alles, was im ausgangsposting so genannt ist. von vorteil sind also auf jeden fall sehr gute kenntnisse im tontechnikbereich ( gerade wegen musik und sprachaufnahmen ) gute pc kenntnisse, liebe zum film und musikgefühl. und wenn man das ein odere andere instrument beherrscht kann auch nicht schaden ;).... ich weiss nicht genau, was ihr so arbeitet, aber in meiner (arbeits)umbebung ist sounddesign doch den meisten ein begriff, da sie diesbezüglich gerne auf unsere dienste zurückgreifen. grüsse, flo
Joh flo! "das schöne am "sounddesign" ist, das man hier ein weites spektrum an tontechnik, audiosoftware und instrumentalwissen einbringen kann und oft auch benötigt. je nach grösse der produktion mache ich zum beispiel von o-ton-restauration über geräusche erfinden, recorden oder am rechner "designen" ( vielleicht ist hier der gehasste schöne begriff am besten untergebracht ) auch musik, kurz eigentlich alles, was im ausgangsposting so genannt ist." Dem kann ich nix hinzufuegen, bzw. doch: Diese Leistung ist naemlich gaaanz schoen viel und die Ergebnisse können höchstkomplex sein - je nach projekt und medium. aber, das level "welches mischpult hast du benutzt?" wird im besten Falle - falls Ergebnis gelungen - nicht mal gestreift. ThomasK
Hallo Dirk! Schön, daß Dich das interessiert! Eines vorweg... genießen für Dich nur Berufen anerkennung, die im Register des Arbeitsamtes stehen? Nun gut. Um es kurz zu machen: Alles, was bei Film/Reportage usw.. nicht von O-Ton oder Komponist kommt, ist der Job des Sounddesigners (der Ausdruck passt vielleicht nicht ganz, aber ich hab ihn nicht erfunden). Das kann auch Dinge von O-Ton-Schnitt bis Aufnahme von Off-Sprechern beinhalten. Hauptaufgabe ist meist das Erschaffen eines Atmo-Gefühls mittels SFX, das im Idealfall Hand in Hand geht mit der Filmmusik und des künstlerischen Gesamtkonzepts. Das ist doch ganz einfach, oder? Ob Du das jetzt Sounddesigner oder Geräuschanleger und O-Ton-Zerschnippler nennst, bleibt Dir überlassen. Ich habe ausdrücklich den Postpro-Bereich erwähnt, da der Begriff mittlerweile auch in anderen Branchen die Runde macht, beispielsweise bei künstlerischen Leitern im Theater- und Musicalbereich. Beste Grüße vom Don
Ich vergaß: Postpro beinhaltet für mich all das, was mit einem Film zwischen Kamera und Projektor passiert. Ausserdem möchte ich mich höflichst für die ca. 300 Tippfehler im verhergehenden Posting entschuldigen :-)
Angeregt durch einen Kollegen in der Firma habe ich diese gesamte Diskussion bis hierher verfolgt. Ich kann teilweise zustimmen und muesste aber auch kritiseren, vor Allem, was das Quereinsteigen angeht sowie die Tatsache, daß man trotzdem alles prima beherrscht, ich will aber nun nicht ins Detail gehen. Nur soviel: Ich finde es schon interessant, welch komplexe und anspruchsvolle Aufgaben man heutzutage ohne eine Ausbildung erfüllen kann. Wozu sind waren denn dann diese Ausbildungsberufe gleich nochmal gut? .. fragt sich euer Robert
Hi Thomas ! Schon interessant, daß sich alle vor einer Antwort drücken, wenn´s um´s Geld geht ;) Ich habe vor kurzem mit einem etablierten Toningenieur darüber geredet, und er meinte zu mir, daß Tagessätze zwischen 200 und 400 EUR netto verlangt werden. Natürlich gibt es auch Ausnahmen bzw. Leute für die man diese macht... Ich werde also am unteren Ende anfangen, dann sind die Preise nicht übertrieben und ich bekomme auch keinen Ärger mit Kollegen. Viele Grüße! -michael-
Aber du bist ja aauuuch Komponist und Arrangeur und Geräuscheeinbringer! Dein Schwerpunkt ist (wie nennst du deine leistung denn?) dann eher Ton-Techniker, meiner eher Komponist. Beide dürften wir diese Arbeit auch mit Fug und Recht SoundDesign nennen! ;) Oder?