Hallo pkautzsch,
"Rein theoretisch sollte also die Messung der Bewegungsgeschwindigkeit eines (z.B. wie in der Medizin leicht radioaktiv) "markierten" Teilchens, welches als Bestandteil der Luft mitschwingt, einen Schnelleempfänger ergeben. Habe ich das, abgesehen mal von der doch wohl zu aufwendigen praktischen Umsetzung, richtig verstanden?"
Ich denke ja, und zum Verstehen hilft uns die Luftpartikelgeschwindigkeits-Theorie (Schnelle-Theorie) zum Micoflown-Hitzdraht-Sensor.
Die Luftpartikelgeschwindigkeit v:
http://en.wikipedia.org/wiki/Particle_velocitydie bei uns eher Schnelle genannt wird,
ist beim Lautsprecher sehr wichtig, aber beim Mikrofon eher nicht.
Das Ohmsche Gesetz (Gleichspannung) lautet U = R mal I und R = U/I.
Entsprechend ist die Formel in der Akustik (ebene Welle) mit p = Z mal v.
Z als Schallkennimpedanz ist bei Luft (20°C) etwa 413 Ns/m³ = p/v
Zum Hitzdraht (hot wire):
http://www-isl.mach.uni-karlsruhe.de/LABOR/experimentelle_1/node28.htmlhttp://www.aero.tu-berlin.de/index.html?/forschung/stroemungsmesstechnik/hitzdraht/hitzdraht.htmlMan kommt beim Suchen nur auf Englisch weiter: acoustical particle velocity sensor, hot wire,
wobei anstatt acoustical auch nur acoustic genommen werden sollte, da sind sich die Engländer nicht einig.
http://www.microflown.com/data/acoustica.pdfhttp://www.microflown.com/data/mu-flown_1e_artikel.pdfhttp://laum-vld.univ-lemans.fr/otherstechniques.htmAls Mikrofon ist dieser Hitzdraht-Schnelle-Sensor nicht zu verwenden. Für die Mikrofonmembranbewegung brauche ich keine Partikelgeschwindigkeit; mir genügt die Schalldruckdifferenz zwischen Vorder-und Rückseite der Mikrofonmembran.
Ich wünsche mir auch kein Schallintensitätsmikrofon, dass man mir so gern um die "Ohren" haut :-) Die Bewegung meiner Trommelfellmembranen wird weder von der Partikelgeschwindigkeit v, noch von der Schallintensität I direkt betrieben.
Ich finde der Audruck Partikelgeschwindigkeit, wie ihn die Engländer kennen (particle velocity) hat mehr Aussagekraft als Schnelle. Schnelle wirkt etwas abstrakt und meine Studenten können sich darunter wenig vorstellen, wie meine Tests anschaulich zeigen. Das Wort Luftpartikelgeschwindigkeit gibt einen Aha-Effekt.
Jedenfalls lehre ich nicht mehr, dass die Luftteilchen das leichte Bändchen vom Bändchenmikrofon so einfach mitnehmen, und es darum ein "Schnellemikofon" sein soll, seit mich Manfred Hibbing so gut aufgeklärt hat.
Viele Grüße
ebs
http://www.sengpielaudio.com Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik