Bandsättigung (tape saturation)

Erstellt 10 Antworten11 Beiträge
Startbeitrag#1
ThomasT schreibt in rec.audio.pro:
On a disscussion I claimed that tape saturation is only a hype today to get more loudness and compression.
I cannot assume that the older engineers used this so often in the good old days[tm] where wheels turned around in the studio. Even for Rockmusik. I think if they cared about quality they would not want to produced distortion by tape sat. Am I right?
Du hast Recht. Es ist üblich gewesen, bei Mehrspruaufnahmen allein das Schlagzeug bei einer bestimmten (!) Spielart etwa 6 dB höher als "Normal" auszusteuern. Das heißt bei den Bandsorten 555 oder 468, die man (mit 1% Klirr bei 1000 Hz) normalerweise mit mit 513 nWb pro m Tonbandbreite auf 100 % aussteuerte, wurde 5 bis 6 dB höher ausgesteuert. Also der Spitzen-Aussteuerungsmesser war dann gerade "randvoll". Es wurde nicht mehr ausgesteuert, also bis 1000 nWb/m. Schon gar nicht wurde alles so ausgesteuert. Vocals ganz bestimmt nicht. Der Drummer hat sich auch angehört, wie sein Schlag nach der Bandsättigung klang. Oft hat er dann betimmte nicht klingende Schläge weggelassen. Die allgemeine Bandsättigung war nicht interessant, sondern nur die Frequenzen über 1 kHz und nur für sehr kurze Schläge, wobei das Ohr wegen seiner Integrationszeit noch keine Verzerrungen feststellte. Die Snare klang dann mit dieser Höhenbegrenzung satter und fetter. Bei einem anderen Spielstiel, wo bei der Snare die Besen genommen wurden, wurde niemals in die Sättigung aussgesteuert, weil das eben nicht klang. Die Bandsättigung wurde nur mit Geschmack ganz gezielt und künstlerisch eingesetzt und niemals zu viel.
Die heutigen Plugins beachten nicht die Höhenbandbegrenzung und das kurzzeitige Klippen, wie es das Tonband tat. Die machen das anders und so klingt es auch, nennt sich aber fälschlicherweise Bandsättigungseffekt. Mit dem richtigen Bandsättigseffekt muss man lernen umzugehen und ihn nur zeitweise bei den richtigen Schallquellen, überwiegend die Snare, einzusetzen.
Der Künstler muss sich das anhören. Die heutige Benutzung, indem man den Pseudo-Bandsättigungseffekts auf die fertige Summe haut, ist grässlich. Das hört man aber auch.
ZitierenPost melden
Antwort#2
Jetzt trägst du die Diskussion wieder hierhin zurück...
ZitierenPost melden
Antwort#3
Trotzdem interessant, weil fundiert. Ich kann mich erinnern, daß wir die Bandsättigung, speziell bei der Snare, eher widerwillig in Kauf nahmen,
da dieses Instrument eben eine extrem hohe Dynamik hat. Und dann hat man beschlossen, dies klingt eigentlich nicht schlecht.
Aber man muß auch zugeben, daß sich die heutige Soundästethik doch stark gewandelt hat. Interessanterweise geht heutzutage- in Zeiten von 24/96 -wo man doch wesentlich mehr Dynamikumfang als "damals" zur Verfügung hätte -
der Hörtrend in Richtung Nulldynamik und starken Verzerrungen ( Ich spreche von Pop/Rock etc. ). Wen man als "Tonmensch" heute überleben will, muß man leider mit diesen Trends leben und sich auch darauf einlassen.
Doch manchmal macht´s ja auch Spaß (Ich hoffe, ich werde nicht von der Soundpolizei verhaftet). Ton und Klang ist eben auch Kunst und daher Subjektiv -Gott sei Dank-



PowerStation Studio
ZitierenPost melden
Antwort#4
Ein hallo auch noch mal,
dies ist halt der alte Streit was "besser" ist: analog oder digital. Bei allen Vorzügen, die die Digitaltechnik bietet, gibt es das ein oder andere analoge, was eben immer noch nicht zufriedenstellend zu simulieren ist. Hier sei an die diversesten Röhrensimulationen erinnert, nicht schlecht, aber eben nicht hundertprozentig. Oder man nehme die analoge Komprimierung eines E-Basses mit einem UREI 1176. Das hat seinen eigenen Charakter, das können die ganzen Plugins so nicht. Selbst im Digitalbereich ist nicht alles digitale als Plugin vernünftig machbar. So gut die verschiedenen Reverb-Plugins mittlerweile sind, aber ein Lexikon können sie nicht ersetzen. Also alles an seiner Stelle geschickt eingesetzt, wissen und hören.
Noch ein persönlicher Gedanke dazu. Bei Digital gibt es nur "geht oder geht nicht", auch bei den Geräten. Wenn digital verreckt (besonders DAT-Recorder o.ä), hast Du verloren, bei analog ist immer noch was zu löten. Die Langzeitstabilität ist auch immer noch nicht gegeben. Ich habe teilweise 30 bis 50 Jahre alte Senkel überspielt, die in Top-Zustand waren, während diverse DAT-Bänder nach noch nicht einmal 5 Jahren den Geist aufgegeben haben. Wohl dem, der noch eine Studer oder eine Revox sein eigen nennt....
Wiegesagt, wenns digital funktioniert, wunderbar, aber......

Gruß
Markus
ZitierenPost melden
Antwort#6
Scott Dorsey schreibt was interessantes:
"On most of those machines, the record electronics clipped long before modern
tapes saturate. That's a still different sound."
Ich weiss es nicht ob das stimmt, aber wenn...
ZitierenPost melden
Antwort#7
Ah tach auch,
da hätte ich noch einen Link. Da gibt es nicht nur den 1176 zum nachbauen (mit Layout) sondern diverse EQ´s und den SSL- Master Compressor... und Schaltpläne (u.a. Mackie 1604)......
Gruß
Markus
http://www.gyraf.dk/gy_pd/gyraf_diy.html
ZitierenPost melden
Antwort#8
...was denkst du wo der link (indirekt) hinführt...
ZitierenPost melden
Antwort#9
Hallo ThomasT,
bekannt ist doch, dass man niemals einen Frequenzgang zum Einmessen auf das Band gab, der Vollaussteuerung hatte. Man gab einen Messton von 1 kHz mit Vollaussteuerung 320 nWb/m = pWb/mm als Monopegel oder internationalem Pegel auf das Band oder 4,1 dB höher auch mit 513 nWb/m (ARD Stereo-Pegel) und die einzelnen Frequenztöne gab man mit minus 10 dB, minus 15 dB oder sogar minus 20 dB zum Einmessen im Pegel auf das Band. Der Grund ist die Bandsättigung besonders bei hohen Frequenzen. Bei tiefen Frequenzen ist es dann die Sättigung des Eingangsübertragers.
Wenn Scott Dorsey meint, dass der Verstärker eher klippte, als die Bandsättigung eintraf, dann stimmt das nur ein wenig. Es ist wahr, dass die Bänder in der Aussteuerung allein bei den hohen Frequenzen immer besser wurden. Aber die Bandsättigung trat trotzdem in den Höhen eher ein, als die Elektronik klippte. Wenn man einen geraden Freqenzgang bei -10 dB unter Vollaussteuerung aufgezeichnet hat, dann konnte man messen, wie bei höherem Pegel die hohen Frequenzen vom linearen Frequenzgang abwichen, also weniger wurden. So habe ich neue Bandsorten geprüft und den Pegel notiert, bei dem 10 kHz gegenüber 1 kHz um 3 dB abfielen. Damit konnte ich die Aussteuerbarkeit in den Höhen feststellen und vergleichen.
Der heute angebotene digital nachgebildete sogenannte Bandsättigungseffekt klingt ganz anders, als der wirkliche. Außerdem geht das Zurückbleibern der Höhen beim höheren Ansteuern von Tonbändern ganz weich. Der Bandsättigungseffekt ist keine plötzliche Mauer oder Grenze. Auch wurde der Pegel für diesen Effekt nie mehr als 6 dB über der Norm gefahren. Dass man ein Band nachträglich auf ein Band lauter kopierte, um die Bandsättigung als Farbe zu erhalten, war undenkbar, das klingt einfach nicht und hört sich nach technischem Fehler an. Das geht nur für ausgewählte Tonspuren ganz überlegt zu machen. Auch der E-Bass ließ einiges an Höhenverzerrungen mit Sättigungseffekt zu. Auch stimmt es, dass diese Effekte sich je nach Bandsorte etwas unterschiedlich im Klag auswirkten. Es gehörte zur Ehre eines Tontechnikers, gerade kein verzerrtes Band abzuliefern. Dieser spezielle Effekt wurde viel eingeschränkter angewendet, als man heute annimmt.

Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstuditechnik
http://www.sengpielaudio.com


http://www.sengpielaudio.com
ZitierenPost melden
Antwort#11
Und die haben auch einen Haufen DIY Seiten. Der 1176, Pultec EQ, etc. pp.
ZitierenPost melden

Deine Antwort

Du kannst ohne Anmeldung schreiben.